Aktualisiert: 13. Mai 2023

Polypol: Definition, Übersicht & Beispiele

Lesezeit:  Minuten

Das Polypol ist eine Marktform, bei der viele Anbieter vielen Nachfragern gegenüberstehen. Es ist das Standardmodell des vollkommenen Marktes in der VWL. In diese Artikel stellen wir euch diese Marktform vor. Erklären Vor- und Nachteile und erläutern euch den Unterschied zwischen einem homogenen und heterogenen Polypol.

Definition Polypol einfach erklärt

Polypol: Marktform, in der vollständige Konkurrenz herrscht, weil viele Anbieter ein Gut herstellen. Den vielen Anbietern stehen viele Nachfrager gegenüber.

Das Polypol (auch als vollkommener Markt bezeichnet) ist eine Marktform, die durch eine große Anzahl von Anbietern und Nachfragern gekennzeichnet ist, die frei miteinander konkurrieren. In einem Polypol gibt es keine Marktmacht von einzelnen Anbietern oder Nachfragern, da jeder Marktteilnehmer nur einen kleinen Teil des gesamten Marktvolumens ausmacht.

Die Preisbildung erfolgt durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage, wobei der Marktpreis sich in der Regel im Gleichgewicht bei einem bestimmten Niveau einpendelt. Da es keine Marktbeherrschung durch einzelne Unternehmen gibt, haben sowohl Anbieter als auch Nachfrager keinen Einfluss auf den Marktpreis. Die Produkte sind in der Regel homogen, d.h. sie sind weitgehend standardisiert und unterscheiden sich nur in geringem Maße voneinander.

Das Polypol ist ein theoretisches Konzept und findet in der Praxis selten in seiner reinen Form statt. Dennoch wird es oft als Vergleichsgröße herangezogen, um andere Marktformen zu analysieren und zu bewerten.

Eigenschaften des Polypols

Die Marktform Polypol ist gekennzeichnet durch eine Reihe von Merkmalen, die sie von anderen Marktformen unterscheiden. Hier sind einige der wichtigsten Eigenschaften:

  • Viele kleine Anbieter: Im Polypol gibt es viele kleine Anbieter, die jeweils nur einen kleinen Anteil am Markt haben. Kein Anbieter ist groß genug, um den Markt zu dominieren oder den Preis zu diktieren.
  • Homogene Produkte: Die Produkte, die von den verschiedenen Anbietern angeboten werden, sind homogen, d. h. sie sind sich sehr ähnlich oder sogar identisch. Es gibt keine Unterschiede in der Qualität oder den Eigenschaften des Produkts, die den Preis beeinflussen könnten.
  • Freier Markteintritt und -austritt: Neue Anbieter können leicht in den Markt eintreten, da es keine Barrieren gibt, die sie davon abhalten würden. Gleichzeitig können Anbieter auch leicht aus dem Markt ausscheiden, wenn sie nicht mehr wettbewerbsfähig sind.
  • Transparenz: Es gibt eine vollständige Transparenz hinsichtlich der Preise und Qualitäten der Produkte. Die Käufer haben alle relevanten Informationen, um ihre Kaufentscheidung zu treffen.
  • Preisbildung: Der Preis wird durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Kein Anbieter hat genug Marktmacht, um den Preis zu beeinflussen. Der Marktpreis entspricht dem Gleichgewichtspreis, bei dem Angebot und Nachfrage gleich sind.
  • Keine Werbekosten: Da die Produkte homogen sind, gibt es keinen Bedarf für Werbung und Marketing, um die Unterschiede der Produkte hervorzuheben. Dies bedeutet, dass die Anbieter keine Werbekosten haben, was ihre Gewinnmargen erhöht.

Diese Eigenschaften ermöglichen es, dass der Markt wettbewerbsfähig bleibt und eine effiziente Ressourcenallokation stattfinden kann, die den Konsumenten zugutekommt.

