Produzentenrente einfach erklärt: Definition, Berechnung & Beispiele

Produzentenrente: So zeigt sie Gewinn und Verlust der Anbieter an

Die Produzentenrente misst den Nutzen der Verkäufer aus der Marktteilnahme. In diesem Artikel erklären wir euch, wie man die Produzentenrente misst. Und welche Auswirkungen eine Preiserhöhung auf sie hat.

Definition

​Produzentenrente:

​​Der Nettovorteil, den Produzenten erzielen, wenn sie etwas zu einem Preis verkaufen, der über dem Minimalpreis liegt, den sie fordern müssen, um ihre Kosten zu decken.

Anders formuliert: Die Produzentenrente ist definiert als die Differenz aus dem Verkaufspreis und den Produktionskosten eines Gutes. Die Verkaufsbereitschaft des Produzenten wird durch die Angebotskurve angegeben.

​Wichtige Begriffe

Um die Produzentenrente herleiten zu können ist es wichtig, vier Begriffe zu verstehen:

​Kosten: Wert von allem, worauf ein Verkäufer bei der Herstellung eines Gutes verzichten muss.

Bei dieser Definition ist es wichtig zu beachten, dass der Kostenbegriff explizite und implizite Kosten umfasst. D.h. es werden auch Opportunitätskosten berücksichtigt.

​Verkaufsbereitschaft: Der minimale Preis, zu dem ein Verkäufer bereit ist, das Gut zu verkaufen. Dieser Preis entspricht den Kosten.

​Die Produktionskosten eines Gutes markieren die Untergrenze für seinen Preis. Damit sind die Kosten ein Maß für die Verkaufsbereitschaft der Verkäufer. Liegt der Verkaufspreis über den Kosten, liegt Verkaufsbereitschaft vor. Deckt der Preis die Kosten dagegen nicht, liegt auf Seiten des Anbieters keine Verkaufsbereitschaft vor. Er nimmt dann nicht am Markt teil.

Damit gelangen wir direkt zur ​dritten wichtigen Definition:

​Individuelle Produzentenrente: Verkaufspreis abzüglich der Produktionskosten (Kosten = Verkaufsbereitschaft).

​Umgangssprachlich ausgedrückt drückt die individuelle Produzentenrente den „Gewinn“ aus, den ein Produzent bei einem Verkauf macht. Bin ich als Anbieter bereit eine Gitarre für 600 € zu verkaufen, tue es aber für 799,99 € beträgt meine individuelle Produzentenrente 199,99 €. (Verkaufspreis (799,99 €) – Verkaufsbereitschaft (600 €)).

Anders formuliert: Die individuelle Produzentenrente misst damit den Nutzen des Anbieters aus der Marktteilnahme. Dieser Nutzen ist der „Gewinn“ der daraus entsteht, dass der erzielte Preis höher ausfällt, als die Produktionskosten.

Auf gesamtwirtschaftlicher Ebene lautet die Definition der Produzentenrente folgendermaßen:

​Gesamte Produzentenrente: Summe der individuellen Produzentenrenten aller Verkäufer eines bestimmten Gutes.

​Achtung!

​In der Regel verwendet man den Begriff Produzentenrente sowohl für die individuelle als auch für die gesamte Produzentenrente. D.h. die Definition „Verkaufspreis minus Produktionskosten eines Gutes “ gilt unabhängig von der Betrachtungsebene.

​Berechnung der Produzentenrente

Die beiden folgenden Grafiken zeigen beispielhaft, wie sich die individuelle ​Rente ergibt. Und wie man dann zur gesamtwirtschaftlichen Produzentenrente gelangt.

messung produzentenrente

​Wir greifen hier wieder auf das Gitarrenbeispiel zurück. Die Tabelle zeigt die relevanten Daten. Die obige Abbildung stellt die sich daraus ergebenden individuellen ​Renten dar.

Wir haben in dem Beispiel vier Anbieter mit je einer bestimmten Verkaufsbereitschaft für eine Gitarre abgebildet. Anna ist z.B. bereit die Gitarre für 500 € anzubieten, Luise verkauft sie dagegen erst ab 800 €.

