Konjunkturzyklus: Definition, Phasen und Wirtschaftsauswirkungen
konjunkturzyklus

Der Konjunkturzyklus und seine Wirtschaftsauswirkungen

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Der Konjunkturzyklus stellt in einer Volkswirtschaft die Abweichungen des Produktionspotenzials dar. Er unterliegt zyklischen Schwankungen und hat damit Auswirkungen auf das Wirtschaftsgeschehen. In diesem Artikel geben wir euch einen Überblick über Definition, Aufbau und Zusammenhänge des Konjunkturzyklus in Deutschland.

Definition Konjunkturzyklus

Der Konjunkturzyklus umfasst den gesamten Zeitraum, in dem die wirtschaftliche Entwicklung die einzelnen Konjunkturphasen von einem Aufschwung bis zum nächsten Aufschwung durchläuft.

Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung vollzieht sich dabei mit gewisser Regelmäßigkeit in Wellenbewegungen oder zyklischen Schwankungen (Konjunkturschwankungen).

Diese Konjunkturschwankungen folgen gewissen regelmäßigen Bewegungen (=Zyklen). Diese Konjunkturzyklen lassen sich anhand einer wellenförmig verlaufenden Kurve um den langfristigen Wachstumstrend veranschaulichen.

In einem normalen konjunkturellen Umfeld sind Zyklen einer Konjunktur völlig normal. Innerhalb einer Volkswirtschaft gibt es zudem viele verschiedene Konjunkturzyklen. So können sich z.B. die Zyklen zwischen verschiedenen Branchen oder Industrien unterschieden. Volkswirtschaftlich betrachtet man den zusammengefassten durchschnittlichen Konjunkturzyklus. Er wird über das Bruttoinlandsprodukt bzw. über seine Wachstumsraten gemessen.

Als Definition für den Konjunkturzyklus verwendet man deshalb auch oft die Definition für den Oberbegriff Konjunktur. Beides ist eng miteinander verwandt.

​​Konjunktur(zyklus):

​Schwankungen im Auslastungsgrad des Produktionspotenzials einer Volkswirtschaft.

​Beeinflusst werden Konjunktur und Konjunkturzyklus außerdem durch Schwankungen ökonomischer Größen, wie z.B. Produktion, Beschäftigung, Zinssatz und Preise. Veränderungen dieser Größen bewirken, dass Schwankungen in der wirtschaftlichen Aktivität auftreten können. Diese Schwankungen können durch den Grad der Kapazitätsauslastung gemessen werden. Als wichtigsten Indikator verwendet man hierfür das BIP.

Aufbau Konjunkturzyklus

konjunkturzyklus

Die Grafik zeigt euch, wie ein Konjunkturzyklus aussehen kann. In Lehrbüchern oder im Internet findet man für gewöhnlich zwei verschiedene Darstellungsformen. Sie unterscheiden sich danach, was Ziel der Darstellung ist. Möchte man anhand der Abbildung die vier Phasen des Konjunkturzyklus darstellen, reicht eine entsprechend gekennzeichnete Sinuskurve.

Die zweite Abbildungsart hat dagegen zum Ziel, zu erklären, warum es zu den verschiedenen Phasen kommt. Es wird deshalb auch die Entwicklung des Produktionspotenzials berücksichtigt.

Diese Darstellungsform haben auch wir in unserer Grafik gewählt.

Als Definition des Konjunkturzyklus verwenden wir hier die oben genannte Konjunkturdefinition:

„Schwankungen im Auslastungsgrad des Produktionspotenzials einer Volkswirtschaft.

Produktionspotenzial:

​Es gibt an, wie viele Güter in einer Volkswirtschaft produziert werden können, wenn alle vorhandenen Produktionskapazitäten voll ausgelastet werden. Einzelwirtschaftlich bezeichnet das Produktionspotenzial die Produktionskapazitäten eines Betriebes.

​Einzelwirtschaftlich kann man das Potenzial über Befragungen relativ leicht messen. Hier kommen die verschiedenen Konjunkturindikatoren ins Spiel. Gesamtwirtschaftlich ist diese Messung allerdings wesentlich schwieriger. Denn es lässt sich nicht eindeutig bestimmen, wann eine Vollauslastung der Produktionsfaktoren vorliegt.

