Nachfrageinflation: Definition, Ursache und Folgen

Nadine Behncke

16. März 2021
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Nachfrageinflation: Definition, Ursache und Folgen

Nachfrageinflation bezeichnet einen Preisanstieg, der durch einen (kurzfristigen) Nachfrageüberhang verursacht wird. In diesem Artikel erklären wir euch Definition, Ursachen und Folgen der Nachfrageinflation. Außerdem gehen wir auf mögliche Maßnahmen ein, um diese Inflationsform bekämpfen zu können.

Definition

Nachfrageinflation: (auch als Nachfragesoginflation, demand-pull-inflation oder inflatorische Lücke bekannt.) Der Anstieg des Preisniveaus wird durch einen kurzfristigen Nachfrageüberschuss gegenüber den vorhandenen Produktionskapazitäten verursacht. Die Preise werden durch die Nachfrage „hochgezogen“. Nachfrageinflation geht damit immer mit einer Geldmengeninflation einher, da eine gestiegene Güternachfrage einen Anstieg der Geldnachfrage impliziert.

Demand-shift-inflation: Spezialfall der Nachfrageinflation. Die Preissteigerungen entstehen durch Nachfrageverschiebungen zwischen schrumpfenden und wachsenden Sektoren in einer Volkswirtschaft.

Ursache der Nachfrageinflation: Inflatorische Lücke

inflatorische Lücke

Die Abbildung stellt die Entstehung von Nachfrageinflation aus konjunktureller Sicht dar. Sie zeigt einmal die Entwicklung des Produktionspotenzials in einer Volkswirtschaft sowie den konjunkturellen Verlauf des Bruttoinlandsproduktes.

Produktionspotenzial: normale bzw. Vollauslastung der Produktionskapazitäten in einer Volkswirtschaft. Repräsentiert die Angebotsseite des BIPs und zeigt, welcher Output von Unternehmen produziert werden kann.

BIP: hier Verwendungsseite des BIPs. Stellt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen dar. Die Nachfrage ist abhängig von konjunkturellen Schwankungen.

Ein Gleichgewicht von Produktion und Nachfrage ist erreicht, wenn das BIP bzw. die Wachstumsrate des BIPs dem Produktionspotenzial bzw. dessen Wachstumsrate entspricht. In diesem Fall entspricht die gesamtwirtschaftliche Nachfrage dem gesamtwirtschaftlichen Angebot bei Vollauslastung der verfügbaren Produktionsfaktoren. 

Die Grafik zeigt nun, dass dieser Gleichgewichtszustand in der Regel nur kurz erreicht wird. Kurzfristig schwanken die Konjunktur und damit auch die Nachfrage. 

In einer Rezession ist die Nachfrage geringer als das Angebot. Die Kurve des BIPs befindet sich unter der Kurve des Produktionspotenzials. Auf eine Rezession folgt immer ein konjunktureller Aufschwung. Die Nachfrage steigt und die Wirtschaft bewegt sich langsam wieder aus dem Zustand der Rezession hinaus. In der Grafik bedeutet dies, dass die Kurve des BIPs ansteigt.

Interessant für das Entstehen von Nachfrageinflation ist nun das Verhältnis der beiden Kurven zueinander. Solange die ansteigende BIP-Kurve unterhalb der Produktionspotenzialkurve verläuft, ist die gesamtwirtschaftliche Nachfrage noch kleiner als aktuellen Angebotskapazitäten. Die Kapazitäten sind nicht ausgelastet und es kommt nicht zu Preissteigerungen. Tritt nun aber der Fall ein, dass die Nachfrage größer ist als das kurzfristig verfügbare Angebot liegt ein Engpass vor. Nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage führt dieser zu hohe Nachfrageanstieg nun zu Preissteigerungen.

Mit anderen Worten: Aufgrund des konjunkturell bedingten Nachfrageanstiegs kommt es nun zu Inflation. Eine sogenannte „demand-pull-Inflation“. Die Lücke zwischen den beiden Kurven, die das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage darstellt, bezeichnet man als inflatorische Lücke.

