So greift die staatliche Preisbildung in das Marktgeschehen ein

By Nadine Behncke | Mikroökonomik

Jun 02
staatliche preisbildung

Staatliche Preisbildung erfolgt durch direkte, nicht marktkonforme Maßnahmen und indirekte, marktkonforme Maßnahmen. Die direkte staatliche Preisbildung erfolgt durch Festpreise, Höchstpreise oder Mindestpreise.

Definition

Ein Instrument der Wirtschaftspolitik ist die Preispolitik. Hiermit greift der Staat in die Preisbildung am Markt ein um Marktfehler zu korrigieren. Man spricht in diesem Fall von staatlicher bzw. politischer Preisbildung.

Die staatliche Preisbildung hat zum Ziel bestimmte Anbieter oder bestimmte Nachfrager besserzustellen als bei freier Marktpreisbildung. Beispiele für die Anbieter sind z.B. die Landwirtschaft oder Stahlproduzenten. Für die Nachfrager bedürfte Haushalte oder Personengruppen. Staatliche Preisbildung hat damit auch immer eine soziale und verteilungspolitische Komponente. Es besteht daher immer die Gefahr, dass dieser Staatseingriff in die Preisbildung verzerrend wirkt oder zumindest nicht effizient ist.

Staatliche Preisbildung erfolgt durch zwei Arten von Maßnahmen:

1. Direkt durch nicht marktkonforme Maßnahmen

- Festpreise

- Höchstpreise

- Mindestpreise

Direkte Preiseingriffe sind nicht marktkonform. Durch die sogenannte Preisbindung greift der Staat direkt in den Preismechanismus ein. Man unterscheidet zwischen den drei oben genannten Maßnahmen. Wir gehen in diesem Artikel weiter unten auf sie detailliert ein.

2. Indirekt durch marktkonforme Maßnahmen

-Steuern

-Zölle

- Subventionen

- der Staat tritt selber als Anbieter oder Nachfrager auf

Im Gegensatz zu direkten Preiseingriffen sind indirekte Maßnahmen marktkonform. Denn sie lenken nur die Preise, indem sie die Nachfrage oder das Angebot beeinflussen. Durch diese Maßnahmen kann sich immer ein neuer Gleichgewichtspreis bilden. D.h. sie beeinträchtigen nicht die Preisbildung am Markt.

Beispiele für indirekte Maßnahmen sind:

Die Erhebung von Einfuhrzöllen

Sie sichern inländischen Anbietern einen höheren Preis.

Subventionen für bestimmte Wirtschaftszweige

Exportförderung

Zahlung von Exportprämien oder die Gewährung von Steuervergünstigungen für Unternehmen

Diese Beispiele sind Preisnahmen. Weiter kann der Staat noch Mengenmaßnahmen durchführen, um die Preisbildung über die Angebots- und Nachfragemengen zu beeinflussen:

Festlegung von Einfuhrkontingenten

Bevorratung landwirtschaftlicher Erzeugnisse

Mengenmaßnahmen

Die genannten Beispiele zeigen, dass staatliche Eingriffe in die Preisbildung oft protektionistische Gründe haben. Sie werden auch stark als protektionistische Instrumente in der Außenhandelspolitik eingesetzt. Und sind damit nicht nur auf verteilungspolitische Ansprüche im Inland begrenzt.

Gründe für staatliche Eingriffe in die Preisbildung

- Korrektur für Marktversagen

- Soziale Gründe

- Schutz von Anbietern und Wirtschaftszweigen

- Schutz bestimmter Haushalte und Personengruppen

- Preiswertes Angebot von Grundgütern (z.B. Wohnungsmarkt, Medikamente)

- Schutz gegenüber Konkurrenz aus dem Ausland

Der Festpreis (Preisbindung)

Absicht: Schaffung einer festen Marktgröße
Maßnahme: Preis wird festgelegt: Festpreis > Marktpreis oder Festpreis < Marktpreis
Mögliche Folgen: Markttransparenz, Marktberuhigung

Gründe: soziale Erwägungen, bei denen soziale Staffelungen in Form von Gebührenstaffelungen für besondere Personengruppen wie Kinder, Schüler, Rentner vorgeschrieben werden.

