Demeritorische Güter: Definition, Grundlagen & Beispiele

Nadine Behncke

26. September 2021
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Demeritorische Güter: Definition, Grundlagen & Beispiele

Demeritorische Güter sind Güter, bei denen die Nachfrage höher ausfällt als gesellschaftlich erwünscht. Sie sind das Gegenstück zu den häufig diskutierten meritorischen Gütern. In diesem Artikel erfahrt ihr die Definition, Eigenschaften und Beispiele dieses Gutes. 

Definition

Demeritorische Güter: Gut, bei dem die private Nachfrage höher ausfällt als gesellschaftlich gewünscht. Es verursacht sowohl private als auch gesellschaftliche Kosten, die der Konsument bei seiner Kaufentscheidung nicht berücksichtigt.

Das Gegenstück sind meritorische Güter. Mehr Informationen zu meritorischen Gütern und der Entwicklung des Konzeptes der Meritorik findet ihr hier: Artikel meritorische Güter

Eigenschaften Demeritorische Güter 

Demeritorische Güter Konsumentensouveränität

Güter sind demeritorisch, wenn der Staat ihren Konsum oder die Höhe des Konsums als gesellschaftlich negativ ansieht. Demzufolge wird er über Markteingriffe versuchen, den Konsum des Gutes zu reduzieren. Oder ihn ganz verbieten.

Wie bei den meritorischen Gütern, ist auch bei den demeritorischen Gütern das Kernmerkmal, dass es sich bei diesen Gütern im Kern um private Güter handelt, die problemlos über den Markt angeboten werden können.

In der Theorie der öffentlichen Güter, die Begründungen für die staatliche Bereitstellung von Gütern und Markteingriffe erarbeitet, werden vier Güterarten unterschieden. Diese Unterscheidung erfolgt über die beiden Kriterien Ausschließbarkeit vom Konsum und Rivalität im Konsum. Die beiden sich hieraus ergebenden Extremgüter sind die privaten Güter und die reinen öffentlichen Güter. Nach dieser Unterteilung können private Güter effizient über den Markt bereitgestellt werden, öffentliche Güter sollten vom Staat bereitgestellt werden. 

Die hier dargestellte Grafik unterscheidet nun die Güterarten nach zwei anderen Kriterien. Hierdurch sollen demeritorische Güter eingeordnet werden. Und zwar nach (angestrebter) Konsumentensouveränität und (sozial relevanten) externen Effekten.

Ein Staatseingriff ist per Definition ein Eingriff in die Konsumentensouveränität. Denn sei es durch Förderung oder Verbot, wird hierdurch die Kaufentscheidung des Konsumenten beeinflusst. Das zweite Kriterium ist das Vorliegen externer Effekte, das als Marktversagen interpretiert werden kann.

Hauptsächliches Abgrenzungsmerkmal von demeritorischen Gütern zu privaten und öffentlichen Gütern ist die Einschätzung der Konsumentensouveränität durch den Staat. Private und öffentliche Güter unterscheiden sich hier durch das Vorliegen der externen Effekte. Bei beiden Güterarten wird aber die Konsumentensouveränität nicht in Frage gestellt. 

Bei demeritorischen Gütern ist diese Konsumentensouveränität nicht angestrebt. Dies folgt bereits aus der Definition, da der Staat ihren Konsum reduzieren oder verbieten will. In Abhängigkeit der Bedeutung der externen Effekte unterscheidet die Grafik zwischen demeritorischen Gütern und demeritorisch öffentlichen Gütern. Ein Beispiel für demeritorisch öffentliche Güter wäre z.B. der staatliche kontrollierte Zugang zu Fixerstuben.

Demeritorische Güter und Marktversagen

demeritorische güter Marktversagen

Bei externen Effekten handelt es sich um eine Art von Marktversagen. Die Abbildung unterscheidet die verschiedenen Güterarten nach Art des Marktversagens. Bei privaten Gütern liegt kein Marktversagen vor, da der Marktmechanismus funktioniert.

