Markt: Definition, Funktionen, Arten & Vorteile des Wirtschaftsgetriebes

By Nadine Behncke | Mikroökonomik

Jun 02
markt vwl

Der Markt ist der Ort an dem Angebot und Nachfrage aufeinander treffen. Der Wettbewerb ist der Motor des Marktgeschehens. Hierdurch kann er seine Funktion erfüllen und Preise bilden, wodurch er seine Funktionen der Ressourcenverteilung und effizienten Produktion erfüllt.

Definition

Markt = Der Ort, an dem Anbieter und Nachfrager einer bestimmten Ware oder Dienstleistung aufeinandertreffen.

In der VWL betrachtet man den Markt aus einer objektiven und neutralen Perspektive. Auch als Vogelperspektive bezeichnet. Hierdurch grenzt sich der VWL Markt vom BWL Markt ab. In der BWL nimmt eine subjektive Perspektive ein. In der Regel definiert man den Markt aus Sicht des Unternehmens.

Grundsätzlich unterscheidet man in der VWL bei einem Markt zwischen

1. Markt als Vorgang: Hier treffen Anbieter und Nachfrager bzw, das Angebot und die Nachfrage aufeinander und tauschen ihre Leistungen aus. Dieser Austausch ist in einen Wettbewerbsprozess eingebettet.

2. Markt und Menge: Dies ist die quantitative Dimension des Marktes und beinhaltet die Anzahl der Akteure. Man unterscheidet nach der jeweiligen Anzahl der Anbieter und Nachfrager verschiedene Marktformen.

Arten von Märkten

1. Art der gehandelten Güter

Gütermärkte

Waren- und Konsumgüter: Güter für den Endverbrauch

Dienstleistungsmarkt: Handel mit Versicherungen, Unternehmensdienstleistungen, Tourismus etc.

Investitionsgütermarkt: Güter für die Herstellung anderer Güter (z.B. Maschinen)

Immobilienmarkt: Handel mit Grundstücken oder Gebäuden

Faktormärkte

Arbeitsmarkt: Angebot und Nachfrage von Arbeitskräften

Kapitalmarkt: Bereitstellung von langfristigem Kapital

Geldmarkt: Bereitstellung von kurzfristigem Kapital

Devisenmarkt: Handel von Währungen

Dies sind die bekanntesten Teilmärkte in einer Wirtschaft. Die Liste lässt sich noch beliebig erweitern.

2. nach räumlicher Ausdehnung

Lokale oder regionale Märkte: Diese Marktform ist typisch für Produkte, die durch hohe Transportkosten oder eine schnelle Verderbnis gekennzeichnet sind. Auch personalisierte Dienstleistungen, die nicht „mobil“ sind, werden auf lokalen Märkten angeboten. Beispiele sind Immobilienmärkte oder Friseure. Die Preise für diese Produkte sind auf den verschiedenen lokalen Märkten sehr unterschiedlich. Denn die Preisfindung geschieht in den jeweiligen lokalen Märkten.

Nationale Märkte: Markt, der durch die nationalen rechtlichen Rahmenbedingungen entsteht. Die Bundesrepublik Deutschland bildet z.B. einen nationalen Markt. Unterschiedliche Steuergesetze oder Normen erschweren den grenzüberschreitenden Handel und grenzen so nationale Märkte voneinander ab.

Internationale Märkte: Hier betrachtet man den Handel zwischen Marktakteuren aus verschiedenen Ländern. Im Gegensatz zum Weltmarkt betrachtet der internationale Markt nicht alle weltweit tätigen Akteure. Z.B. der Markt der europäischen Union ist ein internationaler Markt.

Weltmarkt: Auf diesem Markt werden weltweit Güter und Dienstleistungen gehandelt. Es existiert ein einheitlicher Weltmarktpreis. Transportkosten, Zölle, nicht-tarifäre Handelshemmnisse bewirken, dass der Weltmarktpreis von den lokalen oder nationalen Preisen abweicht.

