Aktualisiert: 15. März 2023

Angebot und Nachfrage: Erklärung und Determinanten der Marktseiten

Angebot und Nachfrage sind die zentralen Bausteine im Marktgeschehen einer Volkswirtschaft. In diesem Artikel erklären wir euch die Wirkungen und Determinanten der beiden Begriffe. Sowie ihre verschiedenen Darstellungsformen, um die Mechanismen eines Marktes zu analysieren. 

Definition Angebot und Nachfrage

Angebot und Nachfrage: Die Menge an Gütern und Dienstleistungen, die zu einem bestimmten Preis auf einem Markt zur Verfügung stehen, sowie die Absicht von Wirtschaftssubjekten, eben diese Güter und Dienstleistungen zu einem bestimmten Preis zu kaufen. Das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage schwankt aufgrund verschiedener externer Faktoren. Es handelt sich hierbei um ein grundsätzliches wirtschaftliches Prinzip bzw. Modell. Auch bezeichnet als Gesetz von Angebot und Nachfrage. Oder als Angebot-Nachfrage-Modell.

Angebot und Nachfrage

Die Grafik zeigt die Angebots- und Nachfragekurve. Sie stellen die beiden zentralen Bestandteile im Modell von Angebot und Nachfrage dar. Beide Kurven sind linear. Die Angebotskurve weist einen steigenden Verlauf auf. Mit steigendem Preis des Gutes steigt auch die Angebotsmenge. Allerdings sind Unternehmen oder generell Anbieter in der Regel erst ab einem bestimmten Preis bereit überhaupt am Marktgeschehen teilzunehmen, da ihnen mit der Produktion des Angebotes auch Kosten entstehen, die gedeckt sein müssen.

Die Nachfragekurve weist einen fallenden Verlauf auf. Mit steigendem Preis des Gutes nimmt ceteris paribus die nachgefragte Menge des Gutes ab. 

Darstellungsformen Angebot und Nachfrage 

Das Modell von Angebot und Nachfrage kann man auf drei verschiedene Arten darstellen. Jede Form besitzt Stärken und Schwächen und erlaubt unterschiedliche Blickpunkte. Zum Teil sind sie auch eng miteinander verwandt. Für ein umfassendes Verständnis von Angebot und Nachfrage ist es am besten verschiedene Darstellungsformen miteinander zu kombinieren und an verschiedenen Beispielen zu erproben. Denn trotz ihrer vermeintlichen Einfachheit ermöglichen sie bereits ein recht breites Arsenal an Analyse- und Interpretationsmöglichkeiten.

Man unterscheidet zwischen erstens der Darstellung über Tabellen: Hier stellt man für das Angebot und die Nachfrage sogenannte Angebots- und Nachfragepläne auf. 

Die zweite Darstellungsform, die im Prinzip auf den Tabellen aufbaut, ist die grafische Darstellung. Man überträgt die Daten aus den Tabellen in ein Koordinatensystem und erhält ein Marktdiagramm, das die Angebots- und Nachfragekurve enthält. 

Bei der dritten Darstellungsform handelt es sich um die mathematische Formulierung der Angebots- und Nachfragekurve. In diesem Fall formuliert man die Kurven als Funktionen. Die mathematische Darstellung der Kurven ermöglicht es, einfach das Marktgleichgewicht zu berechnen oder auch weitergehende Analysen konkret quantitativ durchzuführen.

Nachfolgend stellen wir die drei Darstellungsformen anhand eines einfachen Beispiels vor. 

1. Tabellendarstellung von Angebot und Nachfrage

Angebot und Nachfrage

Die vorliegende Tabelle stellt den Markt für ein Gut x dar. Der Angebotsplan des Anbieters wird durch die angebotene Menge x in Abhängigkeit des Preises dargestellt. Zum Beispiel bietet das Unternehmen für einen Preis von null das Gut nicht mehr an. Die größte Menge des Gutes bietet es bei dem Höchstpreis von 10 € je Stück an. Man sieht, dass die angebotene Menge mit steigendem Preis steigt. Analog dazu ist der Nachfrageplan zu interpretieren. Er wird durch die Spalten der Nachfragemenge und des Preises dargestellt. Der Einfachheit halber haben wir die Werte für die Nachfrageseite einfach gespiegelt. Aber man erkennt, dass die nachgefragte Menge mit steigendem Preis sinkt.