  

Ausprägungen der Nachfrageinflation

Verwendungsgleichung des BIPs (Nachfrage): Y = C + I +G + (EX – Im)

Nach der Verwendungsseite des Bruttoinlandsproduktes ergibt sich die gesamtwirtschaftliche Nachfrage (Yd) in Summe aus der Konsumnachfrage C, den Investitionen I, der Staatsnachfrage G und dem Außenbeitrag (Ex – Im). Hieraus folgt, dass ein Anstieg einer oder mehrerer dieser Nachfragekomponenten Ausgangspunkt für eine Nachfrageinflation sein kann. Geht die Nachfrageinflation von einer der drei binnenwirtschaftlichen Nachfragekomponenten aus, spricht man von einer hausgemachten Inflation. Von einer importierten Nachfrageinflation spricht man, wenn die Ursprünge im Außenbeitrag liegen. 

Nach den verschiedenen Nachfragekomponenten kann man zudem zwischen den folgenden vier Ausprägungen der Nachfrageinflation unterscheiden: 

1. Konsuminflation:  Die Konsumnachfrage wächst stärker als das kurzfristig verfügbare Angebot. Die Inflation geht damit auf das Konsumverhalten der privaten Wirtschaftssubjekte zurück.

2. Investitionsinflation: Unternehmen reagieren auf eine gestiegene Güternachfrage und fangen an, und planen ihre Produktionskapazitäten zu erhöhen. Hierzu steigt in einem ersten Schritt ihre Nachfrage nach Investitionen, wodurch die Preise steigen. Die Effekte der gestiegenen Produktionskapazitäten treten erst zeitversetzt ein.

3. Staatsnachfrageinflation:  Ausgangspunkt der Inflation ist erhöhte Nachfrage aufgrund gestiegener Ausgaben des Staates für bestimmte Güter und Dienstleistungen.

4. Importierte Nachfrageinflation: Hier liegt die Ursache der Inflation in konstant hohen Exportüberschüssen bzw. in einem zu hohen Außenbeitrag.

In Deutschland sind insbesondere die Staatsnachfrageinflation und die Importe Nachfrageinflation als Ursachen bzw. Ausprägungen der Nachfrageinflation von Bedeutung. Dies liegt einerseits an der hohen Bedeutung des Staates und dem steten Einsatz seiner konjunkturpolitischen Instrumente. Andererseits ist gerade Deutschland sehr stark in die Weltwirtschaft eingebunden, sowohl auf der Export- als auch auf der Importseite.

 

Kennzeichen der Nachfrageinflation

Im Folgenden stellen wir einige Kennzeichen und Einflussfaktoren der Nachfrageinflation dar. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Unterscheidung zwischen Nachfrageinflation und Angebotsinflation. Bei der Angebotsinflation ist vor allem die Lohnkosteninflation zu beachten. Dies liegt in der konjunkturellen Bedeutung der Determinante Beschäftigung begründet.

Mehr Informationen zur Angebotsinflation: Artikel zur Angebotsinflation

Kennzeichen Nachfrageinflation

Konjunkturabhängig: Tritt ausschließlich in einem Aufschwung („ausklingende Rezession“) auf, die Nachfrage steigt schneller als das Angebot.

Inflationstreiber: Ursprung gesamtwirtschaftliche Nachfragekomponenten und nicht evtl. bestimmte Sektoren oder Anspruchsgruppen. Bedeutung hängt von volkswirtschaftlicher Struktur ab: Deutschland z.B. Außenhandel und Staatsausgaben als Treiber von hoher Bedeutung.

Geldmengenausweitung: Inflation ist immer auch ein monetäres Phänomen. Bei der Nachfrageinflation verläuft die Geldmengenausweitung quasi zeitgleich ab, da eine gestiegene Nachfrage einen gestiegenen Geldbedarf bedeutet. Bei der Angebotsinflation (hier: Anspruchsinflation) ist die gestiegene Geldmenge die Folge der realisierten Ansprüche.

