Endogene und exogene Konjunkturtheorien: Definiton & Übersicht
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Endogene und exogene Konjunkturtheorien: Definiton & Beispiele

Die verschiedenen Konjunkturtheorien erklären Konjunkturschwankungen durch ein Auseinanderklaffen zwischen der Produktionskapazität einer Volkswirtschaft und der vorhandenen Nachfrage.

Definition

Die verschiedenen Konjunkturtheorien erklären Konjunkturschwankungen durch ein Auseinanderklaffen zwischen der Produktionskapazität einer Volkswirtschaft und der vorhandenen Nachfrage.

Die Produktionskapazität ist die maximale Produktionsmenge, die eine Volkswirtschaft bei Vollauslastung ihrer Produktionsfaktoren herstellen kann. Langfristig ist dieser Zustand gegeben und dann entspricht das Angebot der ausgelasteten Produktionskapazität (auch als Produktionspotenzial bezeichnet). Kurz- bzw. mittelfristig entspricht das Angebot aber nicht immer der maximal möglichen Produktionsmenge. Konjunkturschwankungen entstehen immer dann, wenn das realisierte Angebot und die Nachfrage im Ungleichgewicht sind.

Hintergrund

Über die Ursachen und Auswirkungen der konjunkturellen Schwankungen existieren verschiedene Theorien. Bereits 1937 erstellte Gottfried Haberler eine erste Systematik verschiedener Konjunkturtheorien. Er unterschied damals zwischen fünf Gruppen:

  • 1
    ​Rein-monetäre Theorien
  • 2
    ​Überinvestitionstheorien
  • 3
    ​Unterkonsumtheorien
  • 4
    ​​Psychologische Theorien
  • 5
    ​Erntetheorien

​Hierauf aufbauend wurden weitere Theorien entwickelt. Hervorzuheben ist vor allem die Marxistische Konjunkturtheorie.

Aufgrund ihres Entstehungszeitpunktes bezeichnet man diese Theorien auch als vorkeynesianische Konjunkturtheorien.

Letztlich muss man sagen, dass es sich bei den Theorien immer auch nur um „Versuche“ handelt, um die Konjunkturschwankungen zu erklären. Jede Theorie besitzt damit Vor- und Nachteile. Unabhängig davon, wie man die verschiedenen Theorieansätze zusammenfasst und gruppiert. Neben den in diesem Artikel behandelten vorkeynesianischen und teilweise klassischen Theorien existieren heute außerdem die „modernen“ Theorien. Bei den modernen Theorien spricht man von Konjunkturmodellen, da sie in der Regel mathematisch aufgebaut sind. Die hier behandelten Konjunkturtheorien erklären Schwankungen dagegen überwiegend verbal.

Hier unterscheidet man gewöhnlich zwischen endogenen und exogenen Konjunkturtheorien. Die beiden Konjunkturtheorien unterscheiden sich dabei in ihrer Betrachtungsweise warum es zu konjunkturellen Schwankungen kommen kann. Mehrere der vorkeynesianischen Konjunkturtheorien zählen zu den endogenen Theorien, auf die wir nachfolgend näher eingehen.

Endogene Konjunkturtheorie

So sehen die endogene Konjunkturtheorien die Ursachen von konjunkturellen Schwankungen im Wirtschaftssystem. Durch die Konstruktion des Wirtschaftssystem der Marktwirtschaft (Wettbewerb) sind die abwechselnden Phasen (Aufschwung und Abschwung) unvermeidbar.

Wir stellen weiter unter diese drei wichtigen endogenen Theorien näher vor:

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    ​Rein monetäre Konjunkturtheorie
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    ​Überinvestitionstheorie
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    Monetäre Überinvestitionstheorie
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    Nicht monetäre Überinvestitionstheorie
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    ​Unterkonsumtionstheorien

​In Abhängigkeit ihres „Ansatzpunktes“ können die endogenen Konjunkturtheorien in monetäre und reale Theorien gegliedert werden.

Monetäre Theorien legen den Schwerpunkt auf monetäre Ursachen zur Erklärung der Konjunkturschwankungen. (Stichwort: Neoklassik und insbesondere Monetarismus). Ihr Ansatz geht vor allem von Zinsänderungen über die Geldpolitik aus.

Reale bzw. keynesianische Theorien legen ihren Schwerpunkt dagegen auf nicht-monetäre Ursachen. Sie betrachten Instabilitäten im Konsum bzw. der Ersparnis im privaten Sektor als Hauptgründe.

​Exogene Konjunkturtheorien

​Die exogenen Konjunkturtheorien sehen hingegen die Ursachen von konjunkturellen Schwankungen in Anstößen von Außen (außerwirtschaftliche Einflüsse). Zu diesen außerwirtschaftlichen Einflüssen zählen z.B. Kriege, technische Neuerungen oder auch psychologische Faktoren (Optimismus, Pessimismus ...)