Der Festpreis bzw. die Preisbindung ist der Extremfall in der staatlichen Preisbildung. Da in der sozialen Marktwirtschaft generell die Prinzipen der Marktwirtschaft gelten (freie Preisbildung) wird dieses Mittel in dieser Extremform nur selten angewendet.

Festpreis: Maßnahme des Staates, bei der die Preise für bestimmte Güter festgelegt werden und für einen bestimmten Zeitraum nicht verändert werden dürfen.

In der Regel liegt der festgelegte Preis unter oder über dem Marktpreis. D.h. der festgelegte Preis weicht vom Gleichgewichtspreis ab.

Manche Staaten setzen dieses Mittel ein, um eine ausufernde Inflation zu bekämpfen. Ein Preisstopp des Staates kann die Inflation jedoch nur kurzzeitig verdecken und verschärft Mangelsituationen in der Volkswirtschaft, was die Bildung von Schwarzmärkten begünstigt. Andererseits kann ein Festpreis auf einigen Märkten auch die Transparenz erhöhen und die Märkte damit beruhigen.

Generell ist in Deutschland die Preisbindung über das Wettbewerbsrecht verboten. Es existieren für einige Branchen allerdings Ausnahmen:

Preisbindung bei Büchern

Preisbindung bei Tabakwaren

Gesetzlich geregelte Preise für bestimmte freie Berufe:

- Ärzte

- Psychologische Psychotherapeuten

- Tierärzte

- Zahnärzte

- Architekten und Ingenieure

- Rechtsanwälte

- Steuerberater

- Preise für Taxisfahren in einer Gemeinde

Der Mindestpreis

Absicht: Schutz der Anbieter
Preismaßnahme: Preisuntergrenze wird festgelegt Mindestpreis > Marktpreis
Mögliche Folgen: Angebot größer als Nachfrage -> staatlicher Ankauf, Einlagerung, Vernichtung, Verkauf ins Ausland

Gründe: Schutz der Anbieter, bei denen ein Konkurrenzkampf vorliegt

Preisuntergrenze: Gesetzlich festgelegter Mindestpreis, zu dem ein Gut angeboten werden darf

Wird ein Mindestpreis festgesetzt, dann kommt es zu Überschussproduktion. Das Angebot ist größer als die Nachfrage. Diese Überproduktion muss der Staat aufkaufen. Hierdurch entstehen hohe Lagerhaltungskosten oder der Überschuss muss vernichtet werden. Auf jeden Fall entstehen hierdurch zusätzliche Kosten. Das klassische Beispiel ist die frühe Agrarpolitik der Europäischen Union. Die dort festgelegten Mindestpreise führten zu einer solch hohen Überproduktion, dass man immer von den sogenannten „Butterbergen“ sprach.

Das Beispiel zeigt, dass Mindestpreise meist dem Schutz der Produzenten dienen. Das Ziel ist im Allgemeinen die Sicherung von Arbeitsplätzen. Die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen eines Mindestpreises sind jedoch angesichts der gravierenden Nachteile kaum abzuschätzen

Ein weiteres aktuelles Beispiel für einen Mindestpreis ist die Einführung des Mindestlohnes. Hier besitzt diese staatliche Preisbildung zudem eine soziale Dimension. Während die Debatte um Mindestlöhne vor Einführung sehr hitzig geführt wurde und aufgrund theoretischer Argumente ein vernichtendes Urteil aussprach, sieht die Realität anders aus. Erste Studien zu den Auswirkungen von Mindestlöhnen konnten keine negativen Auswirkungen auf das Marktgeschehen feststellen. Man muss bei diesen staatlichen Preiseingriffen allerdings auch festhalten, dass es sich um Experimente handelt. Man kennt vor dem Eingriff nicht die Preishöhe, ab der die negativen Effekte überhand nehmen.

