Aktualisiert: 24. Juli 2023

Monetarismus einfach erklärt: Definition, Bedeutung und Kritik

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Der Monetarismus ist eine wirtschaftliche Theorie, die der Geldtheorie und Geldpolitik die zentrale Rolle in der Konjunkturpolitik einer Volkswirtschaft zuschreibt. In diesem Artikel stellen wir euch die Kernaussagen des Monetarismus vor, diskutieren Vorteile und Nachteile. Und grenzen ihn von anderen Konzeptionen des Keynesianismus und Fiskalismus ab.

Definition Monetarismus einfach erklärt

Monetarismus: Wirtschaftliche Theorie, die auf der Annahme basiert, dass die Kontrolle der Geldmenge in einer Volkswirtschaft eine entscheidende Rolle bei der Regulierung von Wachstum und Inflation spielt. Diese Theorie geht auf den US-amerikanischen Ökonomen Milton Friedman zurück, der in den 1960er Jahren maßgeblich zur Entwicklung des monetaristischen Konzepts beigetragen hat. Gegenpart zum Monetarismus ist der Keynesianismus bzw. Fiskalismus.

Der Monetarismus vertritt die Ansicht, dass die Geldmenge der wichtigste Faktor ist, der die wirtschaftliche Aktivität beeinflusst. Eine zu starke Ausweitung der Geldmenge führt demnach zu Inflation, während eine zu geringe Ausweitung zu Deflation und wirtschaftlicher Stagnation führen kann. Friedman argumentierte, dass eine moderate und stabile Wachstumsrate der Geldmenge die beste Möglichkeit sei, um eine gesunde und stabile wirtschaftliche Entwicklung zu gewährleisten.

Monetaristen betonen die Rolle der Zentralbank bei der Geldpolitik. Sie argumentieren, dass die Zentralbank die Geldmenge konstant und vorhersehbar erhöhen sollte, um eine moderate Inflation zu gewährleisten. Diese Ansicht steht im Gegensatz zu anderen wirtschaftlichen Theorien, wie beispielsweise dem Keynesianismus, der auf eine aktivere Fiskalpolitik setzt. Eine zentrale Idee des Monetarismus ist die Quantitätstheorie des Geldes. Diese besagt, dass es eine direkte Beziehung zwischen der Geldmenge und dem Preisniveau gibt. Wenn die Geldmenge um einen bestimmten Prozentsatz steigt, sollte das Preisniveau im gleichen Ausmaß steigen. Diese Theorie legt nahe, dass Inflation durch eine übermäßige Ausweitung der Geldmenge verursacht wird. Monetaristen argumentieren auch, dass Geldpolitik langfristig wichtiger ist als Fiskalpolitik und betonen die Bedeutung einer unabhängigen Zentralbank. 

Milton Friedman: Entwicklung des Monetarismus

Milton Friedman war ein bekannter US-amerikanischer Ökonom und einer der Hauptvertreter des Monetarismus. Er prägte maßgeblich die Entstehung und Entwicklung dieser Theorie.

In den 1950er Jahren begann Friedman, die gängigen ökonomischen Ansichten in Frage zu stellen, insbesondere die keynesianische Theorie, die zu dieser Zeit vorherrschte. Friedman argumentierte, dass die Geldmenge und die Geldpolitik eine zentrale Rolle bei der wirtschaftlichen Entwicklung spielen. Er betonte, dass die Inflation hauptsächlich auf eine übermäßige Ausweitung der Geldmenge zurückzuführen ist.

Friedman argumentierte weiterhin, dass eine stabile und vorhersehbare Geldpolitik, die auf klaren Regeln und einem festen Rahmen beruht, langfristig zu einer besseren wirtschaftlichen Stabilität und einem nachhaltigen Wachstum führen würde. Er unterstützte die Idee einer unabhängigen Zentralbank, die die Geldmenge kontrolliert und Preisstabilität gewährleistet.

Der Einfluss von Friedman und anderen Monetaristen wurde in den 1970er Jahren deutlicher, als viele Länder mit einer hohen Inflation konfrontiert waren. Dies führte zu einer verstärkten Aufmerksamkeit für monetaristische Ideen und einer Diskussion über die Rolle der Geldpolitik.