Es ist nicht möglich, nur mit exogenen Faktoren einen Konjunktur-Zyklus zu beschreiben, da auch bei den exogenen Konjunkturtheorien immer die Reaktion des Wirtschaftssystems mit einbezogen werden muss. Deshalb sind die meisten der heute vertretenen Theorien endogen.

Rein monetäre Konjunkturtheorie

Die Instabilität des Geldumlaufs bewirkt Schwankungen im Konjunkturverlauf.

Die rein monetäre Konjunkturtheorie erklärt Konjunkturschwankungen im Konjunkturzyklus nur durch die Veränderung des Geldmenge. Die Theorie erklärt den Aufschwung mit einer Kreditexpansion über niedrige Zinsen. Senkt die Notenbank den Leitzins, kommt es anschließend zu einer vermehrten Kreditaufnahme und damit zu Investitionen. Diese führen dann zu einem Aufschwung. Der Abschwung hingegen hängt mit der Beendigung der Kreditexpansion zusammen.

Zins- und Kreditpolitik (oder besser: die Geldpolitik!) besitzt zwar einen erheblichen Einfluss auf die Konjunkturschwankungen. Allerdings kann die rein monetäre Konjunkturtheorie die konjunkturellen Schwankungen nicht vollständig erklären, da noch zu viele andere Faktoren eine Rolle spielen.

Ihre hohe Bedeutung kann man aber auch in der europäischen Wirtschaftspolitik beobachten, wenn Analysten immer gespannt auf die Pressekonferenzen der EZB warten, in denen verkündet wird, ob der Leitzins verändert wird.

Allgemeine Ablaufkette: ​Ausgangspunkt im Geldmarkt sind niedrige Zinssätze -> Kreditnachfrage steigt -> die Geldmenge nimmt zu -> die Investitionen steigen und die Unternehmen weiten ihre Produktion aus -> Aufschwung/Boom: Die Zinsen steigen wieder , die Kreditnachfrage sinkt und damit auch die Geldmenge -> die Produktion sinkt letztlich wieder und wir befinden uns im Abschwung

​Überinvestitionstheorie

Die Überinvestitionstheorie sieht die Ursache der konjunkturellen Schwankungen in einer veränderten Nachfrage nach Konsumgütern. Hierzu kommt es, wenn die Investitionen und die Produktion zu schnell ansteigen. Infolgedessen kann die Produktion nicht mehr abgesetzt werden. Das Problem ist hierbei letztlich, dass mehr Produktionskapazitäten aufgebaut werden als man für die Produktion benötigt. Die Ursache für das Entstehen von Überkapazitäten liegt darin begründet, dass Unternehmer im Aufschwung zu viel investieren. Dieses „Zuviel“ führt letztendlich wieder zu einem Abschwung.

Man unterscheidet zwischen zwei Arten der Überinvestitionstheorie. Die Investitionen werden über den Zinssatz beeinflusst. Hierüber besteht ein Bindeglied zwischen dem Geldmarkt und dem Gütermarkt:

Die monetäre Überinvestitionstheorie untersucht, wie es zu Schwankungen der Investitionen über Zinsänderungen kommt.

Die nicht-monetäre Überinvestitionstheorie setzt dagegen auf andere Erklärungsansätze für ein Überschießen der Investitionstätigkeit.

Allgemeine Ablaufkette (Ausgang Aufschwung/Boom): Die Investitionen steigen -> (dauerhafte) Kapazitätsausweitung > (dauerhafte) Nachfrage  -> Die Investitionen sinken wieder -> Abbau der Produktionskapazitäten, damit auch der Produktion und letztlich des (möglichen) Absatzes -> Gewinne sinken -> schließen sinken hierdurch auch die Zinsen -> Es kommt zum Abschwung

​Monetäre Überinvestitionstheorie

Eine auftretende Differenz zwischen den beiden Zinsarten sorgt für eine Erhöhung oder Verringerung der Investitionen. Denn es existiert einmal der sogenannte „Geldzins“. Hierbei handelt es sich um die Zinsen für Leihkapital, also die Zinsen, die man zahlen muss, wenn man Geld aufnimmt. Und dann den sogenannten „natürlichen Zins“. Dies ist der Ertragszins, den man z.B. auf sein Sparguthaben erhält.

Nicht-monetäre Überinvestitionstheorie

Der expansive Impuls für die Konjunkturschwankung geht hier vom technischen Fortschritt aus. Es wird aufgrund einer Innovation investiert. Doch im Laufe der Zeit bleiben weitere technische Neuerungen aus. Die inzwischen aufgebauten Produktionskapazitäten sind nun zu groß und können nicht ausgelastet werden.

Unterkonsumtionstheorien

Die Unterkonsumtionstheorien gehören ebenfalls zu den realen Konjunkturtheorien. Sie bilden den Gegensatz zu der Überinvestitionstheorie.