Die Tabelle erlaubt bereits direkt und über weitere einfache Berechnungen recht tiefe Einblicke in das Marktgeschehen. Wir geben ein paar Beispiele:

1. Das Gleichgewicht befindet sich beim Preis von 5 € und x = 10.  

2. Bei einem höheren Preis als 5 € liegt ein Angebotsüberschuss (AÜ) vor. Hier ist das Angebot höher als die Nachfrage. Bei einem Preis kleiner als 5 € liegt ein Nachfrageüberschuss (NÜ) vor. Hier die Nachfrage größer als das Angebot.

3. Die dazugehörigen Zahlenwerte erhaltet ihr, wenn ihr die nicht gehandelte Menge berechnet (Angebot minus Nachfrage). Hier erhaltet ihr Einblicke in das Angebot des Unternehmens. Bei einem Angebotsüberschuss macht es einen Verlust, weil es zu viele Einheiten des Gutes produziert, hat als nachgefragt wird. Bei einem Nachfrageüberschuss kann es nicht den optimalen Umsatz erzielen, weil es weniger Einheiten des Gutes produziert hat und anbietet als zu diesem Preis nachgefragt wird. 

4. Bestimmt ihr abhängig von Angebots- und Nachfrageüberschuss die gehandelte Menge x seht ihr, dass im Gleichgewicht beim Preis von 5 € mit 10 Einheiten des Gutes x auch die höchste Menge des Gutes gehandelt wird.

2. Grafische Darstellung von Angebot und Nachfrage

Hier seht ihr die grafische Darstellung des obigen Beispiels. Wir haben den Angebots- und Nachfrageplan in ein Koordinatensystem übertragen und haben so das Marktdiagramm mit der Angebots- und Nachfragekurve erstellt. 

Hier erkennt man sofort den steigenden Verlauf der Angebotskurve. Also, dass die angebotene Menge mit steigendem Preis zunimmt. Dagegen besitzt die Nachfragekurve einen fallenden Verlauf. Mit steigendem Preis sinkt die nachgefragte Menge. Im Schnittpunkt der beiden Kurven liegt das Marktgleichgewicht aus dem Beispiel: p = 10 und x = 5.

3. Funktionen von Angebot und Nachfrage

Die mathematische (algebraische) Darstellung der Kurven bezeichnet man als Funktionen.

Im Angebot und Nachfrage Modell liegen in der Regel lineare Funktionen vor.

Lineare Funktion: y = b∗x + t


Die Funktion stellt den Zusammenhang zwischen der Variable x und y dar. b stellt die Steigung der Funktion dar. t ist eine Konstante. Sie erhält man über den Schnittpunkt mit der y-Achse.

 Auf unser Beispiel bezogen, ergeben sich die beiden folgenden Funktionen:

Nachfragefunktion: N = 20 – 2p

Bei dem Wert von 2 handelt es sich um die Steigung. Aufgrund der negativen Steigung habt ihr hier ein negatives Vorzeichen. Bei der Nachfragekurve könnt ihr die Steigung b einfach über das Verhältnis der beiden Schnittpunkte mit den Achsen berechnen (Schnittpunkt y-Achse / Schnittpunkt x-Achse bzw. 20/10 = 2)

Die Konstante t ist der Schnittpunkt mit der y-Achse. Ihr erhaltet den Wert 20.

Eine ausführlichere Erklärung zum Aufstellen der Nachfragefunktion findet ihr in unserem Artikel zur Nachfragefunktion.

Angebotsfunktion: A = 2p

Die Angebotsfunktion besitzt eine positive Steigung m = 2. Im Gegensatz zur Nachfragefunktion sind hier nicht bereits zwei Punkte vorgegeben, über die ihr die Steigung berechnen könnt. Mittels Grafen oder Tabelle sucht ihr euch zwei Punkte und berechnet so die Steigung der Kurve. Also, das Verhältnis aus der Veränderung von p, wenn die x um eine Einheit steigt. 

In unserem Beispiel besitzt, liegt der Schnittpunkt der Angebotskurve mit der y-Achse im Ursprungspunkt bzw. beim Wert von null. Die Konstante t = 0 haben wir in der Angebotsfunktion nicht aufgeführt.