Das andere Extrem sind wieder die öffentlichen Güter: Hier liegt „totales“ Marktversagen vor, da der Markt nun überhaupt nicht funktioniert. Andernfalls würde es auch keinen Grund geben, warum der Staat ein (öffentliches) Gut effizienter bereitstellen kann als der Markt.

Bei meritorischen und demeritorischen Gütern liegt nun eine andere Art des Marktversagens vor. Bzw. ist hier interessant, dass es eine Unterscheidung zwischen meritorischen und demeritorischen Gütern gibt.

Wie bereits ausgeführt, sind (de)meritorische Güter eigentlich private Güter. Aufgrund tatsächlicher externer Effekte bzw. als für gesellschaftlich bedeutsam erachteter externen Effekte liegt nun doch eine Einschränkung des Marktmechanismus vor.

Bei meritorischen Gütern funktioniert der Markt, aber nicht optimal. D.h. nicht so wie gewünscht. Dies bezeichnet man als Partielles Marktversagen. 

Bei demeritorischen Gütern dagegen liegt nun nicht wirklich ein partielles Marktversagen vor. Der Markt würde funktionieren. Er darf es aber nicht, aufgrund der mit dem Konsum erwarteten negativen sozialen Kosten. Die Art des Marktversagens ist damit konkret ein Staatseingriff in das Marktgeschehen in Form Reglementierungen oder Verboten.

Mehr Informationen zum Marktversagen findet ihr hier: Artikel Marktversagen

Beispiele Demeritorische Güter

 Die folgende nicht abschließende Aufzählung listet die gängigsten Beispiele für demeritorische Güter auf:

  • Drogen
  • Tabak
  • Alkohol 
  • Pornografie
  • Zwangsprostitution
  • Tourismus

Die Auswahl weist bereits darauf hin, dass sich die Einstufung demeritorischer Güter in ihrer Begründung unterscheiden kann. Zudem kann die Einstufung auch nur teilweise oder zeitweise erfolgen.

Recht eindeutig ist die Begründung für die Beispiele Drogen, Tabak und Alkohol.

Hier greift das Argument der sozialen externen Kosten. Der Konsum von Alkohol etc. verursacht private Kosten. Bei übermäßigem Konsum können aber Gesundheitsschäden entstehen. Selbst wenn diese potenziellen Schäden bekannt sind, sind ihr Ausmaß und die Folgen im Voraus aber unbekannt. Außerdem kann auch eine Abhängigkeit vom Konsum der Güter entstehen, so dass der einzelne Konsument nicht selbständig in der Lage ist, seinen Konsum wieder zu reduzieren.

Neben den privaten Kosten kommen nun soziale externe Kosten hinzu. Die Kosten für die Behandlung von insbesondere Suchtkrankheiten sind hoch. Die finanziellen Mittel, mit denen das Gesundheitswesen finanziert wird, sind begrenzt. Für die Behandlung von Suchtkrankheiten aufgewendete Mittel könnten effizienter eingesetzt werden. Es gibt damit einen Bedarf für einen Eingriff des Staates.

Dass die Einstufung von demeritorischen Gütern abhängig von der gesellschaftlichen Sichtweise und vom Konsumausmaß abhängt, verdeutlichen auch die Beispiele Alkohol und Tourismus. Bei Tourismus greift das Argument begrenzter natürlicher Ressourcen und der Umweltökonomie. Zu viel Tourismus kann die Natur schädigen.

Und der Konsum von Alkohol wurde während der Prohibition in den USA verboten. Alkohol wurde damit als demeritorisches und zu verbietendes Gut angesehen. Heute ist es dagegen üblich, Alkohol als legales Gut zu akzeptieren, wobei Einschränkungen für den Konsum gegeben sind.

Maßnahmen zur Reduzierung des Konsums demeritorischer Güter

Dem Staat steht eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Verfügung, in das Marktgeschehen einzugreifen. Je nach Einschätzung der sozialen Kosten der demeritorischen Güter können diese Eingriffe indirekt erfolgen oder direkt über Eingriffe in die Preissetzung bis zum konkreten Verbot.

