Inflationsarten einfach gemerkt: Definitionen & Erklärungen
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Inflationsarten: Definition & Merkhilfe durch Klassifikation

Es existieren verschiedene Inflationsarten, die sich in ihrer Ausprägung, Ursache und auch gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen unterscheiden. 

Wir stellen die gängigsten Arten in diesem Artikel vor. Außerdem ordnen wir sie in ein Klassifikationsschema ein, so dass man sie auch in den gesamtwirtschaftlichen Kontext einordnen kann.

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Die 4 wichtigsten Inflationsarten

Wir haben in der Grafik die gängigen Inflationsarten aufgeführt, die man in den Suchergebnissen einer thematisch relevanten google-Suchanfrage oft angezeigt bekommt. Problematisch an „einfachen“ Definitionslisten ist, dass der thematisch noch nicht versierte Besucher (oder die Besucherin) nicht erkennen kann, welche Inflationsarten nun wirklich wichtig für das Verständnis sind.

Wir haben ​sie in der Grafik deshalb gruppiert und eine Art Rangfolge gebildet.

Studiert man Volkswirtschaft oder Wirtschaft sollte man in der Regel vier Inflationsarten kennen:

  • 1
    Die Importierte Inflation
  • 2
    Die Angebotsinflation
  • 3
    Die Nachfrageinflation
  • 4
    Die Geldmengeninflation

In der Grafik sind diese vier Inflationsarten in einer einheitlichen Farbe und zudem fett markiert.

Inflationsarten Klassifikation

In einem ersten Schritt kann man die Inflation nach ihrer Herkunft unterscheiden. Da wir uns für gewöhnlich in einer offenen Volkswirtschaft befinden, kann Inflation hausgemacht sein oder importiert. Diese Annahme gilt für alle weiteren Inflationsarten.

In einem zweiten und ggf. dritten Schritt –in der Grafik nicht unterschieden- unterscheidet man die Inflation einmal danach, ob sie durch monetäre Faktoren entsteht (Geldmengeninflation) oder durch realwirtschaftliche Faktoren.

Außerdem differiert man nach ihrer Ursache. Man betrachtet die beiden Marktseiten Angebot und Nachfrage. Handelt es sich um eine Angebotsinflation oder um eine Nachfrageinflation.

Diese beiden Inflationsarten kann man weiter differenzieren:

In der makroökonomischen Theorie kann das Bruttoinlandsprodukt über die drei Nachfragekomponenten Konsum der Haushalte, des Staates und der Unternehmen (Investitionen) berechnet werden. (Annahme: geschlossene Volkswirtschaft, vgl. hierzu unseren Artikel zum Wirtschaftskreislauf)

Demnach können die drei folgenden Inflationsarten unterschieden werden: Staatsinflation, Konsuminflation und Investitionsinflation.

Auf der Angebotsseite unterscheidet man ​Formen, die auf den Entscheidungen von Unternehmen beruhen.

Dies sind die

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    Kosten(druck)inflation
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    Gewinn(druck)inflation

Unternehmen produzieren –volkswirtschaftlich gesprochen- mit den Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital. Löhne und Zinsen sind die Kosten dieser Faktoren.

Damit einhergehend kann man die Kosteninflation nach ihren Ursachen differenzieren:

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    Lohn(neben)kosteninflation
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    Zinsinflation
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    Rohstoffinflation

Alle hier beschriebenen Gruppen an Inflationsarten können verschiedene Erscheinungsformen haben. Gewöhnlich unterscheiden sie sich in ihrer Geschwindigkeit oder ihrer Erkennbarkeit.

In der Grafik haben wir die zu diesen beiden Gruppen gehörenden Inflationsarten links in den blauen Kästen dargestellt.

Nachfolgend geben wir zu den besprochenen Inflationsarten einen kurzen Überblick. Wir werden diesen Artikel in der Folgezeit regelmäßig aktualisieren, um zu neuen detaillierteren Artikeln zu den einzelnen Formen zu verlinken.

Inflationsarten Überblick

1. Herkunft

Hausgemachte Inflation

Die hausgemachte Inflation ist auf Ursachen zurückzuführen, die in der inländischen Wirtschaft zu finden. Im Prinzip können alle in diesem Artikel aufgeführten Inflationsarten die Ursache darstellen. Einzige Ausnahme: Die importiere Inflation.