Politischer Konjunkturzyklus und Staatsversagen: Hierbei handelt es sich um Ausprägungen einer „Fiskalischen Theorie des Preisniveaus“. Die Rolle des Staates bei der Entstehung von Inflation ist zwar auch bei der Angebotsinflation zu beobachten (Anspruchsinflation), steht aber eher bei der Nachfrageinflation im Vordergrund.

Durch den Zusammenhang zwischen Beschäftigung, Preisen und Einkommen im Rahmen der konjunkturellen Entwicklung haben konjunkturpolitische Entscheidungen der Politik große Auswirkungen auf die ökonomischen Größen. So kann etwa die zeitliche Entscheidung für Maßnahmen zum Abbau von Inflation von wahltaktischen Überlegungen abhängig sein. Oder bestimmte fiskalische Maßnahmen begünstigen z.B. bestimmte Gruppen so sehr, dass Staatsversagen zu beobachten ist.

Mehr Informationen: Artikel zum Staatsversagen

Henne-Ei-Problem: Für wirtschaftspolitische Maßnahmen ist es relevant, die Eintrittsreihenfolge zu kennen, wenn in der Realität gleichzeitig Anstiege von Löhnen, Preisen und gesamtwirtschaftlicher Nachfrage beobachtet werden. Um näherungsweise festlegen zu können, dass eine Nachfrageinflation vorliegt bzw. eine Angebotsinflation ausschließbar ist, werden Veränderungen bei einigen Indikatoren des Arbeitsmarktes untersucht: Das Verhältnis offener Stellen zur Zahl der Arbeitssuchenden, Veränderung des Lohndriftes (Verhältnis Effektivlohn zu Tariflohn) um die generelle Arbeitsnachfrage der Unternehmen abzuschätzen, die Entwicklung der Unternehmensgewinne.  

Auswirkungen der Nachfrageinflation

Nachfrageinflation

Die Grafik stellt eine (hausgemachte) Nachfrageinflation in einem einfachen Angebots-Nachfragediagramm dar. 

Ausgangspunkt ist der Gleichgewichtspunkt B. Steigt nun eine drei binnenwirtschaftlichen Nachfragekomponenten Privater Konsum C, Staatskonsum G oder Investitionen I, führt dies insgesamt zu einem Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage. Dies resultiert in einer Rechtsverschiebung der Nachfragekurve.

Der neue Gleichgewichtspunkt befindet sich in Punkt C. Im Ergebnis ist die gesamtwirtschaftliche Nachfrage auf Y2 gestiegen. Zudem liegt ein höheres Preisniveau P2. Das höhere Preisniveau wird in dem Modell als eine höhere Inflation gewertet.

Ganz methodisch korrekt ist dieses Vorgehen natürlich nicht, da Inflation eine Wachstumsrate darstellt und das Angebots-Nachfrage-Modell statisch angelegt ist. Im Prinzip müsste man die Variablen der Achsen als „Wachstumsraten“ für eine ganz exakt richtige Interpretation angeben. 

Das Ergebnis in der Grafik tritt dadurch ein, dass kurzfristig das gesamtwirtschaftliche Angebot geringer ist als die Nachfrage. Deshalb müssen die Preise steigen. Zu beachten ist allerdings, die Steigung der Angebotskurve. Wir haben in der Grafik den Fall dargestellt, in dem die Produktionskapazitäten zwar bereits knapp sind, aber noch nicht ausgelastet. D.h. es kommt zwar zu Inflation, aber sie kann noch durch andere Faktoren abgemildert werden.  

Der Preisanstieg würde in der Grafik wesentlich höher ausfallen, wenn die Produktionskapazitäten bereits ausgelastet sind. In diesem Fall würde die Angebotskurve senkrecht verlaufen.

 

Maßnahmen gegen Nachfrageinflation

Betrachtet man die Ursachen der Nachfrageinflation, ergeben sich hieraus bereits die theoretischen Ansatzpunkte zu ihrer Bekämpfung. Das grundsätzliche Vorgehen besteht darin, die zu hohe Nachfrage durch kontraktive Maßnahmen zu dämpfen. Um somit das Entstehen einer inflatorischen Lücke zu vermeiden.