Friedmans bekanntestes Werk ist das Buch "A Monetary History of the United States, 1867-1960" (1963), dass er zusammen mit Anna Schwartz verfasste. In diesem Buch analysierten sie die Beziehung zwischen Geldmengenveränderungen und wirtschaftlicher Entwicklung in den USA.

Milton Friedmans Arbeit und seine Befürwortung des Monetarismus hatten einen erheblichen Einfluss auf die Geldpolitik und die wirtschaftlichen Debatten weltweit. Obwohl der Monetarismus in seiner reinen Form keine dominante Rolle in der Wirtschaftspolitik spielte, haben viele seiner Ideen die wirtschaftliche Theorie und Praxis nachhaltig beeinflusst. Bekannteste Beispiele sind die Regierungen Thatcher und Reagan, die eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik auf Grundlage der Ideen des Monetarismus umsetzten. 

Theorie des Monetarismus

Der Monetarismus ist eine wirtschaftliche Theorie, die auf den Ideen des amerikanischen Ökonomen Milton Friedman und seiner Schule der Chicagoer Schule der Ökonomie basiert. Die Theorie betont die Rolle der Geldpolitik und der Geldmenge in der Steuerung der wirtschaftlichen Aktivität und der Preisniveaus. Im Folgenden stellen wir die wichtigsten Bestandteile der Theorie des Monetarismus vor und einige Implikationen, die sich hieraus ergeben.

 
Die Theorie des Monetarismus besteht aus mehreren Hauptbestandteilen:

  1. 1
    Geldmenge: Im Zentrum des Monetarismus steht die Betonung der Bedeutung der Geldmenge für die wirtschaftliche Entwicklung. Monetaristen argumentieren, dass eine zu schnelle Expansion der Geldmenge zu Inflation führt, während eine zu langsame Expansion zu Deflation und wirtschaftlicher Stagnation führen kann. Sie befürworten eine kontrollierte und vorhersehbare Wachstumsrate der Geldmenge, um Preisstabilität zu gewährleisten.
  2. 2
    Quantitätstheorie des Geldes: Die Quantitätstheorie des Geldes besagt, dass es eine direkte Beziehung zwischen der Geldmenge und dem Preisniveau gibt. Sie besagt, dass eine Erhöhung der Geldmenge zu einem proportionalen Anstieg des Preisniveaus führt. Diese Theorie legt nahe, dass Inflation primär durch eine übermäßige Ausweitung der Geldmenge verursacht wird.
  3. 3
    Zentralbankpolitik: Monetaristen betonen die Rolle der Zentralbank bei der Steuerung der Geldmenge. Sie argumentieren, dass eine unabhängige Zentralbank die Geldpolitik verantwortungsvoll und langfristig orientiert gestalten sollte, um Preisstabilität zu erreichen. Eine moderat steigende Geldmenge wird als notwendig erachtet, um ein angemessenes Wirtschaftswachstum zu unterstützen.
  4. 4
    Keine Bedeutung der Fiskalpolitik: Im Gegensatz zu anderen wirtschaftlichen Theorien, wie dem Keynesianismus, betonen Monetaristen die Bedeutung der Geldpolitik gegenüber der Fiskalpolitik. Sie glauben, dass die Geldpolitik langfristig effektiver ist und dass eine stabile Geldversorgung langfristig niedrigere Inflationsraten und Zinssätze ermöglicht, was wiederum das Wirtschaftswachstum fördert.
  5. 5
    Unabhängigkeit der Zentralbank: Monetaristen betonen die Notwendigkeit einer unabhängigen Zentralbank, die frei von politischer Einflussnahme agieren kann. Eine unabhängige Zentralbank wird als effektiver angesehen, um Preisstabilität zu gewährleisten und die Geldpolitik auf langfristige Ziele auszurichten, anstatt kurzfristigen politischen Interessen zu dienen.
  6. 6
    Adaptive Erwartungstheorie: Diese besagt, dass die wirtschaftlichen Akteure ihre Erwartungen über die zukünftige Inflation auf der Grundlage vergangener Erfahrungen bilden. Wenn die Geldpolitik in der Vergangenheit zu hoher Inflation geführt hat, erwarten die Menschen eine höhere Inflation in der Zukunft und passen ihre Verhaltensweisen entsprechend an. Monetaristen betonen daher, dass die Erwartungen der Menschen in Bezug auf die Geldpolitik von großer Bedeutung sind und von der Zentralbank berücksichtigt werden sollten.