Aufteilung nach drei qualitativen Kriterien

1. Nach Art der Organisation

- organisierte Märkte

- nicht-organisierte Märkte

2. Nach Art der Preisbildung

vollkommene Märkte: Wettbewerbsmarkt, bei dem die Preisbildung problemlos funktioniert.

unvollkommen Märkte: Dies sind Märkte, bei denen die Preisbildung wegen fehlender Voraussetzungen nicht einwandfrei funktioniert. Beispiele für unvollkommene Märkte sind das Monopol oder Oligopol.

3. Nach Art der Marktzutrittsmöglichkeiten

offene Märkte: Hier liegen keine Zugangsbeschränkungen für die Marktteilnehmer vor.

geschlossene Märkte: Es besteht ein eingeschränkter Zugang für Marktteilnehmer vor. Dies geschieht z.B. durch wirtschaftliche oder rechtliche Vorschriften, wie Mindestkapitalpflicht oder bestimmte Qualifikationen und Zertifikate.

Die drei Kriterien können in verschiedenen Kombinationen auftreten. Ein Beispiel für einen vollkommenen, organisierten Markt mit Zutrittsbeschränkung ist die Börse.

Marktformen

Grafik

Monopol: Marktform, bei der es nur einen Anbieter gibt. Ein Unternehmen hat hier in seiner Branche keine Konkurrenz. Es produziert weniger zu höheren Kosten und verlangt höhere Preise als dies bei Wettbewerb der Fall wäre,

Oligopol: Marktform, bei der es nur eine begrenzte Zahl von Anbietern gibt. Wenn sie zusammenarbeiten, bilden sie ein Kartell. Hierdurch können sie wie bei einem Monopol die Produktion drosseln und über höhere Preise auch höhere Gewinne erzielen. Ein Beispiel für ein Oligopol ist der Ölmarkt mit der OPEC.

Polypol: Marktform, bei der es auf mindestens einer Marktseite viele Marktteilnehmer gibt. Man unterscheidet zwischen einem Angebots-, Nachfrage- oder bilateralem Polypol. Ein Polypol gilt als bestmögliche Marktform, da hier der Einfluss der Marktteilnehmer auf den Preis so gut wie nicht vorhanden ist.

Monopson: Marktform, bei der einem Nachfrager sehr viele Anbieter gegenüberstehen. Das Monopson bildet damit das Gegenstück zum Monopol. Der Anbieter kann dann den Preis für das gewünschte Gut bestimmen. Ein Beispiel für ein (beschränktes) Monopson ist der Handel mit militärischen Produkten oder die Raumfahrtindustrie.

Marktteilnehmer

1. Nachfrager (Konsumenten): Sie kaufen Produkte auf dem Markt, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Nutzen zu maximieren.

2. Anbieter (Produzenten): Sie produzieren Güter und verkaufen sie an die Konsumenten. Ihr Ziel besteht darin sich gegen ihre Konkurrenten durchzusetzen und über Absatz und damit verbundenen Profit ihr wirtschaftliches Überleben zu sichern.

Weitere Marktteilnehmer

3. Vertriebspartner: Sie kooperieren beim Vertrieb der Produkte eines Produzenten mit diesem.

4. Staatliche Einrichtungen: Sie haben auf einem Markt zwei Funktionen: Zum einen treten sie selber als Nachfrager auf. Zum zweiten verhindern sie Marktversagen durch regulatorische Eingriffe.

5. Interessensvertretungen: Hierzu gehören u.a. Gewerkschaften oder Wirtschaftsverbände. Sie versuchen das Marktgeschehen dahingehend zu beeinflussen, das die Interessen ihrer Interessensgruppe gewahrt bleiben,

Marktfunktionen

1. Preisbildung und Koordinationsfunktion

2. Markträumung

3. Allokation von Gütern und Produktionsfaktoren

4. Rentenbildung

5. Effizienzverbesserung

6. Innovationsförderung

Vorteile von Märkten

1. Komplexität

Die Wirtschaft ist sehr kompliziert. Die Produktionsfaktoren (Kapital, Arbeit, Boden) sind begrenzt. Es gibt tausende von Produktionsbeziehungen oder Verhaltensweisen von Konsumenten. Märkte sind aufgrund ihrer Struktur und ihrer Gestaltung dazu in der Lage, diese Komplexität relativ einfach und gut zu bewältigen.