Der Verkaufspreis für die Gitarre beträgt 799,99 €. Die Tabelle gibt für jeden Anbieter die individuelle Produzentenrente an (Spalte 3). Die Berechnung ist in Spalte 2 gezeigt.  So beträgt die individuelle Rente von Anna 299,99 €. Die Rente von Luise beträgt dagegen -0,01 €! Da sie mit dem erzielbaren Verkaufspreis ihre Kosten nicht decken kann, ist ihre Verkaufsbereitschaft gleich Null. Sie bietet deshalb keine Gitarre am Markt an. (vgl. Spalte 4 und 5). Addiert man nun die individuellen Produzentenrenten aus den vier verkauften Gitarren auf, erhält man die gesamte Produzentenrente. Sie beträgt 499,98 €. (Luise und Marie bieten keine Gitarren an).

In der obigen Grafik sind nun die individuellen Renten anhand eines Preis-Mengen-Diagramms dargestellt. Zieht man die Trendlinie über die „Treppenstufen“ erhält man die Kurve für die gesamte Produzentenrente.

Produzentenrente

​Ob nun für ein Gut, einen Sektor oder die gesamte Wirtschaft zusammengefasst, so sieht die aggregierte Kurve für die Produzentenente aus. Anhand dieses Diagramms wird die Effizienz von Märkten analysiert. Oder generell gesamtwirtschaftliche Auswirkungen, die sich durch Preis- oder Mengenänderungen ergeben.

​Preisänderungen und Produzentenrente

Nachdem wir nun die Produzentenrente hergeleitet haben, zeigen wir an einem Beispiel, wie sich Preisänderungen auf ihre Höhe auswirken. Wir gehen in unserem Beispiel von einer Preiserhöhung aus. Wenn ihr die Auswirkungen einer Preissenkung untersuchen wollt, müsst ihr die Argumentation einfach umdrehen.

Beispiel: Preiserhöhung

Produzentenrente und Preis

Als erstes betrachten wir nur die linke Grafik. Sie zeigt unsere Ausgangssituation.  Die Produzenten verkaufen zu einem Preis von P1 eine Anzahl von Q1 Gütern. D.h. P1 ist der Preis für das Gut. Die (gesamtwirtschaftliche) Verkaufsbereitschaft für das Gut wird nun über die Angebotskurve dargestellt.

Die (gesamtwirtschaftliche) Produzentenrente beträgt damit die Fläche ABC.

Sie ergibt sich als Differenz zwischen der Angebotskurve und dem Preis. (Auf unser Gitarrenbeispiel bezogen, wäre der Preis P1 = 799,99 € und der Punkt C die Verkaufsbereitschaft von einer fünften Anbieterin Betty mit Kosten in Höhe von 799,99 € €. Zu höheren Kosten ist man nicht mehr bereit die Gitarre für diesen Preis anzubieten. Dieser Fall trifft auf Luise oder Maria zu.)

Nun erhöht sich aber der Preis P1 auf den Preis P2. Die Auswirkungen dieser Preiserhöhung sehen wir in der rechten Abbildung:

Die Produzentenrente (ABC) der bisherigen Anbieter bleibt nicht nur erhalten. Sie vergrößert sich noch um die Fläche BCDE.

Warum?

Der erzielte Nettovorteil hat sich für die beiden bisherigen Anbieter durch die Preiserhöhung vergrößert. Anna wollte mindestens für einen Preis von 500 € verkaufen, um ihre Kosten zu decken. Aufgrund des ursprünglichen Preises von 799,99 € erzielte sie eine individuelle Rente von 299,99 €. Jetzt hat sich der Verkaufspreis auf 899,99 € erhöht. Damit erhöht sich ihre Rente um 100 €. Diese 100 € werden gesamtwirtschaftlich durch die Fläche BCDE abgebildet. Die ursprüngliche Produzentenrente hat sich damit durch den Preiseffekt erhöht.