Importierte Inflation

Ist ein Land stark von der weltwirtschaftlichen Entwicklung abhängig und es kommt im Ausland zu Preissteigerungen, führt dies auch im Inland zu Inflation. Man spricht in diesem Fall von importierter Inflation. Die importierte Inflation kann zwei Ursachen haben: Erstens, Exporte führen zu einem Zufluss an Kapital ins Inland. Die Nachfrage steigt. Steht dem keine Erhöhung des inländischen Güterangebotes gegenüber führt dies zu Inflation (Angebot < Nachfrage = Preis steigt).

Zweitens, liegt im Ausland bereits Inflation kann das Unternehmen versucht sein verstärkt seine Produkte im Ausland abzusetzen, um so seinen Umsatz zu erhöhen und so den Effekt im Inland verstärken. Oder das Unternehmen erhöht mit Verweis auf die ausländische Preissituation im Inland ebenfalls die Preise.

2. Ursache

Geldmengeninflation

Die Geldmengeninflation entsteht, wenn die Erhöhung der Geldmenge bei Vollbeschäftigung und ausgelasteten Kapazitäten zu einer Erhöhung der Preise führt.

Vereinfacht formuliert passiert dies deshalb, weil die Wirtschaftssubjekte ihre Nachfrage nach Gütern erhöhen, wenn sie über eine größere Geldmenge verfügen (siehe auch die Erklärung zur importierten Inflation!).

Dieser Zusammenhang wird modelltheoretisch durch die neoklassische Quantitätsgleichung erklärt. Die Gleichung besagt, dass die mit ihrer Umlaufgeschwindigkeit gewichtete Geldmenge der realen Nachfrage entspricht. Wächst die Geldmenge schneller als das Einkommen kommt es zu Inflation. Die Aussagekraft der Quantitätsgleichung ist inzwischen empirisch sehr gut belegt.

Nachfrageinflation

Ursache der Nachfrageinflation ist, dass die (nominale) Nachfrage größer ist als das Angebot. Da die Unternehmen kurzfristig nicht (im entsprechenden Ausmaß) die Produktionskapazitäten erhöhen können, steigen die Preise. Man spricht in diesem Fall auch von einer „inflatorischen Lücke“.

Angebotsinflation

Angebotsinflation entsteht, wenn die Unternehmen gestiegene Kosten an die Konsumenten weitergeben. Oder über direkte oder indirekte Preissteigerungen ihre Gewinne erhöhen wollen. Die Angebotsinflation führt recht leicht zu einer „Lohn-Preis-Spirale“: Denn die Preissteigerungen bewirken, das die Arbeitnehmer höhere Löhne verlangen. Hierdurch steigen aber wieder die Produktionskosten der Unternehmen.

3. Kosten (Angebot)

Kosteninflation

Die Kosteninflation beschreibt Preissteigerungen durch ein Unternehmen in Folge von höheren Kosten. Man unterscheidet zwischen verschiedenen Kostentreibern.

Rohstoffkosteninflation

Steigende Rohstoffkosten führen zu Preissteigerungen. Die Unternehmen geben die gestiegenen Kosten für ihre Rohstoffe an die Verbraucher weiter. Als bekanntestes Beispiel für diese Inflationsart kann die Ölkrise genannt werden.

Lohnkosteninflation

Die Gewerkschaften können bei entsprechender Verhandlungsmacht Lohnforderungen durchsetzen, die über dem Produktivitätszuwachs der Unternehmen liegen. Nach der neoklassischen Theorie des Arbeitsmarktes entspricht im Gleichgewicht der reale Lohn immer der Grenzproduktivität. Steigt nun der nominale Lohn stärker als die Produktivität führt dies für die Unternehmen zu höheren Kosten. Über höhere Preise geben sie diese Kosten an die Nachfrager weiter.

Die Folge dieser Preissteigerungen werden weitere Lohnforderungen sein. Es entsteht ein Kreislauf an wechselseitigen Forderungen, der je nach Verursacher als „Lohn-Preis-Spirale“ oder als „Preis-Lohn-Spirale“ bezeichnet wird.

Zinskosteninflation

Eine Zinskosteninflation entsteht dadurch, dass Unternehmen ihre gestiegenen Zinskosten über Preiserhöhungen an ihre Kunden weitergeben.

Liegt z.B. in der Wirtschaft bereits Inflation vor führt dies zu einem Rückgang der realen Geldmenge in der Wirtschaft bzw. die Währung verliert an Wert. Eine Zinserhöhung bewirkt dann, das die Nachfrage mehr von ihrem Einkommen sparen und weniger Geld für den Konsum benötigen. Für die Unternehmen bedeuten die gestiegenen Zinsen dagegen zusätzliche Kosten für ihre aufgenommenen Kredite. So kommt es zur Zinskosteninflation.