Vorteile des Polypol für Verbraucher

Vorteile Polypol
  • Niedrigere Preise: Es konkurrieren viele Unternehmen um die Käufer, was zu einem Wettbewerb um niedrigere Preise führen kann.
  • Höhere Produktqualität: Aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks können Unternehmen versuchen, sich durch höhere Produktqualität von der Konkurrenz abzuheben.
  • Größere Produktauswahl: Ein Polypol-Markt kann eine größere Auswahl an Produkten und Dienstleistungen bieten, da es viele Anbieter gibt, die verschiedene Varianten des gleichen Produkts anbieten.
  • Bessere Kundenbetreuung: Wenn Unternehmen um Kunden konkurrieren, können sie bessere Kundenbetreuung und Kundenservice anbieten, um Kunden zu gewinnen und zu halten.
  • Innovation: Polypole können auch den Wettbewerb um Innovation und die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen fördern, da Unternehmen versuchen, sich von der Konkurrenz abzuheben und neue Kunden zu gewinnen.

Insgesamt können Verbraucher von einer größeren Auswahl, höherer Qualität, besserem Kundenservice und niedrigeren Preisen profitieren. 

Marktformen: Anzahl der Marktteilnehmer vs. Art des Produktes

Ein nachfrage- oder angebotsseitiges Polypol unterscheidet sich von einem homogenen bzw. heterogenen Polypol dadurch, dass es sich um eine unterschiedliche Marktstruktur handelt.

Ein homogenes Polypol bezieht sich auf einen Markt, auf dem viele Unternehmen identische Produkte anbieten, die für die Käufer vollständig austauschbar sind. Die Unternehmen haben nur einen begrenzten Einfluss auf den Preis, und der Preis wird durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage bestimmt.

Ein heterogenes Polypol bezieht sich auf einen Markt, auf dem viele Unternehmen ähnliche, aber nicht vollständig austauschbare Produkte anbieten. Die Unternehmen haben auch hier nur einen begrenzten Einfluss auf den Preis, und der Preis wird durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage bestimmt.

Ein nachfrage- oder angebotsseitiges Polypol hingegen bezieht sich auf eine Marktstruktur, in der es viele Käufer und nur wenige Anbieter gibt oder umgekehrt. In diesem Fall haben die Käufer oder Anbieter mehr Verhandlungsmacht und können den Preis beeinflussen.

Diese Unterscheidung zwischen den verschiedenen Arten von Polypolen ergibt sich aus den grundlegenden Marktbedingungen, die jedes dieser Modelle beschreiben. Der Fokus liegt entweder auf der Austauschbarkeit der Produkte oder auf der Machtverteilung zwischen Anbietern und Nachfragern.

Im Folgenden konzentrieren wir uns auf die Unterscheidung nach der Austauschbarkeit der Produkte bei den Formen des Polypols.

Formen des Polypol

Marktformen

Es gibt zwei grundlegende Formen des Polypols: das homogene Polypol und das heterogene Polypol.

Das homogene Polypol ist gekennzeichnet durch eine große Anzahl von Anbietern und Nachfragern, die jeweils ein homogenes Produkt anbieten oder nachfragen.

Das bedeutet, dass die Produkte der Anbieter nahezu identisch sind und sich nur in geringfügigen Merkmalen wie Verpackung oder Marke unterscheiden. Die Käufer haben somit keine Präferenzen für bestimmte Anbieter, sondern entscheiden sich allein aufgrund des Preises.

Das heterogene Polypol hingegen zeichnet sich durch eine große Anzahl von Anbietern und Nachfragern aus, die jeweils differenzierte Produkte anbieten oder nachfragen.

Das bedeutet, dass die Produkte der Anbieter in verschiedenen Merkmalen wie Qualität, Design oder Funktionalität voneinander abweichen. Die Käufer haben in diesem Fall spezifische Präferenzen für bestimmte Merkmale und sind bereit, einen höheren Preis für ein Produkt zu zahlen, das ihren Bedürfnissen am besten entspricht.

Es ist wichtig anzumerken, dass das heterogene Polypol auch als monopolistische Konkurrenz bezeichnet wird, da die Produkte der Anbieter ähnlich, aber nicht identisch sind. Dies ermöglicht es den Anbietern, einen gewissen Grad an Marktmacht zu haben, indem sie sich durch Produktmerkmale oder Marketingstrategien differenzieren. 

Beispiele Homogenes Polypol

  • Landwirtschaftliche Produkte wie Weizen, Mais oder Zuckerrohr: Da diese Produkte in der Regel standardisiert und austauschbar sind, gibt es einen intensiven Wettbewerb unter den Landwirten, was zu niedrigeren Preisen führen kann.
  • Stahlprodukte: Aufgrund der Homogenität von Stahlprodukten gibt es in der Regel viele Anbieter, die alle ähnliche Produkte anbieten. Dies kann dazu führen, dass der Wettbewerb sehr hart ist und es schwierig ist, höhere Gewinnmargen zu erzielen.
  • Fluggesellschaften: Da Fluggesellschaften weitgehend homogene Dienstleistungen anbieten, ist der Wettbewerb zwischen ihnen intensiv. Dies kann dazu führen, dass die Preise für Flugtickets sehr wettbewerbsfähig sind.