Es ist wichtig anzumerken, dass der Monetarismus nicht unumstritten ist und auch Kritik erfahren hat. Andere Theorien betonen beispielsweise die Rolle von Erwartungen, Vertrauen und anderen nicht-monetären Faktoren bei der wirtschaftlichen Entwicklung. Die Komplexität der heutigen Weltwirtschaft hat dazu geführt, dass monetaristische Ansätze in der Praxis oft in Verbindung mit anderen wirtschaftlichen Theorien angewendet werden. Zudem zeigt die Wiederholung der Kernmerkmale des Monetarismus (Geldmenge etc.), dass die Grenzen zwischen Theorie und Wirtschaftspolitik oft fließend sind.

Überblick Monetarismus, Keynesianismus und Fiskalismus

Fiskalismus, Monetarismus und Keynesianismus sind drei verschiedene Ansätze in der Wirtschaftspolitik mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Herangehensweisen:

Monetarismus: Der Monetarismus betont die Kontrolle der Geldmenge und die Geldpolitik zur Steuerung der wirtschaftlichen Aktivität. Er legt Wert auf eine regelbasierte Geldpolitik, bei der die Zentralbank die Geldmenge kontrolliert, um Preisstabilität zu gewährleisten. Der Monetarismus betont die Bedeutung der langfristigen Geldmengensteuerung und der Vorhersagbarkeit der Geldpolitik.

Keynesianismus: Der Keynesianismus basiert auf den Ideen von John Maynard Keynes und betont die Rolle der aggregierten Nachfrage in der Wirtschaft. Er legt Wert auf staatliche Interventionen, insbesondere durch expansive Fiskalpolitik und staatliche Ausgaben, um Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Stagnation zu bekämpfen. Der Keynesianismus betont die kurzfristige Nachfragesteuerung und die Bedeutung automatischer stabilisierender Mechanismen.

Fiskalismus: Der Fiskalismus konzentriert sich auf die Rolle der staatlichen Ausgaben- und Steuerpolitik zur Beeinflussung der wirtschaftlichen Aktivität. Er betont die Bedeutung der Fiskalpolitik, um die Gesamtnachfrage anzukurbeln und wirtschaftliches Wachstum zu fördern. Der Fiskalismus kann expansive Haushaltspolitik beinhalten, um die Wirtschaft zu stimulieren und in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Konjunktur anzukurbeln.

Diese Ansätze haben unterschiedliche Schwerpunkte und betonen verschiedene Instrumente zur Beeinflussung der Wirtschaft. In der Praxis werden häufig Elemente aus allen drei Ansätzen kombiniert, um wirtschaftliche Herausforderungen anzugehen und eine ausgewogene Politikgestaltung zu erreichen.

1. Keynesianismus vs. Monetarismus 

Der Keynesianismus und der Monetarismus sind zwei unterschiedliche wirtschaftliche Ansätze mit verschiedenen Schwerpunkten:

  • Fokus: Der Keynesianismus betont die Rolle der Nachfrage in der Wirtschaft und legt Wert auf staatliche Eingriffe, um Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Stagnation zu bekämpfen. Er betont die Bedeutung der Fiskalpolitik, insbesondere der staatlichen Ausgaben, um die Gesamtnachfrage anzukurbeln. Der Monetarismus hingegen fokussiert sich auf die Geldpolitik und die Kontrolle der Geldmenge, um Preisstabilität zu gewährleisten und wirtschaftliches Wachstum zu fördern.
  • Maßnahmen: Der Keynesianismus befürwortet expansive Fiskalpolitik, wie staatliche Investitionen und Steuersenkungen, um die Nachfrage anzukurbeln. Er betont auch die Bedeutung automatischer stabilisierender Mechanismen wie Arbeitslosenversicherung. Der Monetarismus hingegen legt Wert auf eine regelbasierte Geldpolitik, bei der die Zentralbank die Geldmenge kontrolliert, um Preisstabilität sicherzustellen.
  • Rolle des Staates: Der Keynesianismus sieht einen aktiven und intervenierenden Staat als notwendig an, um konjunkturelle Schwankungen auszugleichen und die Wirtschaft zu stabilisieren. Dies bedeutet, dass er den privaten Sektor als instabil ansieht und die Steuerung durch den Markt begrenzen möchte. Der Monetarismus hingegen betont die Bedeutung einer begrenzten Rolle des Staates  (d.h. mehr Markt) und eine unabhängige Zentralbank, um eine stabile Geldpolitik sicherzustellen. Der private Sektor wird als stabil angesehen. 
  • Kurzfristige versus langfristige Ausrichtung: Der Keynesianismus legt Wert auf kurzfristige Maßnahmen zur Bekämpfung von wirtschaftlichen Problemen wie Arbeitslosigkeit und Ineffizienzen. In Hinblick auf die makroökonomischen Größen Einkommen und Konsum bedeutet dies, dass der Konsum kurzfristig instabil ist. Das langfristige Einkommen ist dabei abhängig vom privaten Konsum. Er betont die Bedeutung der kurzfristigen Nachfragesteuerung. Der Monetarismus hingegen hat eine langfristige Perspektive und betont die Bedeutung der Geldmengenkontrolle für Preisstabilität und langfristiges Wachstum. In der langen Frist sind sowohl der private Konsum als auch das Einkommen stabil. 

