Inflationskosten: Die 6 Kosten der Inflation einfach erklärt

Inflationskosten: Die 6 Kosten der Inflation einfach erklärt

Man unterscheidet 6 verschiedene Inflationskosten. Sie unterscheiden sich danach, ob sie korrekt antizipiert wurden, oder eben nicht. Innerhalb beider Gruppen können einige Inflationskosten vermieden werden. Wir stellen die 6 Inflationskosten und ihre Merkmale vor.

Zwischen Inflation und dem Geldmarkt besteht ein enger Zusammenhang. Um die Inflationskosten angemessen beschreiben zu können, muss man deshalb kurz auf die grundlegenden Eigenschaften des Geldes eingehen.

Die erste Geldeigenschaft beschreibt seine Funktion als Rechenmittel. Nach den Annahmen der Neoklassik hat Geld damit keinen Einfluss auf die Realwirtschaft. Kann damit auch nicht zu Inflation führen.

Bezieht man aber die beiden Funktionen „Tauschmittelfunktion“ und „Wertaufbewahrungsfunktion“ mit in die Betrachtung ein, sieht das ganz anders aus. Die Inflationskosten treten dann nicht nur auf sondern können auch beziffert werden. Denn Geld verliert infolge von Inflation seine Funktion als Wertaufbewahrungsmittel und anschließend als Tauschmittel. Dies hat Auswirkungen auf die Realwirtschaft. Die Inflationskosten können anhand der volkswirtschaftlichen Veränderungen (z.B. Produktion, Einkommen etc.) beziffert werden.

Hintergrund

Man unterscheidet insgesamt zwischen 6 verschiedenen Inflationskosten. Für die Beurteilung dieser Kosten ist es aber wichtig infolge welcher Inflation sie auftreten.

Die Kostenart und Höhe differiert danach, ob die Wirtschaftssubjekte die Inflation korrekt antizipieren konnten oder nicht. Insbesondere bei einer korrekt bzw. vollständig antizipierten Inflation können viele der 6 Kostenarten vermieden werden oder zumindest verringert.

Korrekt oder unvollständig antizipierte Inflation

Nicht vermeidbar:

Schuhsohlen-Kosten

Speisekarten-Kosten

Unsicherheit (reduzierbar)

Fehlallokation (reduzierbar)

Steuern (reduzierbar)


Vermeidbar: Umverteilung

Nicht antizipierte oder unvollständig antizipierte Inflation

Nicht vermeidbar:
Umverteilung

ggf. reduzierbar:
Anpassungskosten durch Verwirrung
Fehlallokationen
Steuerverzerrung

Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Inflationshöhe und ihrer Vorhersehbarkeit. Man kann deshalb davon ausgehen, dass zusätzliche Kosten einer nicht korrekt antizipierten Inflation entstehen. Dies sind in besonderem Maße die Umverteilungseffekte. Die übrigen Kosten, wie Fehlallokation, Steuerverzerrung und Verwirrung, Schuhsohlen und Speisekarte treten immer auf. Sie unterscheiden sich aber in ihrer Höhe, je nachdem wie gut die Inflation berechnet wurde.

1. Schuhsohlen-Kosten

Schuhsohlen-Kosten: Bildet die Ressourcen ab, die verschwendet werden, wenn Menschen aufgrund der Inflation ihre Kassenhaltung reduzieren.

Inflation wirkt im Prinzip wie eine Steuer auf das Halten von Geld da es seinen realen Wert verliert. Der reale Wert des Geldes sinkt bei Inflation um die Höhe der Inflationsrate.

Die Wirtschaftssubjekte versuchen daher diese „Inflationssteuer“ zu vermeiden. Bei einer korrekt antizipierten Inflation ist dies auch ganz gut möglich. Denn hier steigen als Reaktion die (nominalen) Zinsen. Die Wirtschaftssubjekte versuchen deshalb so wenig Geld wie möglich bei sich zu tragen und es stattdessen auf dem Konto liegen zu lassen.

Als Folge müssen sie öfter zur Bank gehen.

Die mit den häufigeren Bankgängen verursachten Kosten bezeichnet man als „Schuhsohlen-Kosten“. Allerdings umfassen diese Kosten nicht die abgelaufenen Schuhsohlen sondern die Zeit und Unannehmlichkeiten, die hierfür aufgebracht werden müssen.

Im Prinzip handelt es sich bei den Schuhsohlen-Kosten also um ökonomische Transaktionskosten, die infolge der Inflation entstehen.

Man kann argumentieren, dass in Zeiten des technischen Fortschritts und Online-Bankings diese Kosten kaum noch ins Gewicht fallen. Allerdings sind hohe Inflationsraten nicht mehr vornehmlich ein Problem in den hochentwickelten Volkswirtschaften. In Ländern mit einer nicht flächendeckenden Infrastruktur können dies hohe Inflationskosten sein.

2. Speisekarten-Kosten

Während die Schuhsohlen-Kosten die Kosten für die Nachfrageseite darstellen, sind die Speisekarten-Kosten die entstandenen Kosten für die Unternehmen.

