Familiensinn: Dies sind die 11 EU-Gründerväter (+Jacques Delors)
EU-Gründerväter

Familiensinn: Dies sind die 11 EU-Gründerväter (+Jacques Delors)

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In ihrer Reihe „Europa erklärt“ benennt die Europäische Kommission 11 Männer als EU-Gründerväter. Das Wirken dieser Männer umspannt die Zeit von 1947 bis zu den 1980er Jahren.

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Sie reichen von Churchills Rede zu den „Vereinigten Staaten von Europa“ bis zur Verabschiedung der Einheitlichen Europäischen Akte. Daher zeigen diese 11 EU-Gründerväter auch einen historischen Überblick der jüngeren Geschichte. Denn sie sind nicht nur Persönlichkeiten, die als Politiker die EU gegründet haben. Sie sind Männer, die gemeinsame Erfahrungen haben. Und aus diesen Erfahrungen haben sich Visionen entwickelt, die zu ihrem jeweiligen europäischen Engagement geführt haben.

Auch wenn er offiziell kein Gründerväter der EU, darf die Rolle von Jacques Delors nicht verschwiegen werden. Ohne ihn wäre die Reihe der Gründerväter der Europäischen Union in ihrer jetzigen Gestalt nicht vollständig.

Die 11 EU-Gründerväter

EU-Gründerväter

1. Winston Chuchill

2. Jean Monnet

3. Robert Schuman

4. Konrad Adenauer

5. Alcide de Gasperi

6. Joseph Bech

Joseph Bech war ein luxemburgischer Politiker. Geprägt von seinen Erfahrungen während des ersten und zweiten Weltkrieges, erkannte er, dass ein kleines Land wie Luxemburg isoliert zwischen großen Nachbarn machtlos ist.

Hierauf aufbauend, war es sein Bestreben Luxemburg in einen Staatenverbund von „Freunden“ einzugliedern. Er war hierdurch ein starker Förderer von Wirtschaftsintegration.

Auch wenn seine Rolle im europäischen Integrationsprozess oftmals nicht so bekannt ist, darf sie nicht unterschätzt werden:

Er war einer der Gründer der „BeNeLux-Union“ zwischen Belgien, den Niederlanden und Luxemburg. Die Erfahrungen aus dieser bereits 1944 gegründeten Zollunion bilden den Grundstein für die spätere Europäische Wirtschaftsgemeinschaft.

Aufgrund seiner Erfahrungen unterstützte er auch den Schuman-Plan, so das Luxemburg an der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl teilnahm. Joseph Bech sah hierin die Chance, dass Luxemburg einen Platz und eine Stimme in Europa bekam.

Memorandum: Auf nach Messina

Der größte Verdienst von Joseph Bech besteht in seiner Leitung der Konferenz von Messina. Ohne diese vom 1. Bis zum 3. Juni 1955 gehenden Konferenz hätte es die Römischen Verträge und damit die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft niemals gegeben.

Im Mittelpunkt dieser Konferenz stand ein Memorandum der Benelux-Staaten, in dem es um eine Weiterentwicklung der erfolgreichen EKGS ging. D.h. die Länder schlugen hier vor, weitere Wirtschaftssektoren unter eine –zu schaffende- gemeinschaftliche Institution zustellen. Und auf Grundlage ihrer bisherigen Erfahrungen aus der Benelux-Union sollte ein gemeinsamer Markt geschaffen werden.

7. Johan Willem Beyen

„Ein Plan für einen gemeinsamen Markt“

Der niederländische Staatsmann Johan Willem Beyen ist ebenfalls einer der weniger bekannten Gründerväter der EU. Während seiner Zeit als niederländischer Außenminister förderte er nicht zuletzt durch seinen „Beyen-Plan“ auf der Konferenz von Messina die europäische Integration. Vor dieser Zeit war er als Bankier in der Finanzwelt tätig, auch wirkte er auf internationalen Konferenzen.

Er vertrat die Auffassung, dass regionale wirtschaftliche Integration nötig ist um Finanz- und Wirtschaftskrisen zu verhindern. Denn solche Krisen konnten mit zu Kriegen führen.