Es wird daher empirisch vereinfacht über eine Produktionsfunktion gemessen. In der Regel eine Funktion mit den Faktoren Arbeit, Kapital.

Bedeutsam für eine Volkswirtschaft ist dann auch die Wachstumsrate des Produktionspotenzials. Denn sie gibt den Rahmen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Volkswirtschaft vor.

In der Grafik sehr ihr, dass das Produktionspotenzial (und damit alle Kapazitäten) eigentlich nie vollständig ausgefüllt ist. Einzige Ausnahme ist der obere Wendepunkt infolge eines Booms. Über den Konjunkturzyklus hinweg liegt eine durchschnittliche Normalauslastung des Produktionspotenzials vor. Kommt es hier zu Schwankungen durch Veränderungen bei den makroökonomischen Größen (Preise, Zinsen etc.) bewirkt dies die verschiedenen Konjunkturphasen.

Länge und Arten von Konjunkturzyklen

Die Volkswirtschaftslehre unterscheidet drei Arten konjunktureller Zyklen:

Saisonale Zyklen:

Sie haben eine Dauer von wenigen Monaten, im Winter beispielsweise witterungsbedingt im Baugewerbe.

Konjunkturelle Schwankungen:

Sie dauern in der Regel dauern, mehrere Jahre. Sie resultieren aus einem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage, welche sich zeitversetzt ergeben haben. Unter dem Begriff Konjunkturschwankungen versteht gemeinhin diese Art der Schwankungen.

Strukturelle Schwankungen

Sie können bis zu 60 Jahre anhalten. Sie resultieren aus einer grundlegenden Umstellung eines Wirtschaftssystems. Sie können Veränderungen in bestimmten Industrien bedeuten. Strukturelle Schwankungen haben einen massiven Einfluss auf den Arbeitsmarkt. Ein aktuelles Beispiel ist z.B. die Diskussion um die Zukunft der Autoindustrie, im Zuge der Klimapolitik oder auch die Digitalisierung. Strukturelle Veränderungen bedeuten immer, dass bestimmte Arbeitsplätze wegfallen.

Es muss (oder sollte zumindest) immer ein Konzept vorliegen, dass neue und auch qualitativ mindestens gleichwerte neue Arbeitsplätze entstehen. Allerdings sind solche Entwicklungen immer mit sehr viel Unsicherheit verbunden. Ergebnisse können halt immer erst im Nachhinein ausgewertet und Korrekturmaßnahmen eingeleitet werden. Politische Handlungsspielräume sind in diesem Bereich deshalb nur begrenzt vorhanden.

Messung von Konjunkturzyklen

Die Länge, die man einem Konjunkturzyklus zuschreibt, hängt wesentlich davon ab, ob man das Niveau der wirtschaftlichen Aktivität (BIP oder Produktion) als Maßstab heranzieht, oder die Wachstumsraten. (Anmerkung: In unserer Grafik oben haben wir nicht die Wachstumsrate verwendet. Man kann beides verwenden.) Grenzt man Anfang und Ende eines Konjunkturzyklus danach ab, ob die Wirtschaftsleistung absolut rückläufig war so findet man längere Zyklen.

Eine Einteilung anhand von Wachstumsraten führt dagegen zu einer größeren Zahl von kürzeren „Wachstumszyklen“.

Man kann Konjunkturzyklen auch über die Unternehmen messen: Hier schaut man wie stark deren Produktionskapazitäten ausgelastet sind. Aufgrund der verschiedenen Möglichkeiten Konjunkturzyklen zu messen, ist als Definition für einen Konjunkturzyklus zu verwenden:

Schwankungen im Auslastungsgrad des Produktionspotenzials einer Volkswirtschaft.

​Denn diese Definition beschreibt sowohl „volkswirtschaftliche Zyklen“ von mehreren Jahren bis zu Jahrzehnten. Aber auch kurze Zyklen von wenigen Jahren.

Phasen und Merkmale des Konjunkturzyklus

Im Folgenden findet ihr eine kurze Auflistung zu den vier Konjunkturphase und den zugehörigen Merkmalen. Ausführlichere Informationen findet ihr hierzu in unseren Artikeln zu den Konjunktur​phasen und Konjunkturursachen.