Eine ausführlichere Darstellung der Angebotsfunktion mit Beispiel findet ihr in der zugehörigen EUNOMICS-Erklärung.

Angebot und Nachfrage, Marktgleichgewicht und Gleichgewichtspreis

effizienz marktgleichgewicht Angebot und Nachfrage

Die hier dargestellte Grafik veranschaulicht die Erkenntnisse aus dem Beispiel der drei Darstellungsformen von Angebot und Nachfrage. Sie zeigt, wie Angebot und Nachfrage gemeinsam die auf dem zugehörigen Markt umgesetzte Menge und den Preis des betrachteten Gutes bestimmen.

Wir haben einmal die fallende Marktnachfragekurve und die steigende Marktangebotskurve. Den Punkt, an dem sich die beiden Kurven schneiden, bezeichnet man als Marktgleichgewicht. Das Gleichgewicht bezeichnet einen Zustand, an dem keine Kräfte wirken, die zu einer Veränderung führen. Diese Marktkräfte sind Angebot und Nachfrage. Auf einem Markt übt das Verhältnis von Angebot und Nachfrage Druck auf den Preis aus. Unter bestimmten Voraussetzungen ist der Nutzen für die Konsumenten größer als die Kosten für die Anbieter. Oder es liegt der entgegengesetzte Fall vor. Auf jeden Fall liegt dann auf dem Markt kein Gleichgewicht vor. 

Entweder liegt ein Angebotsüberschuss vor oder ein Nachfrageüberschuss. 

Das Gesetz von Angebot und Nachfrage: Anpassungsprozesse im Marktgleichgewicht

gleichgewichtspreis Angebot und Nachfrage

Angebotsüberschuss: Situation, in der die zum Marktpreis angebotene Menge größer ist als Marktnachfrage

Nachfrageüberschuss: Situation, in der die zum Marktpreis nachgefragte Menge größer ist als das Marktangebot

Die Angebots- und Nachfragetabellen aus dem vorherigen Abschnitt illustrieren anhand von einem Zahlenbeispiel diese Zusammenhänge. 

Ist der Markt im Ungleichgewicht, passen die Anbieter und Nachfrager ihr Verhalten an. Beispielsweise könnten die Unternehmen ihre Produktion und damit ihr Angebot einschränken, wenn die Kosten für die Käufer größer sind als der Nutzen für die Käufer. Hierdurch passt sich der Preis an, was wiederum das Marktverhalten der Anbieter und Nachfrager beeinflusst.

Dies geschieht so lange, bis das Marktgleichgewicht erreicht ist. In diesem Punkt entsprechen die Kosten der Anbieter dem Nutzen der Nachfrager.

Die hier umgesetzte Menge bzw. den Preis bezeichnet man als Gleichgewichtsmenge bzw. als Gleichgewichtspreis.

Gleichgewichtsmenge: Angebotene und nachgefragte Menge zum Gleichgewichtspreis

Gleichgewichtspreis: Der Preis, bei dem die nachgefragte Menge der angebotenen Menge entspricht.

Die Preisanpassungen, um die Ungleichgewichte aufzulösen und Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht zu bringen, bezeichnet man als Gesetz von Angebot und Nachfrage:

Gesetz von Angebot und Nachfrage: Preisanpassungen zur Angleichung angebotener und nachgefragter Gütermenge auf Märkten.

Vertiefende EUNOMICS-Artikel

Angebot und Angebotskurve

angebotskurve angebotsfunktion

Angebotskurve: Grafische Darstellung des Zusammenhangs zwischen Preisen und Angebotsmengen eines Gutes.

Es gibt verschiedene Arten von Angebotskurven. Je nach Betrachtungsebene gibt es beispielsweise die Angebotskurve eines einzelnen Unternehmens. Dann gibt es die Marktangebotskurve oder auch die gesamtwirtschaftliche Angebotskurve.

Das Standardmodell von Angebot und Nachfrage betrachtet Marktangebotskurven. Spricht man vom Angebot, meint man damit die Marktangebotskurve. Sie ist die Summe aller individuellen Angebotskurven der Unternehmen für das betrachtete Gut. Es ist wichtig, sich den Unterschied zwischen den Begriffen Angebot bzw. Angebotskurve und der Angebotsmenge bewusst zu machen.

