Internationaler Wirtschaftszusammenhang: Erklärt an Deutschland

Internationaler Wirtschaftszusammenhang: Deutschland und die Welt

Ein internationaler Wirtschaftszusammenhang zwischen zwei Ländern besitzt mehrere Ausprägungen. Die wichtigsten Abhängigkeiten findet man auf dem Devisenmarkt und in der Zahlungsbilanz. Wir zeigen in diesem Artikel, wie internationale Transaktionen eine starke gegenseitige Abhängigkeit zwischen den beteiligten Volkswirtschaften verursachen.

internationaler wirtschaftszusammenhang

​Internationaler Wirtschaftszusammenhang und Wirtschaftspolitik

Die hier abgebildete Grafik veranschaulicht, wie ein internationaler Wirtschaftszusammenhang beeinflusst wird. Wir gehen in der Darstellung von einem 2-Länder Fall aus. D.h. wir unterscheiden zwischen dem Inland und dem Ausland.

Internationale Transaktionen zwischen den beiden Ländern führen zu einer starken gegenseitigen Abhängigkeit zwischen ihnen. Doch was löst diese Transaktionen aus?

Es sind Unterschiede in den sogenannten ökonomischen Zielgrößen, die die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes beschreiben.

Die drei wichtigsten Größen sind:

Das Volkseinkommen: Es entspricht vereinfacht formuliert dem Bruttoinlandsprodukt und steht in enger Beziehung zur Höhe der Beschäftigung.

Zinsen: Der Zinssatz ist zum einen der Preis, den man zahlen muss, um einen Kredit aufzunehmen. Zum anderen misst der (nominale) Zinssatz damit auch die Rendite eines Kredits in Form eines Geldbetrags.

(Güter-) Preise: Der Preis misst in Geldeinheiten den Wert eines Gutes oder einer Dienstleistung. Eigentlich ist der Preis das Ergebnis einer Verhandlung zwischen Anbieter und Nachfrager und entsteht erst, wenn der Kauf vollzogen ist. Allerdings willigen Konsumenten in der Regel oft ohne eine Preisverhandlung in die Forderung des Anbieters an. Dieser orientiert sich bei seiner Forderung allerdings an der Zahlungsbereitschaft der Konsumenten.

Und Unterschiede zwischen dem Niveau oder der Entwicklung dieser auf die gesamte Volkswirtschaft aggregierten Größen lösen in unserem 2-Länder Fall internationale Transaktionen aus.

Generell unterscheiden sich Volkswirtschaften hinsichtlich ihrer Rahmenbedingungen, wie Klima, (Aus)Bildung oder Bodenschätzung. Wissenschaftlich spricht man hier von einer verschiedenen Ausstattung mit Produktionsfaktoren. Neben diesen Unterschieden verfolgen Länder auch eine unterschiedliche Wirtschaftspolitik. Die gegensätzlichen Grundsatzpositionen spiegeln sich im Keynesianismus und in der Klassik/Monetarismus wider.  

Je nachdem welche Wirtschaftspolitik verfolgt wird, versuchen die Volkswirtschaften über zwei Politikbereiche die oben genannte ökonomischen Zielgrößen zu beeinflussen:

Fiskalpolitik: Variation der Staatsausgaben und Staatseinnahmen („Steuern und Subventionen“)

​Geldpolitik: Änderung der nationalen Zinsen und Geldmenge (in der Euro-Zone nur gemeinsam durch die EZB möglich, nicht mehr für jedes Mitgliedsland individuell, d.h. entfällt als eigenständige nationale Politik).

​Sowohl die Fiskal- als auch die Geldpolitik haben je nach wirtschaftlicher Ausgangslage ihre Stärken und Schwächen, manchmal ist auch ein Mix notwendig um die gewünschten Ziele zu erreichen (z.B. Verringerung der Arbeitslosigkeit bei gleichbleibendem Preisniveau). Die Wirkungsweisen der Fiskal- und Geldpolitik sind Gegenstand der Konjunkturpolitik und Makroökonomik. Da hier auch der internationale Wirtschaftszusammenhang berührt wird, wenn mehrere Länder betrachtet werden, fällt sie auch in den Bereich der (makroökonomischen) Außenwirtschaft.

Übertragungswege

Grenzüberschreitende Transaktionen werden in den Zahlungsbilanzen der beteiligten Länder erfasst. Die Hauptbestandteile der Zahlungsbilanz sind die Leistungsbilanz und die Kapitalbilanz. Außerdem ist noch der Wechselkurs wichtig. Die internationalen Transaktionen werden zwar in den Bestandteilen der Zahlungsbilanz verbucht, aber auf dem sogenannten Devisenmarkt umgesetzt. Aus dem Devisenangebot und der Devisennachfrage resultiert der Wechselkurs. Wir stellen im folgenden anhand eines Beispiels vor, wie die drei Übertragungswege des internationalen Wirtschaftszusammenhangs funktionieren.