Der Boom

Im Boom sind die aktuellen Empfindungen der Marktteilnehmer positiv, die Erwartungshaltung jedoch negativ ausgeprägt. Der Boom und der obere Wendepunkt in einem Konjunkturzyklus besitzen folgende Merkmale:

  • Keine weiteren Preissteigerungen
  • ​​​Stagnation im Absatz
  • ​​​​Kleinere Unternehmen verschwinden vom Markt
  • ​​​​​Konzentrationsprozesse bei Unternehmen (Übernahmen, Fusionen etc.)

​Am Höhepunkt des Booms tritt eine Überhitzung der Wirtschaft ein, die zu einer Trendwende führt. Es kommt zu einer Stagnation: Die Produktion kann nicht mehr gesteigert werden. Der Markt ist gesättigt und es kommt kein Wachstum mehr zustande.

Der Abschwung und Rezession

Der Abschwung geht mit einer negativen Einschätzung der wirtschaftlichen Situation durch die Marktteilnehmer einher. Die Rezession besitzt folgende Charakteristika:

  • ​​​Hohe Lagerbestände
  • ​​​Keine/kaum Investitionen
  • ​​​Arbeitsmarkt: Rückgang von Überstunden, Anstieg von Kurzarbeit
  • ​​​​Rückläufige Börsenkurse
  • ​​​Ggf. Anstieg der Arbeitslosenzahlen, fehlende Nachfrage
  • ​​​Stagnierende Preise, kaum Lohnerhöhungen

​Die Depression

In einer Depression sind die Marktteilnehmer durchweg pessimistisch gestimmt. Sie sehen aber positive Signale in der Zukunft. Eine Depression kann als Sonderfall im Konjunkturzyklus bezeichnet werden. Er geht oft mit Wirtschaftskrisen einher (vgl. z.B. die Wirtschaftskrise der 1920er Jahre) Eine Depression besitzt folgende Merkmale:

  • ​​Massiver Anstieg der Arbeitslosigkeit
  • ​​Börsenkurse fallen rapide
  • ​​Deflation
  • ​​​Investitionen finden nicht mehr statt
  • ​​Zinsen sinken auf einen Tiefpunkt
  • ​​​Anstieg der Schattenwirtschaft

Der Aufschwung (Expansion)

Der Aufschwung vereinbart eine sowohl aktuell positive Grundstimmung der Marktteilnehmer als auch positive Zukunftserwartungen. Hier gelten folgende Merkmale:

  • ​Die Arbeitslosenzahlen gehen zurück
  • ​Lagerbestände sinken
  • ​Die Produktion steigt wieder an
  • ​Börsenkurse steigen
  • ​Preise steigen
  • ​​Anstieg des Konsums privater Haushalte

​Übersicht: Zusammenhänge im Konjunkturzyklus


​Rezession

​Aufschwung

​Boom

​Abschwung

​Kapazitäts-auslastung

​Niedrig

​Steigt

​Hoch

​Sinkt

​Gewinne

​Sinken

​Steigen stark

​Hoch

​Sinken

​Investitionen

​Sinken

​Steigen stark

​Steige n

​Sinken stark

​Nachfrage

​Sinkt

Steigt stark

​Hoch

​Sinkt

​Preisniveau/

Zinsen

​Nierig

​Steigt

​Steigt stark

​Sinkt

​Beschäftigung

​Sinkt

​Steigt

​Steigt stark

​Sinkt stark

​Lohn-abschlüsse

​Niedrig

​Steigt

​Steigen stark

​Sinken stark

​Sparen

​Hoch

​Sinkt stark

​Sinkt

​Steigt

​Diese Tabelle verdeutlicht euch übersichtsartig, die eingangs genannten wichtigen makroökonomischen Variablen, deren Veränderungen zu den verschiedenen Konjunkturphasen führen.  

Konjunkturzyklen in Deutschland

In Deutschland können seit 1950  sechs volle Konjunkturzyklen identifiziert werden. Während es z.B. in den USA eine offizielle Datierung der Konjunkturzyklen gibt, ist dies in Deutschland nicht der Fall. Hier trennt man die Konjunkturzyklen anhand der Rezession. D.h. in der Regel trennen Wirtschaftskrisen die einzelnen Zyklen voneinander. Dies traf in Deutschland seit Ende des zweiten bislang sechs Mal ein. Die nachfolgende Grafik stellt die Konjunkturzyklen in Deutschland seit 1950 dar. Grundlage hierfür sind die Wachstumsraten des (realen) Bruttoinlandsproduktes, wobei die Werte auf das Jahr 2010 normiert sind.