Kurzfristig können die Produktionskapazitäten in einer Volkswirtschaft nicht erweitert werden. D.h. Investitionen würden zwar kurzfristig durch eine höhere Nachfrage zu Preissteigerungen führen, aber eine Ausweitung der Produktion und damit verbundene Folgen würden erst später eintreten.

Um die inflatorische Lücke zu schließen, müssen daher die Komponenten der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage als Ansatz gewählt werden. Hierbei handelt es sich in erster Linie um eine kontraktive Konjunktur bzw. Fiskalpolitik. Diese kann hierbei direkt oder indirekt erfolgen. Für ihren Einsatz plädieren die Keynesianer. Je nach Ursache der Nachfrageinflation und Währung kann eine Unterstützung durch eine kontraktive Geldpolitik und außenwirtschaftliche Maßnahmen sinnvoll sein. Ziel der verschiedenen Maßnahmen ist es, die gesamtwirtschaftliche Nachfrage so zu stabilisieren, dass eine angemessene Auslastung der Produktionsfaktoren die Folge ist und hieraus eine tolerierbare Inflationsrate folgt.

Anders formuliert: Ziel der Maßnahmen ist es, dass das Wachstum der Produktionskapazitäten dem Wachstum der Nachfrage entspricht. Bzw. man erreicht den Gleichgewichtspunkt in einem „dynamischen“ Angebots-, Nachfragediagramm.

Insgesamt gesehen sind die Erfolgsaussichten dieser stabilisierenden Konjunkturmaßnahmen kritisch zu hinterfragen. Dies liegt weniger in der theoretischen Analyse als vielmehr in den Rahmenbedingungen und der praktikablen Umsetzung begründet. 

So werden bei einer Fiskalpolitik oder auch Außenwirtschaftspolitik immer bestimmte Gruppen begünstigt oder auch schlechter gestellt, was zu sozialen Konflikten oder auch politischem Druck führen kann. Ggf. kann auch Staatsversagen auftreten und die Umsetzungskosten der Maßnahmen fallen höher aus als ihr Nutzen. Im Falle der Geldpolitik ist anzumerken, dass für Deutschland keine eigenständige Politik seit der Euro-Einführung möglich ist. Die EZB hat bei ihren Maßnahmen immer die Auswirkungen auf den gesamten EURO-Raum im Blick und nicht für ein einzelnes Mitgliedsland. Dies gilt in gewissem Rahmen auch für die Außenwirtschaftspolitik im Sinne einer Zoll- und Handelspolitik, die auf EU-Ebene stattfindet.

 

1. Kontraktive Fiskalpolitik

Fiskalpolitik beschreibt den Einsatz haushaltspolitischer Instrumente durch die Politik im Rahmen der Konjunkturpolitik oder auch generell der Wirtschaftspolitik. Fiskalpolitik kann direkt über die Veränderung der Staatsnachfrage G oder indirekt über die Veränderung der Steuern T erfolgen.

Eine kontraktive Fiskalpolitik hat zum Ziel, die Nachfrage zu senken. Von daher bieten sich hier Instrumente an, die die Staatsnachfrage G senken oder die Steuern T zu erhöhen.  

Betrachtet man Maßnahmen, die gleichzeitig eine Senkung von G und Erhöhung von T betreffen, spricht man von einer dritten Möglichkeit im Rahmen der Fiskalpolitik: der Reduktion der Staatsverschuldung oder der Bildung von Budgetüberschüssen. In den konjunkturpolitischen Analysemethoden des BIPs bezeichnet man (G-T) bzw. (T-G) je nach Darstellung als Budgetsaldo des Staates. Grafisch und auch mathematisch kann über den Multikplikatoreffekt gezeigt werden, dass eine kontraktive Fiskalpolitik theoretisch die erwünschten Ergebnisse bringen kann.