1. Leistungsbilanz

Leistungsbilanz: Sie ist der Teil der Zahlungsbilanz, der die Güter- und laufenden Transferströme zuzüglich der unentgeltlichen Übertragungen von Sachgütern zwischen Inländern und dem Ausland ausweist.

Stark vereinfacht formuliert: Wenn man ein Auto im Ausland kauft wird der entsprechende Wert in der Leistungsbilanz als Import erfasst.

Dementsprechend resultieren Änderungen in den drei ökonomischen Zielgrößen in Änderungen in der Leistungsbilanz. Wenn also im Inland z.B. Inflation entsteht (also sich das Preisniveau stark erhöht), steigt die Nachfrage nach Gütern aus dem relativ preislich günstigeren Ausland. Dieser Import wird in der Leistungsbilanz des Inlandes verbucht. Der entsprechende Export in Leistungsbilanz des Auslands.  

2. Kapitalbilanz

Kapitalbilanz: Teil der Leistungsbilanz, der die Änderungen von Forderungen und Verbindlichkeiten der Inländer gegenüber dem Ausland ausweist.

Kommt es beispielsweise im Inland zu einer Zinserhöhung, führt dies zu einem unterschiedlichem Zinsniveau zwischen Inland und Ausland. Dies löst internationale Finanztransaktionen aus. Denn der Preis bzw. die Rendite des Kapitals im Inland ist gestiegen. Hierdurch steigt nun die Nachfrage nach inländischem Kapital. Die Kapitalimporte des Inlandes steigen bzw. die Kapitalexporte des Auslandes. Die entsprechenden Transaktionen werden in den Kapitalbilanzen der beteiligten Länder verbucht.

3. Wechselkurs

Wechselkurs: Der Preis, zu dem zwei Währungen ausgetauscht werden.

Devisenmarkt: Markt auf dem Währungen gehandelt werden. Das Devisenangebot entspricht dem Wert der Güterexporte und Kapitalimporte. Die Devisennachfrage entspricht dem Wert der Güterimporte und Kapitalexporte.

​Wie bereits eingangs erläutert, werden die internationalen Güter- und Finanztransaktionen auf dem Devisenmarkt umgesetzt. Der Devisenmarkt ist quasi dafür zuständig den Preis für die unterschiedlichen Währungen in den beiden Ländern festzulegen.

Wenn also in unserem Beispiel zur Leistungsbilanz ein Auto importiert wird, dann muss für die Bezahlung die inländische Währung in die Währung des Auslandes umgetauscht werden.

Aus dem Angebot an Währung (Devisenangebot) und der Nachfrage nach Währung (Devisennachfrage) ergibt sich der Preis: der Wechselkurs.

Der Wechselkurs ist im internationalen Wirtschaftszusammenhang nicht wegzudenken. Denn Wechselkursänderungen können ebenfalls selber den Umfang der internationalen Wirtschaftstransaktionen beeinflussen:

Wenn z.B. der Preis der Auslandswährung steigt, werden die ausländischen Produkte aus Sicht des Inlandes teurer, wodurch die Importnachfrage sinkt. (Hierbei handelt es sich aber nicht um eine tatsächliche Preiserhöhung. Für die Konsumenten des Auslandes bleibt der Preis unverändert!).  Durch solche Maßnahmen kann z.B. ein entstandenes Defizit in der Leistungsbilanz wieder ausgeglichen werden.

Wir werden in einem späteren Artikel auf Ungleichgewichte in der Leistungsbilanz und wie sie aufgelöst werden können eingehen.

Zusammenfassung

  • ​Internationale Wirtschaftsbeziehungen verursachen starke Abhängikeiten zwischen den beteiligten Volkswirtschaften.
  • ​Abgebildet werden sie vor allem in der Leistungsbilanz, der Kapitalbilanz und über den Wechselkurs.
  • ​Unterschiede in den ökonomischen Zielgrößen (z.B. Zinsen, Preise und Einkommen) zwischen den handelnden Volkswirtschaften verursachen diese Abhängigkeiten über Anpassungsmechanismen.
  • ​Über die unterschiedlichen Wirtschaftspolitik-Ansätze (z.B. Keynes/Monetarismus) werden die ökonomischen Ziegrößen beeinflusst, wodurch ebenfalls Unterschiede zwischen den Ländern entstehen.
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About the Author Nadine Behncke

Promovierte Volkswirtin und überzeugte Europäerin. Ihre Schwerpunkte sind die Entwicklung und Herausforderungen der EU mit ihren Auswirkungen und Folgen auf Deutschland und seine Bevölkerung. Sie schreibt auf Think About zu Politik, Wirtschaft & Geschichte in Europa, um Wissen zu vermehren und zur Diskussion beizutragen.

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