4. „Gewinnmotive“

Gewinninflation 

Unternehmen nutzen ihre Marktmacht aus und erweitern ihre Preise um „Gewinnaufschläge.“ Hierdurch setzen sie eine Preissteigerungsspirale in Gang. Es handelt sich hierbei um eine auf Produkte oder Sektoren begrenzte Inflation. Beispiele sind die Mineralölkonzerne oder Stromanbieter.

Relative Inflation (nicht in der Grafik) 

Im Prinzip kann ein Unternehmen/Sektor die Preise senken, tut es aber nicht. Niedrigere Kosten können ein Grund für eine mögliche Preissenkung sein. Wenn z.B. der Staat die Steuern sinkt führt dies für die Unternehmen zu geringeren Produktionskosten. Diese Kostensenkung kann das Unternehmen über Preissenkungen an die Verbraucher weitergeben. Lässt das Unternehmen die Preise aber konstant, spricht man von einer relativen Inflation.

5. Nach der Nachfragekomponente

Staatsinflation

Sie kann als Folge einer expansiven Fiskalpolitik entstehen. Erhöht der Staat seine Ausgaben ohne sie durch Steuereinnahmen finanzieren zu können, muss er Kredite aufnehmen. Bewirkt die Fiskalpolitik nun keine Erhöhung des Güterangebotes sondern nur des Einkommens führt dies zu Inflation.

Anders formuliert: Staatsinflation entsteht, wenn die zusätzlichen Mittel nur konsumiert, aber nicht investiert werden.

Konsuminflation

Konsuminflation entsteht, wenn Haushalte ihre Nachfrage bei bestehendem Angebot stark erhöhen. Dies kann etwa durch Kreditaufnahmen oder erhöhte Sozialleistungen des Staates entstehen.

Investitionsinflation

Wenn Unternehmen aufgrund günstiger Zukunftsaussichten Investitionen tätigen, die eigentlich über den Möglichkeiten der Branche liegen entsteht Investitionsinflation. Durch die „Fehleinschätzung“ kommt es zu Preissteigerungen auf dem Investitionsgütermarkt. Diese Preissteigerungen werden dann auf den Konsumgütermarkt weitergegeben.

6. Erkennbarkeit

Offene Inflation: Die Steigerung des allgemeinen Preisniveaus, d.h. die Inflation, ist für jeden erkennbar.

Verdeckte Inflation: Diese Inflation ist nicht sofort erkennbar.

Zurückgestaute Inflation: Die Inflation ist nicht für jeden erkennbar. Grund ist hierfür, dass das Preisniveau durch staatliche Maßnahmen konstant gehalten wird. Eine Folge dieser Inflationsart ist ggf. das Entstehen von Schwarzmärkten. Diese Inflationsart ist auch als Kassenhaltungsinflation bekannt.

7. Geschwindigkeit

Hyperinflation: Die Inflationsrate liegt bei über 50%

Galoppierende Inflation: Die Inflationsrate beträgt bis 50 %. Man fasst die galoppierende Inflation oft mit der Hyperinflation zusammen, da die Hyperinflation als Sonderfall betrachtet werden kann.

Trabende Inflation: Die Inflationsrate liegt zwischen 2 und 10%.

Schleichende Inflation: Die Inflationsrate liegt unter 2 %. Sie wird von den Wirtschaftsteilnehmern im Prinzip nicht wahrgenommen.

Zusammenfassung

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    ​Es gibt zahlreiche Inflationsarten, die auf unterschiedlichen Ursachen, Herkunfsformen und Ausprägungen basieren.
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    ​Die vier bekanntesten Arten sind: Importierte Inflation, Geldmengeninflation, Angebotsinflation, Nachfrageinflation.
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    ​Manche Inflationsarten betreffen die gesamte Wirtschaft, andere nur bestimmte Sektoren, d.h. sie sind in ihren Auswirkungen begrenzt.

​Teste zum Abschluss dein Inflations-Wissen!

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About the Author Nadine Behncke

Promovierte Volkswirtin und überzeugte Europäerin. Ihre Schwerpunkte sind die Entwicklung und Herausforderungen der EU mit ihren Auswirkungen und Folgen auf Deutschland und seine Bevölkerung. Sie schreibt auf Think About zu Politik, Wirtschaft & Geschichte in Europa, um Wissen zu vermehren und zur Diskussion beizutragen.

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