Angebotsmenge: Die Gütermenge, die Verkäufer auf einem Markt verkaufen wollen und können.

Aus dem positiven Zusammenhang zwischen der Höhe des Preises und der Angebotsmenge, der im steigenden Verlauf der Angebotskurve abgebildet ist, folgt das Gesetz des Angebotes: 

Gesetz des Angebotes: Die angebotene Menge eines Gutes steigt unter sonst gleichen Bedingungen (ceteris paribus), wenn der Preis dieses Gutes steigt.

Für ein Unternehmen bedeutet der steigende Preis zuerst einmal bei gleichbleibendem Angebot einen höheren Erlös. Das Unternehmen wird deshalb seine Produktion und damit seine angebotene Menge erhöhen. Allerdings entstehen mit der Ausweitung der Produktion auch weitere Produktionskosten. Das Unternehmen wird deshalb seine Angebotsmenge so lange ausweiten, bis die Kosten jeder zusätzlich produzierten Einheit (Grenzkosten) dem Erlös jeder zusätzlichen Einheit (Grenzerlös) entsprechen. 

 Es ist wichtig, sich den Unterschied zwischen Angebot bzw. Angebotskurve und angebotener Menge bewusst zu machen. Wir gehen auf die Unterscheidung noch einmal genauer bei dem analogen Fall für Nachfrage und nachgefragte Menge ein.

Spricht man von einer Veränderung des Angebots, bedeutet dies eine Veränderung des Niveaus und damit eine Verschiebung der Angebotskurve. Eine Änderung der angebotenen Menge bedeutet dagegen eine Bewegung auf der Kurve. Das „Angebotsniveau“ bleibt konstant.

Bestimmungsgrößen des Angebots

  • Preis
  • Inputpreise (Preise der Produktionsfaktoren und Vorleistungen)
  • Rentabilität der Produktion (z.B. auch Steuern) und Preisänderungen von Gütern, die mit dem Gut in einer Beziehung stehen (Kuppelprodukte)
  • Technologie
  • Natürliche und gesellschaftliche Ressourcen
  • Erwartungen der Anbieter
  • Anzahl der Anbieter

Diese Faktoren bestimmen prinzipiell das Marktangebot. Neben dem erzielbaren Güterpreis sind hier insbesondere diejenigen Faktoren zentral, die Einfluss auf die Produktions- und Kostenstruktur des Unternehmens besitzen. Hierzu zählen vor allem die Inputpreise, also z.B. die Gehälter, die an die Mitarbeitenden gezahlt werden. Oder Zahlungen wie Steuern etc., die die Rentabilität schmälern. Die Technologie des Produktionsprozesses: Z.B. führt eine effizientere Produktion bei steigender Produktionsmenge zu niedrigeren Kosten. Außerdem sind auch Zukunftserwartungen der Anbieter oder auch die Anzahl der Anbieter von Bedeutung.

So können negative Zukunftserwartungen dazu führen, dass Investitionen verschoben werden. Und die Anzahl der Anbieter hat konkret Auswirkungen auf die Wettbewerbssituation. Eine höhere Anzahl der Anbieter führt ceteris paribus bei der Annahme von homogenen Gütern zu einer höheren Angebotsmenge und damit bei konstanter Nachfrage zu niedrigeren Preisen.

Mit Ausnahmen des erzielbaren Güterpreise führen alle übrigen Faktoren zu einer Verschiebung der Angebotskurve. Sie sind nicht Bestandteil der in der Angebotskurve dargestellten Beziehung zwischen der angebotenen Menge eines Gutes und seinem korrespondierenden Preis. Eine Veränderung des Preises führt dagegen zu einer Bewegung auf der Kurve. 

Nachfrage und Nachfragekurve

nachfragefunktion nachfragekurve

Nachfragekurve: Grafische Darstellung des Zusammenhangs zwischen Preisen und Nachfragemenge eines Gutes.

Es gibt verschiedene Arten von Nachfragekurven. Je nach Betrachtungsebene gibt es beispielsweise individuelle Nachfragekurven, Marktnachfragekurven oder auch eine gesamtwirtschaftliche Nachfragekurve.