Beispiele Heterogenes Polypol

  • Automobilindustrie: Da jedes Automobilunternehmen unterschiedliche Modelle, Marken und Designs anbietet, können sich die Preise und Merkmale der Autos zwischen den Unternehmen stark unterscheiden. Dies kann zu Preisunterschieden und Preisdiskriminierung führen.
  • Bekleidungsindustrie: Die Bekleidungsindustrie bietet eine breite Palette von Produkten an, von Massenmarkt-Kleidung bis hin zu Designer-Labels. Jedes Unternehmen hat eine eigene Identität und Marke, die sich von den Konkurrenten unterscheidet, was zu einem hohen Wettbewerb und hohen Werbe- und Marketingkosten führen kann.
  • Lebensmittelindustrie: Da es in der Lebensmittelindustrie viele verschiedene Produkte gibt, von Marken- bis hin zu Eigenmarkenprodukten, kann es schwierig sein, einen fairen Preis für jedes Produkt zu bestimmen. Unternehmen müssen auch viel in Marketing und Werbung investieren, um ihre Produkte von den Konkurrenten abzugrenzen.

Preisbildung im Polypol

gleichgewichtspreis und polypol

Im Polypol bestimmt das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage den Preis. Es gibt keine einzelne Firma oder Gruppe von Firmen, die den Markt beherrscht oder über ausreichende Marktmacht verfügt, um den Preis zu beeinflussen. Jede Firma im Polypol ist ein Preisnehmer, d. h. sie muss den Marktpreis akzeptieren und kann ihn nicht beeinflussen.

Wenn die Nachfrage nach einem Produkt steigt, steigen auch die Preise, da die Unternehmen ihre Produktion erhöhen und damit höhere Kosten haben. Wenn die Nachfrage sinkt, sinken auch die Preise, da die Unternehmen ihre Produktion reduzieren und damit geringere Kosten haben. Das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage führt daher zu einem Preis, der das Gleichgewicht zwischen beiden Kräften darstellt.

Da jede Firma ein Preisnehmer ist, gibt es auch keine Unterschiede im Preis zwischen den einzelnen Anbietern. Alle Unternehmen verkaufen das Produkt zum gleichen Preis, da sie nicht in der Lage sind, den Preis aufgrund des intensiven Wettbewerbs im Markt zu erhöhen. Die Preise sind daher tendenziell stabil und spiegeln die tatsächlichen Produktionskosten und die Nachfrage nach dem Produkt wider. 

Preisbildung im homogenen und heterogenen Polypol

In beiden Formen des Polypols erfolgt die Preisbildung durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Allerdings gibt es aufgrund der Unterschiede in der Art der Produkte und der Präferenzen der Käufer einige Unterschiede im Preisbildungsprozess.

Im homogenen Polypol gibt es nur ein homogenes Produkt, das von vielen Anbietern angeboten wird. 

Da das Produkt bei allen Anbietern gleich ist, gibt es keine Unterschiede in Bezug auf Qualität oder Merkmale, die den Preis beeinflussen könnten. Der Preis wird daher in der Regel durch die Gesamtkosten der Produktion und die Nachfrage bestimmt. Wenn die Nachfrage hoch ist, steigt der Preis, und wenn die Nachfrage gering ist, sinkt der Preis. Da jeder Anbieter aufgrund der hohen Anzahl von Konkurrenten nur einen kleinen Marktanteil hat, hat er kaum Einfluss auf den Marktpreis.

Im heterogenen Polypol gibt es viele Anbieter, die differenzierte Produkte anbieten.