Bei der Überinvestitionstheorie ist (infolge der Investitionen) das Produktionspotential größer als die Auslastung. Sie erklärt damit Schwankungen über die Produktionsseite.

Bei der Unterkonsumtionstheorie ist dagegen die Nachfrage kleiner als das Potential. Sie erklärt damit über das Verhalten der Konsumenten die Konjunkturschwankungen.

Die Konsumenten bzw. Haushalte erhalten für ihre Arbeit ein Einkommen. Vereinfacht ausgedrückt verwenden sie das Einkommen für Konsum oder bilden Ersparnisse. Die Unterkonsumtionstheorie geht nun davon aus, dass die Konsumenten einen zu großen Teil ihres Einkommens sparen. Damit verringert sich naturgemäß der Anteil den sie für den Konsum verwenden können.

Insgesamt führt eine unzureichende Konsumnachfrage zur unzureichenden Auslastung der im Aufschwung aufgebauten Kapazitäten. Der gesamtwirtschaftlich resultierende Nachfrageausfall führt im Abschwung dann zu Deflation .

Allgemeine Ablaufkette ​(Ausgangspunkt Aufschwung):  Die Investitionen steigen -> Nachfrage < Produktionskapazität (denn die Güterpreise steigen in der Regel schneller als die Löhne!) (Boom) -> Die Nachfrage sinkt (weil die Kaufkraft gesunken ist) -> Abschwung -> Die Preise sinken, um den Nachfrageausfall zu kompensieren.

​Je nach Ausgestaltung der Wirtschaftsstrukturen kann sich der Abschwung verstärken, z.B. über eine starke Einkommensungleichheit. Der negative Kreislauf verstärkt sich dadurch, dass die Konsumenten aufgrund der im Boom gestiegenen Preise nun einen höheren Anteil ihres Einkommens für den Konsum benötigen und nicht mehr sparen können. Da das Ersparte in einer Volkswirtschaft letztlich die Grundlage für Investitionen bildet, führt dieses Verhalten auch zu einen Rückgang der Investitionen.

Psychologische Konjunkturtheorien

Unsicherheiten über die wirtschaftliche Zukunft wirken ansteckend. Sie schaukeln sich auf und erzeugen so die Krise. Auch die gegenteilige Entwicklung kann man so erklären. Ansteckende Euphorie führt damit zum Aufschwung.

Marxistische Konjunktur- bzw. Krisentheorie

Dieser Theorieansatz geht davon aus, dass kapitalistische Wirtschaftssysteme regelmäßig von Krisen heimgesucht werden. Im Gegensatz zu den bisher vorgestellten Ansätzen erklärt man hier nicht per se Schwankungen sondern vor allem negative Entwicklungen.

Die Theorie unterscheidet zwischen zwei „Krisentypen“:

1. Krisen, entstanden durch Überakkumulation

Dieser Ansatz argumentiert, dass die Ungleichverteilung des gesellschaftlichen Reichtums zu einer krisenhaften konjunkturellen Entwicklung führt. Zudem scheint es unsinnig die Arbeitsproduktivität zu erhöhen, da hierdurch Arbeiter vermehrt durch Maschinen ersetzt werden können. Da Maschinen fixes Kapitel darstellen verstärkt sich hierdurch wieder die Ungleichheit.

2. Realisierungskrisen

Sie entstehen durch eine zu starke Heterogenität zwischen den verschiedenen Wirtschaftszweigen oder durch zu geringen Konsum von Seiten der Nachfrager.

Da die Planwirtschaft in den Unternehmen bzw. auf übergeordneter Ebene damit den Wirtschaftszweigen die herzustellende Produktionsmenge vorgibt ist damit auch die Größe der Wirtschaftszeige determiniert. Über die Planung kann keine starke Heterogenität in der Wirtschaftsstruktur entstehen oder Unterkonsum auftreten.

Zusammenfassung

  • ​Exogene Konjunkturtheorien erklären Schwankungen mit Faktoren innerhalb des Wirtschaftssystems, exogene Theorien mit Faktoren von außerhalb.
  • ​Keine Konjunkturtheorie kann alle Einflussfaktoren berücksichtigen. Jede Theorie besitzt damit Vor- und Nachteile.
  • ​Wichtige Theorieansätze sind die Investitionstheorie und rein-monetäre Theorie, da sie mit dem konjunkturpolitischen Instrumentarium "arbeiten".
  • ​Neue Theorieansätze bezeichnet man als "Konjunkturmodelle", da sie mathematisch aufgebaut sind und nicht verbal.
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About the Author Nadine Behncke

Promovierte Volkswirtin und überzeugte Europäerin. Ihre Schwerpunkte sind die Entwicklung und Herausforderungen der EU mit ihren Auswirkungen und Folgen auf Deutschland und seine Bevölkerung. Sie schreibt auf Think About zu Politik, Wirtschaft & Geschichte in Europa, um Wissen zu vermehren und zur Diskussion beizutragen.

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