Es ist wichtig anzumerken, dass es verschiedene Strömungen innerhalb des Keynesianismus und des Monetarismus gibt und dass wirtschaftspolitische Ansätze oft kombiniert werden, um die jeweilige Situation anzugehen.

2. Monetarismus und Fiskalismus

Der Monetarismus und der Fiskalismus sind zwei verschiedene Ansätze in der Wirtschaftspolitik, die unterschiedliche Schwerpunkte haben:

Monetarismus: Der Monetarismus betont die Kontrolle der Geldmenge und die Geldpolitik zur Steuerung der wirtschaftlichen Aktivität. Er legt Wert auf eine regelbasierte Geldpolitik, bei der die Zentralbank die Geldmenge kontrolliert, um Preisstabilität zu gewährleisten. Der Monetarismus betont die Bedeutung der langfristigen Geldmengensteuerung und der Vorhersagbarkeit der Geldpolitik.

Fiskalismus: Der Fiskalismus hingegen legt den Schwerpunkt auf die Rolle der staatlichen Ausgaben- und Steuerpolitik zur Beeinflussung der wirtschaftlichen Aktivität. Er betont die Bedeutung der Fiskalpolitik, insbesondere staatliche Investitionen und Steuersenkungen, um die Nachfrage anzukurbeln und wirtschaftliches Wachstum zu fördern. Der Fiskalismus kann auch eine expansive Haushaltspolitik beinhalten, um in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Konjunktur anzukurbeln.

Es gibt gewisse Unterschiede zwischen den beiden Ansätzen:

  • Schwerpunkt: Der Monetarismus konzentriert sich auf die Geldpolitik, während der Fiskalismus sich auf die Fiskalpolitik konzentriert.
  • Instrumente: Der Monetarismus nutzt geldpolitische Maßnahmen wie die Steuerung der Geldmenge, während der Fiskalismus auf fiskalpolitische Maßnahmen wie Staatsausgaben und Steuerpolitik setzt.
  • Zeitperspektive: Der Monetarismus hat eine langfristige Perspektive und betont die Wichtigkeit der langfristigen Geldmengensteuerung, während der Fiskalismus eher kurzfristige Maßnahmen zur Konjunktursteuerung betont.

Es ist wichtig anzumerken, dass in der praktischen Umsetzung wirtschaftspolitischer Maßnahmen oft Elemente aus beiden Ansätzen kombiniert werden können, um eine ausgewogene und effektive Politikgestaltung zu erreichen.

3. Was ist der Unterschied zwischen Monetarismus und angebotsorientierter Wirtschaftspolitik?

Der Monetarismus und die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik sind zwei unterschiedliche Ansätze in der Wirtschaftstheorie und -politik, die sich auf verschiedene Aspekte der Wirtschaft konzentrieren. Hier sind die Hauptunterschiede zwischen den beiden Ansätzen:

