Aktualisiert: 24. August 2023

Inferiores Gut: Definition, Formeln und grafische Darstellung

Lesezeit:  Minuten

Ein inferiores Gut ist ein Gut, dessen Nachfrage mit steigendem Einkommen sinkt. In diesem Artikel erläutern wir euch Definition und Eigenschaften dieses Gutes. Außerdem zeigen wir euch verschiedene Abgrenzungsmöglichkeiten zu anderen Gütern, wie die Einkommenselastizität oder die Engel-Kurve. 

Definition inferiores Gut einfach erklärt

Inferiores Gut: Ein Gut, dessen nachgefragte Menge bei einem Einkommenszuwachs sinkt (und andersherum).

Ein Inferiores Gut ist ein Gut, bei dem die Nachfrage sinkt, wenn das Einkommen des Verbrauchers steigt. Das Gegenteil eines inferioren Guts ist ein normales Gut, bei dem die Nachfrage steigt, wenn das Einkommen des Verbrauchers steigt.

Inferiore Güter sind in der Regel Güter des täglichen Bedarfs, bei denen die Verbraucher bei höherem Einkommen auf qualitativ hochwertigere Produkte umsteigen. Zum Beispiel könnten Instantnudeln als inferiores Gut angesehen werden, da Menschen mit höherem Einkommen eher dazu neigen, sich gesünder zu ernähren und sich stattdessen für frische Lebensmittel oder qualitativ hochwertigere Fertiggerichte zu entscheiden.

Merkmale und Eigenschaften von inferioren Gütern

Inferiore Güter weisen einige Merkmale auf, die sie von anderen Gütern unterscheiden. Hier sind einige typische Merkmale von inferioren Gütern:

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    Die Nachfrage nach inferioren Gütern nimmt ab, wenn das Einkommen des Verbrauchers steigt. Im Gegensatz dazu nimmt die Nachfrage nach normalen Gütern mit steigendem Einkommen der Verbraucher zu.
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    Inferiore Güter sind in der Regel preisgünstiger als alternative Produkte. Aus diesem Grund werden sie oft von Menschen mit niedrigerem Einkommen gekauft.
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    Inferiore Güter sind oft Produkte des täglichen Bedarfs, wie z. B. billige Nahrungsmittel, Kleidung, Transportmittel oder einfache Unterhaltung.
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    Die Qualität von inferioren Gütern ist oft niedriger als die von teureren Produkten. Wenn das Einkommen der Verbraucher steigt, können sie sich qualitativ hochwertigere Produkte leisten und wechseln zu anderen Gütern.
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    Inferiore Güter haben oft eine geringere Marke oder Markenbekanntheit als andere Produkte.
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    Inferiore Güter sind oft mit negativen sozialen Konnotationen verbunden. Zum Beispiel wird das Essen von Instant-Nudeln oft als ungesund angesehen, und das Fahren eines alten Autos wird als Anzeichen für finanzielle Schwierigkeiten gesehen.

Diese Merkmale helfen dabei, inferiore Güter zu definieren und von anderen Güterarten zu unterscheiden. Sie haben auch Auswirkungen auf die Preisbildung und Nachfrage in der Wirtschaft.

Welche Bedeutung haben inferiore Güter in der Ökonomie?

Inferiore Güter können in der Wirtschaft eine wichtige Rolle spielen, da sie eine Art von Gut darstellen, bei dem die Nachfrage mit steigendem Einkommen der Verbraucher sinkt. 

In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit, wenn das Einkommen der Verbraucher sinkt oder stagniert, können inferiore Güter dazu beitragen, die Nachfrage aufrechtzuerhalten, da sie oft kostengünstiger sind als alternative Produkte. Auf diese Weise können sie dazu beitragen, den Umsatz von Unternehmen und den Einzelhandel aufrechtzuerhalten.

Allerdings können inferiore Güter auch ein Zeichen für wirtschaftliche Ungleichheit sein, da sie in der Regel von Menschen mit niedrigerem Einkommen gekauft werden. Wenn die Nachfrage nach inferioren Gütern hoch bleibt, obwohl das Einkommen der Verbraucher steigt, kann dies ein Anzeichen für eine wirtschaftliche Stagnation oder sogar für eine Verschlechterung der Lebensbedingungen sein.

