Wie das AFD-Programm politische Meinungsbildung stärkt
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Wie das AFD-Programm politische Meinungsbildung stärkt

Gegründet wurde die AFD als Protestpartei zur Europolitik und nun hat die Partei ihr "AFD-Programm" vorgestellt. Zeit, sich sachlich mit den Forderungen und Selbstbild der AFD auseinanderzusetzen, um entscheiden zu können, ob sie eine Alternative darstellen können.

Protest = AFD?

Bislang habe ich die Alternative für Deutschland (AFD) immer ein wenig belächelt und irritiert die Meldungen in den Medien über Äußerungen ihrer Vertreter zur Flüchtlingspolitik verfolgt.

Nun liegt es aber in der Natur des Menschen gerne seinen Protest kundzutun, was bei den momentanen Herausforderungen denen sich Deutschland seit einigen Jahren mit der Euro/Wirtschaftskrise und jetzt der Flüchtlingskrise gegenübersteht, verständlich ist. Nicht unerwartet aber dennoch bescherte dies der AFD den Einzug in mehrere Landtage. Und auch die aktuellen Prognosen sehen sie bereits im Bundestag.

Die AFD ist eine Protestpartei, die mit ihren Äußerungen polarisiert und die damit einhergehende öffentliche Aufmerksamkeit geschickt nutzt, um über diese Plattform ihren Bekanntheitsgrad zu steigern. Den Ansatz der „kostenlosen“ Werbung beherrschen sie perfekt.

Zudem inszenieren sie sich als Opfer, das in seinen Aussagen von den Medien falsch verstanden wird oder zu Unrecht angegangen wird.Die mediale Aufmerksamkeit, die dieser Partei auch jetzt wieder in der Analyse des Entwurfes ihres Parteiprogramms zugestanden wird, tut hierzu ein übriges.

Einerseits ist die Analyse des Programms und die Auseinandersetzung mit dessen Forderungen unterstützenswert - es gehört definitiv zur Demokratie und zur politischen Meinungsbildung sich mit den Forderungen von Parteien auseinanderzusetzen.Andererseits macht auch hier der Ton die Musik.

Die emotionale Untermauerung der Analysen und die bereits in den Überschriften der Artikel stattfindende Wertung bleiben dem Leser nicht verborgen. Der zu offensichtliche Versuch die Forderungen der AFD als „schlecht“ darzustellen, wird daher kaum die Meinung derjenigen BürgerInnen ändern, die momentan die AFD wählen. Viel wahrscheinlicher ist da eher ein „jetzt erst Recht“ Effekt.Wie kann man aber wieder auf eine sachliche Ebene zurückgelangen?

Back to the Roots: Content

Etwas plakativ und als Anglizismus formuliert: Es geht um Inhalte!Eine Rückkehr zur sachlichen Ebene im Umgang mit der AFD ist empfehlenswert und wird letztlich am erfolgsversprechendsten sein.

Die Überblicke über den Programmentwurf und auch die thematisch bezogenen Berichte von Interessengruppen zeigen bereits, dass die AFD sehr spezielle Vorstellungen über die Zukunft Deutschlands hat. Das Problem in der Diskussion mit der AFD ist, das ihre Linie bzw. ihr Kern nicht greifbar ist.

Es ist relativ einfach, zu bestimmten Themen ihre Postion zu bestimmen und sich dagegen zu ereifern, wie etwa ihre Einstellung zum Islam, zum rückständigen Frauenbild, zur Europapolitik, zu ihrem überzogenen Konservatismus. Aber all dies greift zu kurz, da es nicht nur auf einen einzelnen Themenbereich ankommt sondern auf das Gesamtbild.

Und meinen Gesamteindruck über den Programmentwurf der AFD fasst die Netzaktivistin Katharina Nocun in diesem Interview wunderbar zusammen:

Die AfD ist eine Plattform für alle möglichen Leute, die vielleicht nach einer Partei gesucht haben und diese nicht im demokratischen Spektrum gefunden haben. (…) Die AfD ist eine Partei der einfachen Lösungen: Wir kennen das Sündenbock-Phänomen aus unserer Geschichte zu Genüge.

Auf ihrer Internetseite setzt sie sich ausführlich mit der AFD auseinander und tut das, was man als mündiger Wähler tun sollte: Sie liest die Wahlprogramme der AFD und bildet sich eine eigene Meinung. Und sie geht noch einen Schritt weiter, der dazubeitragen wird, das AFD-Wähler oder „Fast-AFD-Wähler“, sich vergegenwärtigen, was den Kern ihrer Partei darstellt.

Sie belegt ihre Aussagen mit Zitaten bzw. Screeshots aus den Programmen. Wissenschaftlich formuliert geht sie damit über die Nutzung von sekundären Quellen hinaus. Denn sekundäre Quellen - wie eben Kommentare, Zeitungsartikel- etc. sind immer angreifbar, weil sie eben auch werten indem sie die Meinung des Autors reflektieren.

Die Nutzung von „Primärquellen“ zwingt den Leser dagegen dazu, sich selber ein Bild zu machen und zu überlegen, ob die Gesamtheit der AFD in den eigenen Wertekanon passt bzw. ob ihre Forderungen dazubeitragen, dass es mir als Bürger und Individuum besser gehen wird.

Wer sich mit dem AFD-Programmentwurf und auch mit den Programmen der übrigen Parteien auseinandersetzen möchte, um sich eine eigene Meinung zu bilden und diese dann auch fundiert vertreten zu können, dem sei z.B. diese Internetseite empfohlen, auf der sich alle Programme befinden und ein Test für die eigenen Wahlpräferenzen.


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About the Author Nadine Behncke

Promovierte Volkswirtin und überzeugte Europäerin. Ihre Schwerpunkte sind die Entwicklung und Herausforderungen der EU mit ihren Auswirkungen und Folgen auf Deutschland und seine Bevölkerung. Sie schreibt auf Think About zu Politik, Wirtschaft & Geschichte in Europa, um Wissen zu vermehren und zur Diskussion beizutragen.

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1 comment
Gaerhäerdt says April 22, 2019

Die Partei ist vorallem deshalb so populär geworden weil ,, linke “Journalisten und Politiker sich nicht ernsthaft mit Recherche und eigenen konkreten Themen mehr befasst haben und das auch hier ,wie bei vorallem rechten ,vorherrschenden Selbstbestättigungsdiskursen nicht einmal bemerkt haben!

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