Politisch können die Maßnahmen zumindest gesetzgeberisch relativ problemlos umgesetzt werden. Das Stabilitäts- und Wachstumsgesetz von 1967 (Stichwort: magisches Viereck) gibt dem Staat die rechtliche Kompetenz Mittel zur Aufrechterhaltung des wirtschaftlichen Gleichgewichtes einzusetzen. Hierzu zählt primär auch das Aufrechterhalten von Preisniveaustabilität.

Inwieweit die Fiskalpolitik damit wirksam ist, ist weniger eine Frage der Instrumente und der politischen Umsetzungsmöglichkeiten. Allerdings ist immer zu beachten, dass eine kontraktive Fiskalpolitik für einige Gruppen oder für die Gesellschaft insgesamt Verschlechterungen bedeutet (z.B. weniger Förderungen oder höhere Steuern). Hier sind dann natürlich Widerstände der betroffenen Gruppen zu erwarten. Und es stellt sich dann auch immer die Frage, inwieweit eine Regierung in einer solchen Zeit ihre Wiederwahlchancen im Blick behält (Stichwort politischer Konjunkturzyklus und Staatsversagen). 

2. Kontraktive Geldpolitik

Im Geiste des Keynesianismus gehört neben einer Fiskalpolitik auch eine Geldpolitik zu einer wirkungsvollen antizyklisch ausgereichteten Konjunkturpolitik. D.h. bei einer Nachfrageinflation in konjunkturellen Aufschwung muss eine kontraktive Geldpolitik erfolgen. Ziel ist es, über eine Verknappung des Geldes das Geld teurer zu machen und somit die Geldnachfrage zu reduzieren. Eine geringere Geldnachfrage geht direkt einher mit einer Verringerung der güterwirtschaftlichen Nachfrage. Die Verknappung und Verteuerung des Geldes können über eine Zinserhöhung oder eine Verringerung der Geldmenge erfolgen.

D.h. eine kontraktive Geldpolitik kann über verschiedene Instrumente der Notenbank erfolgen. Da die Zinsen sowohl im Geldmarkt eine Determinante sind als auch auf dem Gütermarkt infolge der Zinsabhängigkeit der Investitionsnachfrage, kann die Geldpolitik über die Nachfragekomponente der Investitionen am stärksten Wirkung entfalten. Ist die Konsumnachfrage zinsabhängig, kann die Geldpolitik auch hier wirken. Staatsausgaben sind allerdings in der Regel kreditfinanziert, so dass diese vergleichsweise zinsrobust sind.

Bei der Wirkung der kontraktiven Geldpolitik auf die verschiedenen Nachfragekomponenten sind allerdings mehrere Einschränkungen zu beachten. Zum einen spielen die Erwartungen der Unternehmen über die künftige konjunkturelle Entwicklung eine große Rolle. So kann es passieren, dass sie trotz schlechterer Finanzierungsbedingungen infolge der gestiegenen Zinsen trotzdem weiter investieren. Zum anderen spielt die Anpassungsfähigkeit des Bankensystems eine Rolle.

Verfügen z.B. die Geschäftsbanken über eine hohe Liquidität können sie die hohe Geldnachfrage im Aufschwung trotz der kontraktiven Geldpolitik der Zentralbank befriedigen. In einer offenen Volkswirtschaft können inländische Kreditnehmer zudem auch auf ausländische Kredite ausweichen. Abschließend ist noch auf die Gefahr von sogenannten time lags in der Wirkung hinzuweisen. D.h. es kann sein, dass die Maßnahmen zeitversetzt zur angepeilten Konjunkturphase eintreten. Also hier erst im Abschwung. In diesem Fall würde die Situation noch verschlimmert.

Insgesamt ist zudem anzumerken, dass im Euroraum die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank obliegt. D.h. einzelnen Euro-Ländern steht die Geldpolitik als konjunkturpolitisches Instrument nicht mehr zur Verfügung.

 

3. Außenwirtschaftspolitische Maßnahmen

Um eine importiere Nachfrageinflation wirkungsvoll zu bekämpfen, sind Maßnahmen notwendig, welche die Entwicklung des Außenbeitrags beeinflussen. Allerdings sind die Maßnahmen beschränkt. Der Außenbeitrag ist definiert als Differenz zwischen Exporten und Importen. Beide Komponenten werden neben den Preisen und Einkommen im Inland und Ausland vom Wechselkurs beeinflusst.