  • Schwerpunkt: Der Monetarismus konzentriert sich hauptsächlich auf die Geldpolitik und die Kontrolle der Geldmenge, um Preisstabilität und langfristiges wirtschaftliches Wachstum zu erreichen. Der Fokus liegt auf der Steuerung der Aggregate-Nachfrage, insbesondere durch die Kontrolle der Inflation. Im Gegensatz dazu legt die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik den Schwerpunkt auf die Angebotsseite der Wirtschaft. Sie betont die Förderung von Produktivität, Investitionen und strukturellen Reformen, um das langfristige Wachstumspotenzial der Wirtschaft zu steigern.
  • Ursache von wirtschaftlichen Problemen: Der Monetarismus sieht die Geldmenge als Hauptursache für wirtschaftliche Probleme wie Inflation oder Deflation. Eine zu expansive Geldpolitik führt laut monetaristischer Theorie zu Inflation, während eine zu restriktive Geldpolitik zu Deflation und wirtschaftlicher Stagnation führen kann. Die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik hingegen betrachtet Angebotsengpässe, geringe Produktivität und mangelnde Investitionen als Hauptursachen für wirtschaftliche Probleme wie hohe Arbeitslosigkeit oder schwaches Wachstum.
  • Politikmaßnahmen: Im Monetarismus wird eine regelbasierte Geldpolitik befürwortet, bei der die Zentralbank sich an vorher festgelegte Regeln zur Steuerung der Geldmenge hält. Ziel ist es, Preisstabilität zu gewährleisten. Die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik hingegen konzentriert sich auf politische Maßnahmen, die die Produktivität und Investitionen fördern, wie Steuersenkungen für Unternehmen, Deregulierung, Förderung von Innovation und Infrastrukturinvestitionen.
  • Zeitperspektive: Der Monetarismus hat eher eine kurz- bis mittelfristige Perspektive und zielt darauf ab, die Inflation zu kontrollieren und die wirtschaftliche Aktivität stabil zu halten. Die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik hingegen hat eine langfristige Perspektive und zielt darauf ab, das Wachstumspotenzial der Wirtschaft zu steigern und strukturelle Probleme anzugehen.

Es ist wichtig anzumerken, dass es keinen strikten Gegensatz zwischen Monetarismus und angebotsorientierter Wirtschaftspolitik gibt. In der Praxis können Elemente beider Ansätze in der Wirtschaftspolitik kombiniert werden, um die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Tatsächlich gibt es oft einen breiteren wirtschaftlichen Konsens, dass sowohl eine stabile Geldpolitik als auch angebotsorientierte Maßnahmen zur Förderung des Wachstums und der Stabilität der Wirtschaft beitragen können.

Kritik am Monetarismus

  1. 1
    Eindimensionaler Fokus auf die Geldmenge: Kritiker argumentieren, dass der Monetarismus eine zu starke Betonung auf die Geldmenge legt und andere wichtige Faktoren vernachlässigt. Wirtschaftliche Entwicklungen werden durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst, darunter Vertrauen, Erwartungen, technologischer Fortschritt und strukturelle Veränderungen. Die Geldmenge allein kann diese komplexen Zusammenhänge nicht vollständig erklären.
  2. 2
    Langfristige vs. kurzfristige Perspektive: Einige Kritiker argumentieren, dass der Monetarismus eine stärkere Betonung auf langfristige Stabilität legt, während kurzfristige wirtschaftliche Schwankungen und Krisen vernachlässigt werden. In Zeiten von Rezessionen oder Finanzkrisen könnten monetaristische Ansätze als unzureichend angesehen werden, um adäquate Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
  3. 3
    Unsicherheit in der Geldnachfrage: Monetaristen gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Geld relativ stabil ist und die Zentralbank die Geldmenge entsprechend anpassen kann. Kritiker argumentieren jedoch, dass die Geldnachfrage von verschiedenen Faktoren wie Zinssätzen, Einkommensveränderungen und Vertrauen beeinflusst wird, was zu Unsicherheiten bei der Vorhersage der Geldmenge führen kann.
  4. 4
    Komplexität der globalen Wirtschaft: Die heutige Weltwirtschaft ist zunehmend komplex und vernetzt. Monetaristische Ansätze könnten Schwierigkeiten haben, mit den globalen wirtschaftlichen Interdependenzen und den komplexen Finanzmärkten Schritt zu halten. Ein rein monetaristischer Ansatz könnte die Auswirkungen globaler Faktoren auf die Geldpolitik vernachlässigen.
  5. 5
    Mangelnde Flexibilität: Monetaristen befürworten oft eine vorhersehbare und regelmäßige Ausweitung der Geldmenge, um Preisstabilität zu gewährleisten. Kritiker argumentieren, dass eine starre monetaristische Geldpolitik möglicherweise nicht in der Lage ist, schnell genug auf wirtschaftliche Schocks oder unvorhergesehene Ereignisse zu reagieren.
  6. 6
    Keine Verteilungseffekte: Monetaristische Ansätze fokussieren oft auf das gesamtwirtschaftliche Wachstum und die Inflationskontrolle, während Verteilungsfragen vernachlässigt werden. Kritiker argumentieren, dass monetaristische Politiken möglicherweise zu ungleicher Einkommens- und Vermögensverteilung beitragen können.