Vorgehen zur Abgrenzung Güterarten und inferiores Gut

inferiores gut und nachfragedeterminanten

Ausgangspunkt der ökonomischen Analyse ist der einfache „Preis-Nachfrage-Mechanismus“. Ein Konsument bzw. Verbraucher fragt eine Menge eines bestimmten Gutes x zu einem bestimmten Preis p nach. Die Grundregel lautet hierbei: Steigt die Nachfrage nach dem Gut, steigt auch der Preis, und andersherum. 

Man bezeichnet diese Güterart dann auch als „normales Gut“. Die Nachfrage nach einem Gut wird aber nicht nur durch seinen Preis, sondern auch vom verfügbaren Einkommen des Konsumenten bestimmt. Auch hier gilt für den Normalfall: Steigt das Einkommen des Konsumenten, steigt auch die nachgefragte Menge des Gutes.

Wenn es aber einen „Normalfall“ gibt, kann man davon ausgehen, dass auch Ausnahmen existieren. Betrachtet man ausschließlich die Beziehung zwischen Einkommen und Nachfrage, wäre das inferiore Gut diese Ausnahme.

Im Folgenden stellen wir euch verschiedene Möglichkeiten aus der mikroökonomischen Haushaltstheorie vor, wie ihr inferiore Güter von anderen Gütern abgrenzen oder auch grafisch darstellen könnt. Hierbei handelt es sich um die Einkommenselastizität, die Wirkungsweise des Einkommens- und Substitutionseffekt sowie die Engel-Kurve.

1. Die Einkommenselastizität und inferiore Güter

inferiores gut und einkommenselastizität

Einkommenselastizität der Nachfrage: Maß, wie stark die Nachfragemenge eines Gutes auf eine Veränderung des Verbrauchereinkommens reagiert. Man misst sie als prozentuale Veränderung der Nachfragemenge geteilt durch die prozentuale Einkommensänderung.

Einkommenselastizität\: der\:Nachfrage= \frac{Änderung\:der\:Nachfragemenge\:in\:Prozent }{Änderung\:des\:Einkommens\:in\:Prozent }

Die Höhe der Einkommenselastizität hängt von verschiedenen Faktoren ab. In Hinblick auf die Unterscheidung zwischen den Güterarten auf Basis der Kaufentscheidung der Konsumenten zählen hierzu vor allem: die Verbraucherpräferenzen, das Einkommensniveau und die Verfügbarkeit von Substitutionsgütern, also Ausweichmöglichkeiten auf andere Güter.

In der Übersicht haben wir sehr differenziert zwischen verschiedenen Güterarten unterschieden. Hintergrund dafür ist, dass euch je nach Lehrbuch und Veranstaltung unterschiedliche Definitionen für die Abgrenzung von einem inferioren Gut zu einem normalen Gut begegnen können. Manchmal ist das Gegenstück zu einem inferioren Gut auch nicht das normale Gut, sondern das superiore Gut. 

Grundsätzlich gilt als Faustregel, dass inferiore Güter eine negative Einkommenselastizität besitzen. Normale oder relativ inferiore Güter besitzen eine Elastizität zwischen Null und Eins. Der Unterschied besteht bei diesen beiden Güterarten darin, ob die Nachfrage in Folge einer Einkommensänderung normal oder nur unterproportional steigt. 

Das superiore Gut bildet in unserer Übersicht damit auch einen deutlichen Kontrast zum inferioren Gut, da hier die Einkommenselastizität größer Null ist. Das superiore Gut sehen wir eher als eine Art „Luxus-Gut“. Wobei es natürlich auch hier wieder Abstufungen geben kann.

Als Faustregel empfiehlt es sich in Bezug auf die Einkommenselastizität drei Fälle zu merken: Die Einkommenselastizität kleiner Null, zwischen Null und Eins, und größer Eins.

2. Inferiores Gut und der Einkommens- und Substitutionseffekt

Der Einkommenseffekt beschreibt, wie eine Änderung des Einkommens eines Verbrauchers seine Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen beeinflusst. Wenn das Einkommen eines Verbrauchers steigt, steigt auch seine Kaufkraft, was dazu führen kann, dass er mehr von verschiedenen Gütern und Dienstleistungen kauft.

Der Substitutionseffekt bezieht sich auf die Reaktion des Verbrauchers auf eine Änderung des Preises eines Gutes, während alle anderen Faktoren konstant bleiben.

Wenn der Preis eines Gutes steigt, wird der Verbraucher wahrscheinlich auf andere, günstigere Güter ausweichen, die eine ähnliche Funktion erfüllen. Der Substitutionseffekt wird oft in Verbindung mit dem Einkommenseffekt diskutiert, um die Gesamtwirkung einer Preisänderung auf die Nachfrage eines Gutes zu bestimmen.