Da die Produkte in ihren Eigenschaften und Merkmalen unterschiedlich sind, haben die Anbieter die Möglichkeit, ihre Preise auf der Grundlage der Produktmerkmale und der spezifischen Nachfrage der Käufer zu bestimmen. Wenn ein Anbieter ein Produkt mit höherer Qualität oder besseren Merkmalen anbietet, kann er einen höheren Preis verlangen als seine Konkurrenten. Die Käufer wählen dann das Produkt aus, das am besten ihren Bedürfnissen und Präferenzen entspricht, und sind bereit, einen höheren Preis dafür zu zahlen. Aufgrund der großen Anzahl von Anbietern haben die Käufer jedoch viele Alternativen und können leicht zu anderen Anbietern wechseln, wenn der Preis zu hoch ist. Dies hält den Preiswettbewerb aufrecht und verhindert, dass die Anbieter übermäßig hohe Preise verlangen.

Vor- und Nachteile: Ist das Polypol als Standardmodell die „beste“ Marktform?

Es gibt keine „beste“ Marktform, da jede Marktform ihre eigenen Vor- und Nachteile hat, die von verschiedenen Faktoren wie der Art der gehandelten Güter oder Dienstleistungen, der Größe des Marktes, der Art der Konkurrenz und vielen anderen abhängen.

Das Polypol hat jedoch einige Vorteile, die es zu einer attraktiven Marktform machen: 

Zum Beispiel können Verbraucher von einem größeren Wettbewerb und niedrigeren Preisen profitieren, da es eine große Anzahl von Anbietern gibt, die um ihre Gunst konkurrieren. Auf der Anbieterseite haben Unternehmen die Möglichkeit, in den Markt einzutreten und ihre Produkte zu verkaufen, da es keine Marktherrschaft durch einzelne Unternehmen gibt. Zudem können Unternehmen von einer erhöhten Effizienz und Produktivität profitieren, da sie sich ständig verbessern und innovieren müssen, um im Wettbewerb zu bestehen.

Allerdings gibt es auch Nachteile, wie beispielsweise eine höhere Unsicherheit für die Anbieter, da sie aufgrund der intensiven Konkurrenz möglicherweise nicht in der Lage sind, stabile und sichere Einkommen zu erzielen. Zudem kann es aufgrund des Preiswettbewerbs und des Mangels an Marktmacht schwieriger sein, Investitionen in Forschung und Entwicklung oder in die Verbesserung von Arbeitsbedingungen oder Umweltstandards zu tätigen.

Insgesamt hängt es von den spezifischen Umständen ab, welche Marktform am besten geeignet ist. Das Polypol ist jedoch eine wichtige Marktform, die als Referenzpunkt für die Bewertung und Analyse anderer Marktformen dient.

Nachteile des Polypol

Es gibt verschiedene Nachteile, sowohl im homogenen als auch im heterogenen Polypol. 

Nachteile des homogenen Polypols:

  • Geringe Gewinnmargen: Da es eine große Anzahl von Anbietern gibt, die alle dasselbe homogene Produkt produzieren, besteht ein hoher Wettbewerb, der zu niedrigeren Preisen führt. Daher ist es schwierig, höhere Gewinnmargen zu erzielen.
  • Geringe Unterscheidbarkeit: Da alle Produkte gleich sind, gibt es keine Möglichkeit, sich von den Konkurrenten zu unterscheiden und eine starke Markenidentität aufzubauen. Dies kann dazu führen, dass die Nachfrage nach den Produkten der Anbieter austauschbar wird.
  • Wenig Raum für Innovation: Aufgrund der engen Margen und der geringen Unterscheidbarkeit besteht wenig Anreiz, in Forschung und Entwicklung zu investieren. Dies kann dazu führen, dass Innovationen stagnieren.

Nachteile des heterogenen Polypols:

  • Schwierigkeiten bei der Preisbildung: Da jedes Unternehmen differenzierte Produkte anbietet, ist es schwierig, den fairen Preis für jedes Produkt zu bestimmen, da die Qualität, Eigenschaften und Merkmale von Produkt zu Produkt unterschiedlich sind. Dies kann dazu führen, dass es zu Preisunterschieden und Preisdiskriminierung kommt.
  • Hohe Werbe- und Marketingkosten: Um sich von den Konkurrenten zu unterscheiden, müssen Unternehmen in Marketing und Werbung investieren. Da es viele Anbieter gibt, kann dies zu hohen Kosten führen.
  • Hohe Eintrittsbarrieren: Die Notwendigkeit, differenzierte Produkte anzubieten, kann hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung erfordern, was zu hohen Eintrittsbarrieren führen kann. Dies kann dazu führen, dass der Markt für neue Konkurrenten schwieriger zugänglich wird.