Negative Effekte am Beispiel des Landwirtschaftssektors

  • längerfristig kann es zur Überversorgung kommen, da der Mindestpreis die Anbieter zur Mehrproduktion veranlasst, die mangels Nachfrage unverkäuflich bleibt
  • der ursprünglich beabsichtigte Effekt, die Anbieter zu schützen, wir von den Anbietern wiederum unterwandet/zunichte gemacht
  • der Staat muss neben der Mindestpreispolitik mit zusätzlichen Maßnahmen eingreifen, z.B. durch Abnahmegarantien, bei denen der Staat die nicht absetzbare Ware zum Mindestpreis aufkauft
  • dadurch entstehen Lagerkosten durch Einlagerung
  • Exportsubventionen (Verkäufe ins Ausland werden bezuschusst)
  • Vernichtung
  • zusätzliche staatliche Kosten entstehen

Der Höchstpreis

Absicht: Schutz der Nachfrage

Preismaßnahme: Es wird eine Preisobergrenze festgelegt

Folgen: Rationierungen, höhere Bürokratie, Schwarzmarkt

Gründe: soziale Erwägungen um die Nachfrager zu schützen

Preisobergrenze: Gesetzlich festgelegter Höchstpreis, zu dem ein Gut angeboten werden darf.

Die Zielsetzung besteht entweder in der Korrektur von Marktfehlern oder ist sozialpolitisch motiviert. Auf dem Wohnungsmarkt kann die Einführung von Mietpreisgrenzen für günstigen Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten sorgen. Andererseits ist das Angebot an Wohnraum kurzfristig begrenzt, während die Nachfrage auch kurzfristig schwanken kann. Ein Höchstpreis verringert hierdurch Mietpreisschwankungen.

Liegt der Höchstpreis oberhalb des Gleichgewichtspreises ist seine Einführung unproblematisch. Anders sieht dies aber aus, wenn der Höchstpreis unterhalb des Gleichgewichtspreises liegt. Denn dann ist die Nachfrage höher als das Angebot. Und zwar kurz- als auch langfristig.

Ein Höchstpreis hat im Wesentlichen 4 negative Wirkungen am Beispiel des Wohnungsmarktes

•keine Ausweitung des Angebots

Obwohl ein Nachfrageüberschuss herrscht, kommt es aufgrund des festgesetzten Preises nicht zu einer Ausweitung des Angebots. Die geringen Mieten schaffen kaum Anreize für Investoren neue Wohnen zu errichten.

• verschärfte Bedingungen bei der Verteilung

Durch den Nachfrageüberschuss kommen die Anbieter in eine Machtposition. Die Vermieter können sich unter den zahlreichen Bewerbern die besten aussuchen und zwar auch nach nichtökonomischen Kriterien (z. Bsp. Kinder, Haustiere, Religion), die normalerweise keine Rolle spielen würden.

• Schwarzmarkt

Um diesen Bedingungen zu entgehen, weichen die Menschen auf schwarze Märkte aus, in denen sich der Preis frei gestalten kann.

• Rationierungsmaßnahmen

Der Staat muss die Höchstpreise durch Rationierungsmaßnahmen absichern (z. Bsp. Bezugsscheine). Dadurch werden z. Bsp. Bestechung und Lobbyismus provoziert.

Zusammenfassung

  • Staatliche Preisbildung erfolgt durch marktkonforme oder nicht-konforme Eingriffe.
  • Staatliche Preiseingriffe sind Festpreise, Mindestpreise, Höchstpreise
  • Sie dienen dem Schutz der Anbieter oder der Nachfrager
  • Sie beeinflussen die Preissetzung. Je nach Eingriff führen sie zu einen Überschussangebot oder einer Überschussnachfrage.
  • Bekannte Beispiele sind der Wohnungsmarkt, der Agrarsektor oder auch Mindestlöhne.
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Promovierte Volkswirtin und überzeugte Europäerin. Ihre Schwerpunkte sind die Entwicklung und Herausforderungen der EU mit ihren Auswirkungen und Folgen auf Deutschland und seine Bevölkerung. Sie schreibt auf Think About zu Politik, Wirtschaft & Geschichte in Europa, um Wissen zu vermehren und zur Diskussion beizutragen.

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