Besteht ein System fester Wechselkurse könnte eine Maßnahme darin bestehen, den Euro (= die inländische Währung) gegenüber den ausländischen Währungen aufzuwerten. Dies würde ceteris paribus dazu führen, dass die Exporte teurer werden und die Importe günstiger. Im Endeffekt würden die Exporte sinken und die Importe steigen, was zu einer Verringerung des Außenbeitrags führt. Und als Bestandteil der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage damit zu ihrer Verringerung.

Eine weitere Möglichkeit besteht theoretisch darin, Importhandelshemmnisse abzubauen, was ebenfalls zu einem Anstieg der Importe führen sollte. 

Bei beiden Maßnahmen ist allerdings die Möglichkeit einer (kurzfristigen) Umsetzbarkeit kritisch zu hinterfragen. Der Abbau von Handelshemmnissen würde mit Widerständen seitens der Exportwirtschaft und inländischer Industrien, die von den Hemmnissen profitieren, einhergehen. Des Weiteren sind im europäischen Währungssystem Änderungen des Wechselkurses unerwünscht. Zwischen den EURO-Ländern besteht durch die Gemeinschaftswährung de fakto ein unveränderliches System fester Wechselkurse.

Betrachtet man dagegen die Währungsbeziehungen zwischen dem EURO-Raum und nicht EURO aber EU-Ländern bzw. mit Drittländern, ist auch hier diese Möglichkeit kaum gegeben. Im EWS bestehen feste Wechselkurse, mit dem Ziel Währungsschwankungen abzubauen, so dass die übrigen EU-Länder irgendwann dem EURO betreten. Und Wechselkursänderungen gegenüber NICHT-EU-Ländern haben wieder den EURO-Raum als Ganzes im Blick und nicht einzelne Mitgliedsstaaten.

Er ergibt sich im Prinzip dieselbe Schlussfolgerung wie bei der kontraktiven Geldpolitik: Außenwirtschaftspolitische Maßnahmen sind primär mangels Umsetzbarkeit wenig geeignet, um eine Nachfrageinflation zu bekämpfen.

Zusammenfassung

  • Nachfrageinflation: Preisanstieg aufgrund eines kurzfristigen Nachfrageüberhangs, da die Produktionskapazitäten nicht den Nachfrageanstieg abdecken.
  • Nachfrageinflation geht immer mit einer Geldmengeninflation einher: Ein Anstieg der Güternachfrage geht mit einem Anstieg der Geldnachfrage einher, die gedeckt werden muss.
  • Man unterscheidet vier Arten von Nachfrageinflationen: Konsuminflation, Staatsausgabeninflation, Investitionsinflation, Importierte Nachfraginflation.
  • Für Deutschland nachfrageseitig vor allem die Importierte und Staatsausgeninflation relevant.
  • Nachfrageinflation kann nur in einem konjunkturellen Aufschwung stattfinden.
  • Sie kann durch Maßnahmen einer kontraktiven Stabilitäts- bzw. Konjunkturpolitik bekämpft werden. Je nach identifizierter Ursache und internationaler Mitgliedschaften bieten oder verbieten sich bestimmte Politikbereiche. In der Regel sind Instrumente einer kontraktiven Fiskalpolitik theoretisch möglich und politisch umsetzbar. 

Literatur

  • Clement, Reiner, et al. Angewandte Makroökonomie: Makroökonomie, Wirtschaftspolitik und nachhaltige Entwicklung mit Fallbeispielen, Franz Vahlen, 2013.
  • Issing, Otmar. Einführung in die Geldtheorie, Vahlens Kurzlehrbücher, 15. Auflage, 2011.
  • Pätzold, Jürgen und Daniel Baade. Stabilisierungspolitik: Grundlagen der nachfrage- und angebotsorientierten Wirtschaftspolitik, Franz Vahlen, 2012.

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