Im allgemeinen verändern Unternehmen nur selten ihre Preise (oder in bestimmten Abständen). Denn ihnen entstehen durch die Preisänderungen Kosten. Für die hiermit verbundenen Kosten hat sich der Begriff „Speisekarten-Kosten“ etabliert.

Speisekarten-Kosten bilden diejenigen Kosten ab, die ein Unternehmen z.B. für den Druck und Verteilung neuer Preislisten/Kataloge hat. Oder im weiteren Sinne, die mit den Preisänderungen verbundenen Kosten, wie der Umgang mit Reaktionen von Kunden und Lieferanten.

Eine Inflation erhöht nun die Speisekarten-Kosten der Unternehmen. In Volkswirtschaften mit einer niedrigen Inflationsrate können Preisanpassungen z.B. einmal im Jahr durchgeführt werden und sind damit Teil einer Unternehmensstrategie.

Liegt aber eine höhe Inflationsrate vor, müssen die Preise mehrmals im Jahr angepasst werden.

Die Höhe dieser Kosten hängt auch davon ab, ob die Inflation korrekt antizipiert wurde. Ist dies der Fall, können Unternehmen die Höhe der Speisekarten-Kosten abschätzen und in die Planungen miteinbeziehen. Insgesamt gesehen sind Speisekarten-Kosten für die Volkswirtschaft aber von geringer Bedeutung.

3. Anpassungskosten durch Verwirrung

Zur Erklärung dieser etwas schwammigen Kosten muss man noch einmal an die Funktion des Geldes als Recheneinheit erinnern. Mit dieser Funktion drückt das Geld Preise aus oder kann Schulden beziffern.

Geld ist der Maßstab mit dem wir ökonomische Transaktionen messen!

Und diese Messfunktion muss das Geld verlässlich erfüllen. Es ist z.B. Aufgabe der EZB dafür mit einer angemessenen Geldpolitik zu sorgen. Erhöht sie z.B. die Geldmenge führt dies auch zu Inflation. Das Geld als Recheneinheit verliert damit real an Wert.

Generell ist es schwierig, die Inflationskosten infolge von Verwirrung und Unannehmlichkeiten zu messen. So messen z.B. Buchhalter die Unternehmenseinnahmen bei Inflation nicht richtig. Denn der reale Wert des gemessenen Geldes unterscheidet sich je nach Zeitpunkt. Die Gewinnberechnung (Erträge – Kosten) eines Unternehmens ist damit in einer Volkswirtschaft mit Inflation wesentlich schwieriger.

Diese Messschwierigkeiten und ihre Auswirkungen umfassen die Inflationskosten infolge Verwirrung und Unannehmlichkeiten.

Die schwammigen Kosten können weitreichende Folgen haben: Wenn Investoren aufgrund der inflationsbedingten Messschwierigkeiten den Unternehmenswert nicht richtig beurteilen können, unterlassen sie die Investition.

Häuft sich dieses Verhalten können die Finanzmärkte ihre Funktion nicht mehr richtig erfüllen: Die gesamtwirtschaftlichen Ersparnisse alternativen Arten von Investitionen zuzuführen.

4. Variabilität der relativen Preise und Fehlallokationen

In einer Marktwirtschaft sind die relativen Preise für die Allokation knapper Ressourcen verantwortlich (z.B. die Produktionsfaktoren Arbeit und Kapitel, aber auch Zeit). Unternehmen oder Konsumenten treffen ihre jeweiligen (Kauf)Entscheidungen auf der Basis von Vergleichen der Qualität und des Preises. Hierüber entscheiden sie, wie sie ihre knappen Ressourcen aufteilen. Inflation verzerrt nun diese relativen Preise. Dementsprechend sind dann auch die getroffenen Entscheidungen der Wirtschaftsteilnehmer nicht mehr korrekt. Sie führen damit zu Fehlallkationen bzw. ist bei Inflation eine effiziente Allokation der Ressourcen über die nicht mehr möglich, da der Preismechanismus versagt.

Gemeinhin bekannt sind diese drei Beispiele für Fehlallokation, die zu Inflationskosten führen:

1.) Investitionen: Können Haushalte und Unternehmen die Inflation nicht korrekt antizipieren, werden sie zögern langfristig zu investieren. Sie vermeiden dann lieber hohe Risiken als mögliche Verluste in Kauf zu nehmen.

2.) Informationsfunktion des Preises: Inflation führt zur Verringerung der Informations-/Lenkungsfunktion des Preises. Konsumenten können bei Inflation nicht mehr unterscheiden, ob der gestiegene Preis der Inflation geschuldet ist oder Gewinnabsichten des Unternehmens dahinterstecken.