Das Standardmodell von Angebot und Nachfrage betrachtet Marktnachfragekurven. Spricht man von der Nachfrage, meint man damit die Marktnachfragekurve. Sie ist die Summe aller individuellen Nachfragekurven der Nachfrager für das betrachtete Gut. Es ist wichtig, sich den Unterschied zwischen der Nachfrage bzw. Nachfragekurve und der Nachfragemenge bewusst zu machen.

Nachfragemenge: Die Menge eines Gutes, welche die Konsumenten zu unterschiedlichen Preisen erwerben wollen und können.

Aus dem negativen Zusammenhang zwischen der Höhe des Preises und der Nachfragemenge, den man in der fallenden Nachfragekurve erkennt, folgt das Gesetz der Nachfrage:

Gesetz der Nachfrage: Die nachgefragte Menge eines Gutes sinkt unter sonst gleichen Bedingungen (ceteris paribus), wenn der Preis dieses Gutes steigt.

Die Unterscheidung zwischen Nachfrage und nachgefragter Menge bzw. Nachfragemenge ist nun wichtig, weil hiermit unterschiedliche Sachverhalte gemeint sind und Auswirkungen auf die Analyse hat.

Spricht man beispielsweise davon, dass sich die Nachfrage erhöht hat, bedeutet dies, dass sich die Nachfragekurve erhöht hat. Dies entspricht eine Verschiebung der Kurve nach rechts in der Grafik. In diesem Fall hat sich das Niveau erhöht.

Erhöht sich dagegen die nachgefragte Menge, hat dies keine Auswirkungen auf die Kurve. Das Niveau bleibt konstant. Stattdessen erfolgt eine Bewegung auf der Kurve. Die Bestimmungsgrößen bzw. Determinanten der Nachfrage beeinflussen, wann eine Bewegung auf der Kurve (Änderung der Nachfragemenge) stattfindet und wann eine Verschiebung der Kurve (Änderung der Nachfrage).

Bestimmungsgrößen der Nachfrage

  • Änderung des Preises
  • Preisänderungen von Gütern, die mit dem betrachteten Gut in Verbindung stehen (Substitut und Komplementärgüter)
  • Einkommen und ggf. Kreditmöglichkeiten
  • Präferenzen der Konsumenten
  • Erwartungen der Konsumenten
  • Zahl der Konsumenten

Die hier aufgeführten Faktoren bestimmen prinzipiell die Nachfrage. Vereinfacht formuliert, steht hier der Konsument im Mittelpunkt. Faktoren, die seine Konsumentscheidung für das Gut beeinflussen, bestimmen demnach die Nachfrage. Nach der Haushaltstheorie in der Mikroökonomik sind Preise für das Gut und das verfügbare Einkommen zentrale Determinanten. Außerdem spielen die Preise verwandter Güter, Präferenzen und Erwartungen eine Rolle. Aber auch die Anzahl der Konsumenten beeinflusst die Nachfrage, da bei kurzfristig gegebenen Produktionsmöglichkeiten der Unternehmen eine höhere Zahl an Konsumenten ceteris paribus zu einer höheren Nachfrage führt.

Die Änderung des Güterpreises selbst führt zu einer Bewegung auf der Nachfragekurve. Denn bei dem Güterpreis handelt es sich um ein Signal, um Knappheiten zu erkennen und gegenzusteuern. Änderungen bei den übrigen Faktoren führen zu einer Verschiebung der Nachfragekurve. Sie sind nicht direkter Bestandteil der grafisch oder mathematisch dargestellten Beziehung zwischen der nachgefragten Menge des Gutes und seinem Preis. 

Angebot und Nachfrage und verschiedene Marktformen

Das Modell von Angebot und Nachfrage gilt in einem vollkommenen Markt. Diese Marktform ist das Standardmodell in der VWL. Aber in der Realität sehr selten anzutreffen. Die Hauptmerkmale dieser Marktform sind u. a. eine unendlich hohe Anzahl von Anbietern und Nachfragern, deren individuelles Verhalten keinen Einfluss auf den Preis besitzt. Wie eingangs bei der Definition beschrieben, spricht man von einem Wettbewerbsmarkt oder auch von einem Polypol mit vollständiger Konkurrenz.