Die Grafik zeigt, dass Konjunkturzyklen unterschiedlich lang andauern können. Zudem kann das Ende eines Zyklus unterschiedliche Ursachen haben: Es kann internationale Ursachen haben oder nationale Gründe haben. Seit Ende der Wirtschaftskrise von 2008 befinden wir uns nun im siebten Zyklus. Wer momentan in die Zeitungen schaut (Stand: Dezember 2018) findet bereits immer mal wieder Andeutungen von Wirtschafts-instituten, die eine nahende Rezession prognostizieren.

Übersicht deutsche Konjunkturzyklen

Zyklus 1:  Der erste Konjunkturzyklus endet ca. 1967. Der Nachkriegsaufschwung endete im Herbst 1966. Im darauffolgenden Jahr war das BIP 0,2 % niedriger. Zudem kühlte sich auch die Weltwirtschaft im zweiten Halbjahr 1967 merklich ab.

Zyklus 2 und Zyklus 3:

Der zweite Zyklus endete mit der Rezession 1974, der dritte Zyklus schließlich 1981/82. Beide Zyklen endeten  durch die sogenannten Ölpreiskrisen. Sie hatten damit internationale Ursachen. Insbesondere während der ersten Ölpreiskrise floss viel Geld an die ölfördernden OPEC-Staaten. Volkswirtschaftlich bewirkte dies über die internationalen Verflechtungen einen inländischen Preisanstieg, bzw. kam es zu importierter Inflation.

In makroökonomischen Grundlagenveranstaltungen wird relativ häufig die Ölpreiskrise als Beispiel verwendet, um die importierte Inflation zu erklären. D.h. wieso Entwicklungen im Ausland  (mehr Ölexporte) zu einem Preisanstieg im Inland führen.

Zyklus 4: Der vierte Zyklus endete 1993 in einer Rezession. Es war die bis dahin einzige Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik, die binnenwirtschaftliche Ursachen hatte: im Wiedervereinigungsboom hatte es eine Überhitzung der Wirtschaft gegeben; die Bundesbank hatte u. a. wegen der zuvor hohen Inflation eine restriktive Geldpolitik praktiziert.

Zyklus 5:  Das Ende des fünften Zyklus erfolgte 2001. Im März 2000 war die sogenannte Dotcom-Blase geplatzt. Dies führte damals zum Ende des Booms der IT- und Kommunikationsbranche. Die damit einhergehende Schwächephase zog sich bis ca. 2004 hin. Ein fünfter Zyklus endete nach dieser Zählung 2001.

Zyklus 6: Das relativ starke Wirtschaftswachstum seit 2005 läutete den Beginn des sechsten Konjunkturzyklus ein. Dieser endete plötzlich im zweiten Halbjahr 2008 durch die Wirtschafts- und Finanzfinanz in vielen Industrieländern. Im Jahr 2009 ging das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) preisbereinigt um fünf Prozent zurück. Dies war der größte Rückgang der Nachkriegsgeschichte. Auch hier waren wieder internationale Faktoren der Auslöser für das Ende des Zyklus.

Zusammenfassung

  • Konjunkturzyklus: Auslastungsschwankungen im Produktionspotenzial einer Volkswirtschaft.
  • Unterschiedliche Messung beeinflusst Länge des Zyklus. Messung normalerweise über das BIP.
  • In Deutschlang gab es bislang sechs abgeschlossene Zyklen. Ursachen für eine Rezession sind in den überwiegenden Fällen internationale Faktoren gewesen.

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About the Author Nadine Behncke

Promovierte Volkswirtin und überzeugte Europäerin. Ihre Schwerpunkte sind die Entwicklung und Herausforderungen der EU mit ihren Auswirkungen und Folgen auf Deutschland und seine Bevölkerung. Sie schreibt auf Think About zu Politik, Wirtschaft & Geschichte in Europa, um Wissen zu vermehren und zur Diskussion beizutragen.

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