Der Zusammenhang zwischen inferioren Gütern und dem Einkommens- und Substitutionseffekt liegt darin, dass bei einer Veränderung des Einkommens des Verbrauchers beide Effekte auf die Nachfrage nach inferioren Gütern wirken.

Der Einkommenseffekt tritt auf, wenn sich das Einkommen des Verbrauchers ändert und dadurch seine Kaufkraft beeinflusst wird. Wenn das Einkommen steigt, wird der Verbraucher wahrscheinlich mehr von normalen Gütern kaufen und weniger von inferioren Gütern, da er sich nun höherwertige Produkte leisten kann. 

Der Substitutionseffekt tritt auf, wenn sich der Preis eines Gutes ändert und dadurch der relative Preisunterschied zwischen verschiedenen Gütern beeinflusst wird. Wenn der Preis eines inferioren Gutes steigt, wird der Verbraucher wahrscheinlich auf ein höherwertiges Gut umsteigen. Dies liegt daran, dass sich der Preisunterschied zwischen dem höherwertigen Gut und dem inferioren Gut verringert hat, was das höherwertige Gut relativ gesehen günstiger macht.

Einkommens- und Substitutionseffekt verlaufen damit bei Preisänderungen eines Gutes in entgegengesetzte Richtungen.

In der Regel ist es so, dass bei einem inferioren Gut der Substitutionseffekt großer ausfällt als der Einkommenseffekt. Ausnähme wäre ein Giffen-Gut als „extremes“ inferiores Gut, bei dem der Einkommenseffekt stärker ausfällt als der Substitutionseffekt.

3. Grafische Darstellung von inferioren Gütern: Die Engel-Kurve

Engel- Kurve: Kurve, in der die Menge eines konsumierten Gutes mit dem Einkommen in Beziehung gesetzt wird.

inferiores gut und engel-kurve

Die Engel-Kurve besitzt für ein normales Gut eine positive Steigung. Da ein inferiores Gut dadurch gekennzeichnet ist, dass die nachgefragte Menge eines Gutes mit steigendem Einkommen abnimmt, verläuft die Engel-Kurve entgegengerichtet.

In der Grafik zeigen wir euch ein Beispiel, um beide Güterarten zu illustrieren. Ob ein Gut ein normales oder ein inferiores Gut ist, hängt ja auch immer von der individuellen Einschätzung des Konsumenten ab. Hieraus folgt, dass ein und dasselbe Gut vom Konsumenten in Abhängigkeit seines Einkommens unterschiedlich bewertet werden kann.

Dieser Fall ist abgebildet. Bis zu einem Einkommen von 10 € je Monat ist aus Sicht des Nachfragers der Hamburger ein normales Gut. Erhöht sich sein Einkommen, nimmt seine Nachfrage für Hamburger ab. Ab diesem Punkt sind Hamburger für ihn ein inferiores Gut. Entsprechend unterschiedlich verläuft dann auch die Engel-Kurve.

Kurz und knapp: Abgrenzung inferiores Gut von anderen Güterarten

1. Unterschied inferiores Gut und superiore Güter

Inferiore Güter sind Güter, bei denen die Nachfrage mit einer Erhöhung des Einkommens des Verbrauchers abnimmt. Mit anderen Worten, wenn ein Verbraucher mehr Geld verdient, wird er wahrscheinlich weniger von diesen Gütern kaufen. Beispiele für inferiore Güter sind gebrauchte Kleidung, Instant-Ramen-Nudeln oder Brot.

Superiore Güter sind Güter, bei denen die Nachfrage mit einer Erhöhung des Einkommens des Verbrauchers zunimmt. Mit anderen Worten, wenn ein Verbraucher mehr Geld verdient, wird er wahrscheinlich mehr von diesen Gütern kaufen. Beispiele für superiore Güter sind teure Autos, Markenkleidung oder exklusive Reisen.

Der Unterschied zwischen inferioren und superioren Gütern liegt somit in der Richtung der Veränderung der Nachfrage im Zusammenhang mit einer Veränderung des Einkommens des Verbrauchers. 