Die grundlegenden Erkenntnisse des Gesetzes von Angebot und Nachfrage sind aber auch in anderen Marktformen gültig. Es ist hierbei aber notwendig, sich anzuschauen, welche Auswirkungen die Abweichungen vom Standardmodell auf die Preisbildung besitzen. Denn es ist der Preis, der Angebot und Nachfrage in Einklang bringt.

Die wichtigsten Marktformen sind (neben dem Grundmodell der vollständigen Konkurrenz):

Unvollkommene Konkurrenz: Bei dieser Marktform handelt es sich ebenfalls um ein Polypol. Wie im Grundmodell gibt es viele Anbieter und Nachfrage. Der Unterschied zum Ausgangsmodell liegt nicht in der Anzahl der Marktteilnehmer begründet, sondern darin, dass keine vollkommene Konkurrenz vorliegt. Es liegt unvollkommene Konkurrenz. D. h. es existieren Schranken, die den Wettbewerb in irgendeiner Form behindern. Dies hat zur Folge, dass Anbieter ihren Preis geringfügig variieren können. (Dies ist bei der vollkommenen Konkurrenz nicht möglich). Man spricht deshalb auch von monopolistischem Wettbewerb. In der Regel pendelt sich aber ein Gleichgewichtspreis ein.

Oligopol: Bei einem Angebotsoligopol stehen auf einem Markt wenige Anbieter vielen Nachfragern gegenüber. Die Unternehmen verfügen über Marktmacht und können auf den Preis einwirken. In den Analysen zum Preissetzungsverhalten unterscheidet man zwischen zwei Möglichkeiten: Erstens, die Unternehmen versuchen ihren Marktanteil über Preissenkungen auszubauen. Dieser direkte Wettbewerb kann in der Theorie dazu führen, dass die (wenigen) Unternehmen infolge zu starker Preissenkungen bzw. zu starkem Wettbewerb ruiniert werden. Zweitens, die Unternehmen treffen Preisabsprachen. Dies ist zum einen illegal und zum anderen sind hierdurch sämtliche positiven Effekte von Wettbewerb obsolet geworden (z.B. Wettbewerb führt zu Innovationen).

Monopol: In einem Angebotsmonopol steht ein Anbieter vielen Nachfragern gegenüber. Für die Analyse von Angebot und Nachfrage ein schwieriger Fall. Denn der Monopolist setzt den (Gleichgewichts-) Preis fest. Das Optimum wird damit maßgeblich über die Bedingungen des Monopolisten bestimmt, der seinen Umsatz und Gewinn maximieren möchte.

Zusammenfassung

  • Beim Gesetz von Angebot und Nachfrage handelt es sich um Preisanpassungen zur Angleichung angebotener und nachgefragter Gütermenge auf Märkten.
  • Angebot = Angebotskurve. Nachfrage = Nachfragekurve. Hiervon sind die nachgefragte bzw. angebotene Menge des Gutes zu unterscheiden.
  • Je nach Untersuchungsebene spricht man von individuellen Kurven, Marktkurven, aggregierten Kurven oder auch gesamtwirtschaftlichen Kurven.
  • Angebot und Nachfrage können tabellarisch, grafisch oder mathematisch dargestellt werden. Die Darstellungsformen sind miteinander eng verwandt und besitzen weitergehende Analysemöglichkeiten.
  • Grundlage für das Modell von Angebot und Nachfrage zur Bestimmung eines Marktgleichgewichtes und Gleichgewichtspreises ist ein vollkommener Markt bzw. ein Polypol mit vollständiger Konkurrenz.

Literatur


  • Krugman, P. und R. Wells: Volkswirtschaftslehre, Schäffer-Poeschel, 2017
  • Mankiw, G. und M. Taylor: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 8. Auflage, Schäffer-Poeschel, 2021.
  • Varian, Hal R. Grundzüge der Mikroökonomik, Walter de Gruyter GmbH, 2016. 
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Mankiw, G. und M. Taylor (Autor)

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Über die Autorin: 

Nadine Behncke

Promovierte Volkswirtin und überzeugte Europäerin. Ihre Schwerpunkte sind die Entwicklung und Herausforderungen der EU mit ihren Auswirkungen und Folgen auf Deutschland und seine Bevölkerung. Sie schreibt auf Think About zu Politik, Wirtschaft & Geschichte in Europa, um Wissen zu vermehren und zur Diskussion beizutragen.


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