Der Beyen-Plan

Der von ihm entwickelte Beyen-Plan schlug vor eine Zollunion zu errichten, die letztlich zu einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit in einem gemeinsamen Markt weiterentwickelt werden sollte.

Die Kernpunkte dieses Plans bilden die Grundlage der Verträge von Rom und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft.

Messina: Werben für den gemeinsamen Markt

Der „Beyen-Plan“ traf nicht überall auf Gegenliebe. Weder in den Niederlanden selbst noch in Frankreich. Man war an einer weiteren wirtschaftlichen Integration zu dem Zeitpunkt nicht interessiert.

Doch nach dem Scheitern der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft wollte man einen erneuten Anlauf wagen. Die EKGS sollte nicht das Ende sein.

Auf der Konferenz von Messina war Beyen deshalb extensiv für seinen Plan. Unterstützt wurde er hierbei von Luxemburg und Belgien. Beyen stellte hier seinen Plan vor.

Er erläuterte glaubhaft, dass die zwar gewollte – aber zu dem Zeitpunkt- nicht realisierbare politische Einheit nicht ohne einen gemeinsamen Markt möglich ist. Einen gemeinsamen Markt in Europa, der mit einer gemeinschaftlichen Verantwortung für die Wirtschafts- und Sozialpolitik unter einer gemeinsamen Behörde ausgestattet ist.

8. Paul-Henri Spaak

„Europäischer Visionär mit Überzeugungskraft“

Der Staatsmann Paul-Henri Spaak war während des ersten Weltkrieges zwei Jahre lang Kriegsgefangener in Deutschland. Während des zweiten Weltkrieges versuchte er als Außenminister vergeblich Belgiens Neutralität zu wahren.

Ab Kriegsende setzte er sich für sämtliche Initiativen ein, die eine europäische Integration fördern sollten. Seine Erfahrungen weckten in ihm die Auffassung, das Frieden nur hierdurch möglich ist. Indem Länder durch verbindliche Verträge geeinigt werden.

Die Bildung der BeNeLux-Union

Spaak ist der Kopf der Benelux-Union. Er entwickelte den Plan für diese Union während seiner Exilzeit in London im zweiten Weltkrieg.

Die Idee dieser Union mag heute einfach erscheinen. Doch war sie damals einmalig und vorher noch nie verwirklicht worden: Zwischen Belgien, den Niederlanden und Luxemburg wurde der freie Verkehr von Geld, Personen, Gütern und Dienstleistungen garantiert.

Nur so –so war die Idee- konnte ein geeintes Nachkriegseuropa funktionieren.

Die Konferenz von Messina

Die Arbeit an einem gemeinsamen Ziel ist sinnvoller als der Kampf untereinander. Dieser Grundsatz aufgrund der Kriegserfahrungen führte letztlich zur Einberufung der Konferenz von Messina.

Hier war Spaak gemeinsam mit seinen luxemburgischen und niederländischen Kollegen für das Modell des Benelux-Union: übertragen auf Europa.

Das Papier hiernach ging als „Spaak-Bericht“ in die europäische Geschichte ein. Im Anschluss an die Konferenz begannen die Verhandlungen für die Römischen Verträge. Die Grundlage für diese Verhandlungen war der Spaak-Bericht mit seinen Forderungen nach einer Zollunion, einem gemeinsamen Markt und der Vergemeinschaftung der Atomenergie.

9. Walter Hallstein

10. Sicco Mansholt

11. Altiero Spinelli

„Unbeugsamer Föderalist“

12. Bonus: Jacques Delors

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About the Author Nadine Behncke

Promovierte Volkswirtin und überzeugte Europäerin. Ihre Schwerpunkte sind die Entwicklung und Herausforderungen der EU mit ihren Auswirkungen und Folgen auf Deutschland und seine Bevölkerung. Sie schreibt auf Think About zu Politik, Wirtschaft & Geschichte in Europa, um Wissen zu vermehren und zur Diskussion beizutragen.

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