Die folgende Liste zeigt die wichtigsten Möglichkeiten für demeritorische Güter. Die Möglichkeiten gelten selbstverständlich in umgedrehter Sichtweise auch für meritorische Güter.

 

Konsumverbote

Der stärkte Eingriff des Staates in die Konsumentensouveränität. Der Konsum des demeritorischen Gutes wird über gesetzgeberische Maßnahmen verboten. Ein Beispiel hierfür ist das Betäubungsmittelgesetz.


Steuern und Abgaben

Steuern und Abgaben finanzieren das Staatswesen und dessen Bereitstellung von öffentlichen Güter. Sie haben aber auch eine lenkende Wirkung. Für demeritorische Güter wären beispielhaft die Tabaksteuer oder die Mineralölsteuer zu nennen. Über die Steuer erfolgt ein höherer Preis. Ist der Preis höher als die Zahlungsbereitschaft des Konsumenten verringert sich der Konsum bzw., weicht der Konsument auf andere Güter aus, die nicht als demeritorische eingestuft sind. 

 

Informationen und Beratungen

Hierbei handelt es sich bereits um weichere Eingriffe, welche an die Einsicht der Konsumenten appelliert. Beispiele wären z.B. Aufklärungsgespräche über gesundheitliche Folgeschäden durch übermäßigen Alkoholkonsum. Je nach Schweregrad können solche Beratungsgespräche freiwillig erfolgen oder werden angeordnet.


Budgetierung

Ein klassisches Beispiel wäre hierfür die Preisgestaltung im Gesundheitswesen. Allerdings handelt es sich hier eher um die angedachte Lösung des Problems, dass die finanziellen Mittel im Gesundheitswesen begrenzt sind. Und deshalb die Leistungserbringer ein Budget haben. D.h. bis zu einer bestimmten Menge erhalten sie den vollen Preis vergütet. Übersteigt die konsumierte Menge das zugrundeliegende Budget, erfolgt eine verringerte Vergütung.

 

Indirekte Eingriffe

Die einfachste und vielfältigste Gruppe von Eingriffen. Bedeutsam ist, dass sie nicht direkt in die Konsumentensouveränität eingreifen. Ein Beispiel wären z.B. Werbebeschränkungen für Tabakwaren oder Alkohol. Dies verdeutlicht, dass die Eingriffsmöglichkeiten für ein und dasselbe Gut je nach Sichtweise verschieden ausfallen können.

Zusammenfassung

  • Demeritorische Güter: Güter, bei denen die Nachfrage höher ausfällt als gesellschaftlich erwünscht.
  • Demeritorische Güter können über den Markt angeboten werden. Dies ist allerdings nicht erwünscht. 
  • Die Charakterisierung als demeritorisches Gut ist nicht fest vorgegeben. Sie kann zeitlich schwanken oder vom Konsumausmaß durch den Konsumenten abhängen.
  • Beispiele für demeritorische Güter sind harte und weiche Drogen, Glücksspiel und Prostitution. Aber aus übermäßiger Konsum von Tourismusdienstleistungen. Güter, bei deren (übermäßigen) Konsum gesellschaftlich hohe Folgekosten entstehen können.
  • Die Möglichkeiten den Konsum demeritorischer Güter zu beeinflussen reichen von konkreten Verboten bis hin zu indirekten Eingriffen, wie Werbebeschränkungen.

Literatur


  • Gottschalk, I. Kulturökonomik. Probleme, Fragestellungen und Antworten, Springer Fachmedien Wiesbaden, 2016.
  • Mankiw, G. und M. Taylor: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 6. Auflage, Schäffer-Poeschel, 2016.
  • Wildmann, L. Einführung in die Volkswirtschaftslehre, Mikroökonomie und Wettbewerbspolitik. 3. Auflage, Oldenbourg, München 2014.

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