3.) Risiko und Unsicherheit: Für langfristige Verträge werden bei Inflation Risikoprämien ausgehandelt.  Bei einer nicht korrekt antizipierten Inflation müssen dafür hohe Ressourcen aufgewendet werden. Allerdings kann man sich nicht gegen jedes Risiko bei einer Inflation absichern. Die Unsicherheit und die damit verbundenen Kosten bleiben also immer in gewissen Umfang bestehen.

5. Inflationsbedingte Steuerverzerrung

Steuern haben die Eigenschaft, dass sie Menschen Anreize dazu geben ihr (ökonomisches) Verhalten zu ändern. Sie führen damit bereits eigenständig zu einer volkswirtschaftlich ineffizienten Ressourcenallokation.

Inflation verstärkt diese Problematik. Denn die Steuergesetze ignorieren oftmals die Effekte von Inflation. So gibt es Untersuchungen, die darauf hindeuten, dass die Inflation die Steuerbelastung von Einkommen erhöht, die über eine hohe Ersparnis gebildet wurden.

Die Hauptursache liegt darin, dass die Steuerbelastung durch die Inflation ansteigt, obwohl die reale Bemessungsgrundlage konstant bleibt. Es werden sogenannte „Scheingewinne“ besteuert. Also Gewinne oder Einkünfte, die ohne Inflation nicht vorhanden wären.

Kapitalgewinne

Diese Gewinne werden erzielt, wenn Vermögenswerte zu einem Kaufpreis verkauft werden, der ihren Wert übersteigt. Es entstehen also Scheingewinne. Wird er besteuert führt dies aufgrund von Substanzverlusten längerfristig zu einer Verringerung der Realkapitalbildung.

Zinseinkünfte

Inflation führt zu höheren (nominalen) Zinsen (vgl. hierzu die Fischer-Gleichung). Die Sparneigung der Wirtschaftsteilnehmer steigt damit. Die Einkommenssteuer betrachtet nun den die nominalen Zinseinkünfte als Einkommen. Obwohl ein Teil des gestiegenen Zinssatzes die Inflation abdeckt.  Es werden damit also auch in diesem Fall „Scheingewinne“ besteuert. Mit den entsprechenden negativen Folgen.


6. (Willkürliche) Umverteilungseffekte

Durch Umverteilungseffekte entstehende Inflationskosten unterscheiden sich von den vorher diskutierten Kostenarten. Denn Umverteilungskosten müssen nicht bei einer korrekt antizipierten Inflation entstehen. Sie entstehen aber in jedem Fall bei einer nicht-korrekt antizipierten Inflation. Denn Inflation führt zu einer Umverteilung von Vermögen, die nichts mit Leistung oder Bedarf zu tun hat. Zudem besteht ein Zusammenhang zwischen der Höhe der durchschnittlichen Inflationsrate und ihrer Variabilität. Volkswirtschaften mit einer hohen Inflationsrate, haben auch oft die überraschenden Inflationskosten der Umverteilungseffekte zu tragen.

Der Hauptgrund der Umverteilung von Vermögen durch Inflation liegt darin, dass Kredite über nominale Beträge aufgenommen werden. Es gibt damit immer auch Gewinner und Verlierer der Inflation, wie wir an den drei folgenden Beispielen zeigen:

1.) Bei einer nicht-korrekt antizipierten Inflation gewinnen die Schuldner und die Gläubiger verlieren. Denn die nominale Forderung ist nun real weniger Wert. So profitiert der Staat z.B. von Inflation, weil seine über Kredite finanzierten Schulden nun (real) weniger geworden sind.

2.) Arbeitsmarkt: Die Preise (durch Inflation) steigen schneller als die nominalen Löhne. Folglich verlieren die Arbeitnehmer durch Inflation, weil sie nun einen geringeren Reallohn haben. Die Unternehmen gewinnen dagegen, weil sie real weniger Kosten haben. Die Umverteilung geht damit zugunsten der Gewinneinkünfte.

3.) Empfänger nominal fixierter Transfereinkommen werden (z.B. Rentner, ALGII-Empfänger) schlechter gestellt, falls keine zeitnahe Anpassung erfolgt. Allerdings kann dieser Effekt durch Indexierung verhindert werden. Man darf hier nicht vergessen, dass die inflationsbedingten Verteilungseffekte in der Regel politisch nicht gewollt sind.

Zusammenfassung

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    Man unterscheidet zwischen 6 verschiedenen Inflationskosten
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    Die 6 Kosten variieren danach, ob sie Ergebnis einer korrekt/vollständig oder unvollständig antizipierten Inflation sind.
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    Umverteilungskosten treten nur bei einer nicht antizipierten Inflation auf. Sie führen zu Inflationsgewinnern und Verlierern. 
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About the Author Nadine Behncke

Promovierte Volkswirtin und überzeugte Europäerin. Ihre Schwerpunkte sind die Entwicklung und Herausforderungen der EU mit ihren Auswirkungen und Folgen auf Deutschland und seine Bevölkerung. Sie schreibt auf Think About zu Politik, Wirtschaft & Geschichte in Europa, um Wissen zu vermehren und zur Diskussion beizutragen.

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