Nun tritt aber durch die Preiserhöhung noch ein zweiter Effekt auf, der sogenannte Mengeneffekt:

Für den höheren Verkaufspreis von 899,99 € sind nun mehr Produzenten bereit, eine Gitarre  zu verkaufen. D.h. jetzt produzieren und bieten auch Verkäufer mit einer Verkaufsbereitschaft von 800 € eine Gitarre auf dem Markt an. Dies trifft in unserem Beispiel auf Luise zu. Sie verkauft nun auch eine Gitarre.

Der Mengeneffekt wird über die neue verkaufte Menge Q2 in der Grafik dargestellt. Die zusätzliche Produzentenrente, die durch die zusätzlich verkauften Güter entsteht, wird in der Grafik durch die Fläche CEF abgebildet.

Die Preiserhöhung (P2) führt damit insgesamt zu einer Produzentenrente in Höhe der Fläche ADF. Diese Ausweitung der Rente ist auf zwei Effekte zurückzuführen.

Zusammengefasst:

Preisänderungen wirken immer über zwei Effekte auf die Höhe der Produzentenrente:

  • ​Direkter Preiseffekt („veränderte Höhe des ​Nettovorteils“)
  • ​Indirekter Mengeneffekt („höhere/niedrigere Verkaufsbereitschaft relevant“)

​Anwendungsgebiete

Analog zur hier dargestellten Produzentenrente gibt es noch die Konsumentenrente. Auf sie gehen wird in diesem Artikel zur Konsumentenrente ein. Der Artikel ist in Aufbau und Herleitungen diesem hier sehr ähnlich und besitzt Überschneidungen. Betrachtet man beide Renten zusammen ergibt sich folgendes gesamtwirtschaftliches Preis-Mengen-Diagramm:

konsumenten- und produzentenrente

​Im Prinzip handelt es sich hier lediglich um ein einfaches Angebot-Nachfrage-Diagramm. Der Schnittpunkt der Angebot- und Nachfragekurve kennzeichnet das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht.

Versteht man nun, was die Konsumenten- und Produzentenrente in der Grafik bedeuten, wird diese Abbildung wesentlich interessanter. Man kann damit recht detailliert verschiedenste Maßnahmen und Ereignisse analysieren. Und wie sich diese Änderungen auf die beiden Marktseiten auswirken.

Man spricht hierbei von der Analyse der Markteffizienz und der Analyse der gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrt. Denn das Marktgleichgewicht von Angebot und Nachfrage maximiert die Summe aus Konsumenten- und Produzentenrente. Es ist damit der geeignete Start- bzw. Referenzpunkt für Analysen.

Die relevantesten Anwendungsgebiete, die einem im VWL-Studium begegnen sind:

  • ​Messung von Handelseffekten und Vorteilen. Und Analyse von ​Handelshemmnissen.
  • ​Gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt: Ökonomische Effizienz und Verschwendung. Analyse von Marktversagen und Pareto-Effizienz
  • ​Gesamtwirtschaftliche Auswirkungen von Steuern
  • ​Effizienz und Verteilungsgerechtigkeit

​Zusammenfassung

  • Die individuelle Produzentenrente ist der Nutzen den ein einzelner Produzent aus dem Verkauf eines Gutes erhält.
  • Die gesamte Produzentenrente entspricht der Fläche oberhalb der Angebotskurve.
  • Die Angebotskurve für ein Gut wird durch die Verkaufsbereitschaft der einzelnen Anbieter bestimmt.
  • Produzentenrente: Kosten minus Verkaufspreis
  • Preisveränderungen wirken über zwei Kanäle: Direkter Preiseffekt, Angebotseffekt

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Quelle: Clark Young, unsplash (bearbeitet)
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About the Author Nadine Behncke

Promovierte Volkswirtin und überzeugte Europäerin. Ihre Schwerpunkte sind die Entwicklung und Herausforderungen der EU mit ihren Auswirkungen und Folgen auf Deutschland und seine Bevölkerung. Sie schreibt auf Think About zu Politik, Wirtschaft & Geschichte in Europa, um Wissen zu vermehren und zur Diskussion beizutragen.

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1 comment
John Ekem says Mai 1, 2019

Is interesting

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