Welche Vorteile bieten „alternative“ Marktformen gegenüber dem Polypol?

Obwohl das Polypol eine wettbewerbsorientierte Marktform ist, gibt es auch andere Marktformen, die ihre eigenen Vorteile gegenüber einem Polypol haben können. Hier sind einige mögliche Vorteile der anderen Marktformen:

  • Monopol: Ein Monopol kann aufgrund seiner Größe und Marktmacht eine höhere Effizienz erreichen als ein Polypol. Da es keine Wettbewerber gibt, kann das Monopol seine Preise und Produktion auf optimale Weise steuern, um maximale Gewinne zu erzielen. Darüber hinaus kann ein Monopol höhere Investitionen in Forschung und Entwicklung tätigen, um bessere Produkte zu entwickeln und seine Marktposition weiter zu stärken.
  • Oligopol: Ein Oligopol besteht aus einer begrenzten Anzahl von Anbietern, die einen beträchtlichen Teil des Marktes kontrollieren. Da sie sich ihrer gegenseitigen Abhängigkeit bewusst sind, neigen sie dazu, auf gemeinsame Strategien zu setzen, um ihre Gewinne zu maximieren. Dies kann dazu führen, dass sie höhere Gewinne erzielen als Anbieter in einem Polypol.
  • Monopolistische Konkurrenz: In einer monopolistischen Konkurrenz können die Anbieter aufgrund von differenzierten Produkten, Markenimage oder Werbung eine gewisse Marktmacht erlangen. Sie können höhere Preise verlangen als in einem Polypol, da ihre Produkte nicht direkt durch identische Produkte von Wettbewerbern substituiert werden können.
  • Oligopson: Ein Oligopson-Markt besteht aus einer begrenzten Anzahl von Käufern, die den größten Teil des Marktes kontrollieren. Da die Anbieter von wenigen Käufern abhängig sind, haben diese Käufer eine erhebliche Marktmacht, um niedrigere Preise von den Anbietern zu verlangen. Dies kann dazu führen, dass die Anbieter niedrigere Gewinne erzielen als in einem Polypol.
  • Monopson: In einem Monopson-Markt gibt es nur einen großen Käufer, der den Preis für die Produkte diktiert. Die Anbieter sind in dieser Situation einem Monopsonisten ausgeliefert, der die Preise drücken und damit die Gewinnmargen der Anbieter verringern kann. Dies kann dazu führen, dass die Anbieter niedrigere Gewinne erzielen als in einem Polypol.

Exkurs: Warum sind sowohl Preis- bzw. Gewinnabweichungen nach unten als auch nach oben vorteilhaft gegenüber dem Polypol?

  • Ein höherer Gewinn im Vergleich zu einem Polypol kann ein Vorteil sein, weil er darauf hindeutet, dass ein Unternehmen aufgrund seiner Größe oder seiner Marktmacht eine höhere Effizienz erreichen kann. Zum Beispiel kann ein Monopol höhere Gewinne erzielen als ein Polypol, weil es die Preise auf optimale Weise steuern und höhere Investitionen in Forschung und Entwicklung tätigen kann, um bessere Produkte zu entwickeln und seine Marktposition weiter zu stärken.
  • Ein niedrigerer Gewinn im Vergleich zu einem Polypol kann auch ein Vorteil sein, wenn er darauf hindeutet, dass die Unternehmen in einem Markt auf eine Weise konkurrieren, die den Verbrauchern zugutekommt. Zum Beispiel kann in einem Markt mit perfekter Konkurrenz ein niedrigerer Gewinn bedeuten, dass die Unternehmen aufgrund des Wettbewerbs gezwungen sind, ihre Preise zu senken und/oder die Qualität ihrer Produkte zu verbessern, um Kunden zu gewinnen und zu halten.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass höhere oder niedrigere Gewinne allein nicht ausreichen, um zu bestimmen, ob eine bestimmte Marktform besser ist als eine andere. Andere Faktoren wie die Effizienz, die Innovationsfähigkeit und die Wohlfahrt der Verbraucher müssen ebenfalls berücksichtigt werden. In der Regel ist es das Ziel, eine Marktform zu finden, die sowohl effizient als auch wohlfahrtsmaximierend ist.