2. Unterschied Inferiore Güter und relativ inferiore Güter

Ein relativ inferiores Gut ist eine Untergruppe von inferioren Gütern. Im Gegensatz zu absolut inferioren Gütern hängt bei relativ inferioren Gütern die Nachfrage nicht nur vom Einkommen des Verbrauchers ab, sondern auch von einem anderen Faktor, wie z.B. dem Preis anderer Güter.

Ein Beispiel für ein relativ inferiores Gut wäre eine bestimmte Marke von Nudeln. Wenn das Einkommen der Verbraucher steigt, werden sie wahrscheinlich zu teureren Marken von Nudeln wechseln, die sie zuvor nicht kaufen konnten. In diesem Fall ist das Produkt relativ inferioren, da seine Nachfrage nicht nur vom Einkommen, sondern auch von der Verfügbarkeit von teureren Alternativen abhängt.

Relativ inferiore Güter sind oft anfälliger für Preisänderungen und andere Marktfaktoren als absolute inferiore Güter. Sie sind auch oft mit einer höheren Markenbekanntheit und einem höheren sozialen Status verbunden als absolute inferiore Güter.

Die Einkommenselastizität für relativ inferiore Güter ist daher positiv, aber kleiner als null und dann positiv.

3. Ist ein Giffen-Gut ein inferiores Gut?

Ein Giffen-Gut ist eine besondere Art von inferiorem Gut, bei dem die Nachfrage mit einem Anstieg des Preises steigt, anstatt zu sinken. 

Ein Giffen-Gut ist ein Gut, bei dem die Verbraucher aufgrund ihrer begrenzten Einkommensressourcen gezwungen sind, mehr von dem Gut zu kaufen, obwohl der Preis steigt, da sie sich kein höherpreisiges Gut mehr leisten können.

Die Nachfrage hängt nicht nur vom Einkommen, sondern auch vom Preis des Gutes ab. Allerdings ist es wichtig zu beachten, dass nicht alle inferioren Güter Giffen-Güter sind, da das Verhalten der Nachfrage bei Giffen-Gütern besonders paradox ist und nicht bei allen inferioren Gütern beobachtet wird. Ein klassisches Beispiel für ein Giffen-Gut ist Kartoffeln in Irland während der Hungersnot im 19. Jahrhundert. Als die Preise für Kartoffeln stiegen, waren die armen Iren gezwungen, einen größeren Teil ihres Einkommens für Kartoffeln auszugeben, da sie sich kein teureres Nahrungsmittel mehr leisten konnten.

Die Einkommenselastizität von Giffen-Gütern ist positiv und größer als eins.

Zusammenfassung

  • Ein inferiores Gut ist ein Gut, dessen nachgefragte Menge bei einem Einkommensanstieg des Verbrauchers abnimmt, und andersherum.
  • Das inferiore Gut ist eine Ausnahme in Bezug auf die Reaktion von Konsumenten infolge von Einkommensänderungen. Der Normalfall ist das normale Gut. Gegenstück zum inferioren Gut sind das normale oder das superiore Gut.
  • Die Definition in der Abgrenzung des inferioren Gutes zum normalen und superioren Gut sind in der Literatur nicht einheitlich. Gelegentlich unterscheidet man noch zwischen relativ inferioren Gütern.
  • Grundsätzliches Unterscheidungskriterium zwischen den Güterarten ist in Bezug auf das Einkommen die Einkommenselastizität. Bei einem inferioren Gut ist sie negativ. 
  • Ein Giffen-Gut ist immer ein inferiores Gut. Ein inferiores Gut muss aber kein Giffen-Gut sein. Dies sieht man gut über die Wirkungsweise des Einkommens-und Substitutionseffektes.
  • Grafisch kann man den Unterschied zwischen normalen und inferioren anschaulich über die Engel-Kurve darstellen.

Literatur


  • Mankiw, G. und M. Taylor: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 8. Auflage, Schäffer-Poeschel, 2021.
  • Pindyck, Robert S., und Daniel L. Rubinfeld. Microeconomics, Pearson Education Deutschland GmbH, 2018. 
  • Varian, Hal R. Grundzüge der Mikroökonomik, Walter de Gruyter GmbH, 2016. 

Über die Autorin: 

Nadine Behncke

Promovierte Volkswirtin und überzeugte Europäerin. Ihre Schwerpunkte sind die Entwicklung und Herausforderungen der EU mit ihren Auswirkungen und Folgen auf Deutschland und seine Bevölkerung. Sie schreibt auf Think About zu Politik, Wirtschaft & Geschichte in Europa, um Wissen zu vermehren und zur Diskussion beizutragen.


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