2. Effiziente Ressourcennutzung und niedrige Preise

Wettbewerb kennzeichnet einen Markt. Hierdurch garantiert er eine effiziente Verwendung der begrenzten Ressourcen. Denn für Unternehmen besteht der Anreiz ihre Produktionskosten so gering wie möglich zu halten. Und dies passiert am ehesten, wenn sie effizient produzieren. Die Unternehmen haben außerdem den Anreiz mit Hilfe einer effizienten Produktion den Konsumenten niedrige Preise anzubieten, um sich gegen ihre Wettbewerber zu behaupten.

3. Anreize für Fortschritt

Der Wettbewerb als Marktprinzip gibt den Unternehmen zu dem den Anreiz sich stetig zu verbessern und innovativ zu sein. Der Druck sich gegen die Mitbewerber durchzusetzen führt zu Fortschritten in der Produktion, den Produkten, Techniken etc. Der Fortschritt durch die Unternehmen wirkt sich so auch auf die gesamte Wirtschaft aus.

Nachteile von Märkten

1. Märkte sind amoralisch

Keine Fairness: Märkte garantieren in keinster Weise ihren Teilnehmern Gerechtigkeit oder Fairness. Es regiert „das Recht des Stärkeren“.

Preissystem als alleiniger Anreiz: Märkte sind nur auf diejenigen Teilnehmer ausgerichtet, die Geld ausgeben können. Das Preissystem liefert den Anreiz, dass Produzenten nur diejenigen Güter produzieren, für die Menschen zahlen können. D.h. wenn Konsumenten sehr arm sind kann es im Extremfall passieren dass Produzenten keinen Anreiz hätten wichtige Güter wie Medikamente zu produzieren. Da sie stattdessenn diejenigen Güter produzieren, die von zahlungskräftigen Konsumenten gewünscht sind.

Hohe Ungleichheit von Einkommen: Ein Markt belohnt diejenigen, die die gewünschten Güter am besten zur Verfügung stellen. Hierdurch können einige Verkäufer sehr reich werden. Dies führt zwangläufig zu großen Einkommens- und Vermögensunterschieden. Ist die hierdurch erfolgte Ungleichheit zu groß und wird politisch nicht gegengesteuert kann es zu großen Armutsproblemen kommen.

2. Märkte produzieren ALLES

Sie produzieren alles, was von den Konsumenten gewünscht wird. Selbst wenn die Produkte sie oder die Umwelt schädigen. Solange ein Unternehmen mit einem Produkt einen Gewinn erzielen kann, wird es dies produzieren. Anders formuliert: Jede Nachfrage führt zu einem Angebot.

Ein Beispiel ist hier der Drogenmarkt. Es besteht eine Nachfrage und ein Angebot. Der Markt liefert die Produkte ohne sich um die sozialen oder sonstigen negativen Folgen zu kümmern.

Ähnliches gilt auch für Unternehmen: Wettbewerb und Kostendruck führen dazu, dass sie unter Umständen zu dubiosen Praktiken greifen, um günstig ihre Produkte anzubieten: Kinderarbeit oder die Ausbeutung von Arbeitskräften sind hier erwähnenswerte Beispiele.

Zusammenfassung

  • Markt: Ort, an dem Angebot und Nachfrage aufeinandertreffen
  • Die wichtigsten Marktformen sind das Polypol, Oligopol und Monopol
  • Wettbewerb ist der Motor eines Marktes
  • Märkte können nach qualitativen und quantitativen Kriterien unterteilt werden.
  • Markt (VWL-Sicht): objektiv und Vogelperspektive, Markt (BWL-Sicht): Unternehmensperspektive
  • Ein Markt hat verschiedene Vorteile aber auch Nachteile
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About the Author

Promovierte Volkswirtin und überzeugte Europäerin. Ihre Schwerpunkte sind die Entwicklung und Herausforderungen der EU mit ihren Auswirkungen und Folgen auf Deutschland und seine Bevölkerung. Sie schreibt auf Think About zu Politik, Wirtschaft & Geschichte in Europa, um Wissen zu vermehren und zur Diskussion beizutragen.

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