Anwendung: Realismus oder „Wie analysiere ich, ob ein Markt ein Polypol ist?“

Die Marktform Polypol ist eher eine theoretische Konstruktion als eine tatsächlich existierende Marktform. Obwohl es Branchen gibt, in denen eine Art von Polypol vorherrscht, ist es selten, dass alle Merkmale erfüllt werden.

In der Praxis gibt es oft Barrieren für den Eintritt neuer Unternehmen in einen Markt, wie etwa hohe Investitionskosten, staatliche Vorschriften oder etablierte Markenpräsenzen. Auch kann es schwierig sein, für homogene Produkte eine vollständige Transparenz hinsichtlich der Preise und Qualitäten zu erreichen.

Trotz dieser Einschränkungen kann das Konzept des Polypols immer noch als ein nützliches Modell zur Analyse von Marktstrukturen dienen, um die wirtschaftlichen Kräfte und die Wettbewerbsbedingungen in einem bestimmten Markt besser zu verstehen.

Eine Analyse der Marktstruktur kann in mehreren Schritten durchgeführt werden. 

Vorgehensweise zur Marktanalyse „Einschätzung Polypol-Struktur“:

  1. 1
    Identifikation von Märkten mit homogenen oder heterogenen Produkten: Die erste Aufgabe besteht darin, einen Markt mit homogenen oder heterogenen Produkten zu identifizieren, um festzustellen, ob es sich um einen Polypol-Markt handelt.
  2. 2
    Analyse der Marktteilnehmer: Nach der Identifikation des Marktes ist es wichtig, eine Liste der Marktteilnehmer zu erstellen, um ihre Marktanteile, ihre Produkte und ihre Strategien zu analysieren. Dazu gehören auch potenzielle Neueinsteiger und potenzielle Konkurrenten.
  3. 3
    Analyse der Nachfrage und des Angebots: Eine Analyse der Nachfrage- und Angebotsfaktoren im Markt, einschließlich der Größe des Marktes, der Preiselastizität und der Preisdynamik, kann Aufschluss darüber geben, wie die Marktteilnehmer agieren und auf Veränderungen reagieren.
  4. 4
    Bewertung des Wettbewerbs: Die Bewertung des Wettbewerbs beinhaltet die Analyse der Preisbildung, der Kostenstruktur und der Gewinnmargen der Marktteilnehmer. Dies kann helfen, den Grad des Wettbewerbs auf dem Markt zu bestimmen.
  5. 5
    Bewertung der Marktstruktur: Schließlich kann die Bewertung der Marktstruktur, die die Analyse der Wettbewerbsdynamik, der Barrieren für den Markteintritt und der Marktregulierung umfasst, dazu beitragen, festzustellen, ob der Markt tatsächlich einem Polypol-Markt entspricht.

Diese Schritte können dazu beitragen, die grundlegende Marktstruktur zu verstehen und die Auswirkungen auf den Wettbewerb und die Preisbildung zu bewerten. 

Zusammenfassung

  • Das Polypol ist eine Marktform mit vielen Anbietern und vielen Nachfragern.
  • Auf einem Polypol-Markt gibt es einen hohen Wettbewerbsdruck, der zu niedrigeren Preisen und höherer Produktqualität führen kann.
  • Es gibt verschiedene Arten von Polypolen, wie das homogene und heterogene Polypol, sowie das nachfrage- oder angebotsseitige Polypol.
  • Obwohl das Polypol auch Nachteile hat, wie zum Beispiel niedrigere Gewinne für Unternehmen, kann es für Verbraucher Vorteile wie niedrigere Preise und höhere Qualität bieten.

Literatur


  • Drewello, H. / Kupferschmidt F. / Sievering O.: Markt und Staat. Eine anwendungsorientierte Einführung in die allgemeine Volkswirtschaftslehre, SpringerGabler, 2018.
  • Frambach, H.: Basiswissen Mikroökonomie, 5. Auflage, UTB 2019.
  • Piekenbrock, D., A. Henning. Einführung in die Volkswirtschaftslehre und Mikroökonomie, BA KOMPAKT, Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, 2013.

Über die Autorin: 

Nadine Behncke

Promovierte Volkswirtin und überzeugte Europäerin. Ihre Schwerpunkte sind die Entwicklung und Herausforderungen der EU mit ihren Auswirkungen und Folgen auf Deutschland und seine Bevölkerung. Sie schreibt auf Think About zu Politik, Wirtschaft & Geschichte in Europa, um Wissen zu vermehren und zur Diskussion beizutragen.


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