Es ist wichtig anzumerken, dass der Monetarismus trotz dieser Kritikpunkte auch weiterhin Einfluss auf die Wirtschaftspolitik und die wirtschaftliche Analyse hat. Oft werden monetaristische Ansätze in Kombination mit anderen wirtschaftlichen Theorien und Modellen verwendet, um ein umfassenderes Verständnis der wirtschaftlichen Zusammenhänge zu ermöglichen.

Vorteile und Nachteile des Monetarismus

Vorteile des Monetarismus

  • Betonung der Geldmenge: Der Monetarismus legt einen starken Fokus auf die Kontrolle der Geldmenge, um Inflation zu bekämpfen. Dieser Ansatz kann helfen, Preisstabilität und geringe Inflationsraten aufrechtzuerhalten, was langfristig eine positive wirtschaftliche Entwicklung begünstigen kann.
  • Schnelligkeit und Einfachheit: Die Fokussierung auf die Geldpolitik und die Rolle der Zentralbank bedeutet, dass die Theorie relativ einfach in der Praxis umgesetzt werden kann. Zudem kann die (von der Politik unabhängige) Zentralbank relativ schnell reagieren, um die Geldmenge zu ändern.
  • Langfristige Stabilität: Monetaristen argumentieren, dass eine stabile Geldpolitik langfristig zu niedrigeren Inflationsraten und Zinssätzen führt, was wiederum das Wirtschaftswachstum fördern kann. Durch die Kontrolle der Geldmenge und die Vermeidung übermäßiger Ausweitung können monetaristische Ansätze eine solide Grundlage für langfristige wirtschaftliche Stabilität bieten.
  • Unabhängigkeit der Zentralbank: Monetaristen betonen die Bedeutung einer unabhängigen Zentralbank, die frei von politischer Einflussnahme agiert. Eine unabhängige Zentralbank kann Geldpolitik auf der Grundlage wirtschaftlicher Fakten und langfristiger Ziele gestalten, anstatt kurzfristigen politischen Interessen zu dienen.

Nachteile des Monetarismus

  • Vernachlässigung anderer Einflussfaktoren: Ein Kritikpunkt am Monetarismus ist, dass er andere wichtige Faktoren in der Wirtschaft vernachlässigt. Monetaristen legen einen starken Fokus auf die Kontrolle der Geldmenge, während andere Faktoren wie Vertrauen, Erwartungen, Produktivität, strukturelle Veränderungen und externe Einflüsse möglicherweise nicht angemessen berücksichtigt werden. Eine zu starke Betonung der Geldmenge kann dazu führen, dass andere wichtige Aspekte der Wirtschaft vernachlässigt werden.
  • Unsicherheit in der Geldnachfrage: Monetaristen gehen davon aus, dass die Geldnachfrage relativ stabil ist. Es gibt jedoch Unsicherheiten in Bezug auf die Vorhersage der Geldnachfrage, da sie von verschiedenen Faktoren abhängt, die sich ändern können. Zum Beispiel können sich das Konsumverhalten der Haushalte, die Sparneigung oder die Kreditbedingungen ändern. Dies kann zu Schwierigkeiten bei der genauen Steuerung der Geldmenge führen.
  • Schwierigkeiten bei der kurzfristigen Stabilisierung: Monetaristische Ansätze konzentrieren sich hauptsächlich auf die langfristige Stabilität und können Schwierigkeiten haben, angemessen auf kurzfristige wirtschaftliche Schwankungen und Krisen zu reagieren. Eine starre Geldpolitik, die sich stark auf die Kontrolle der Geldmenge konzentriert, kann möglicherweise nicht schnell genug auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren und die wirtschaftliche Stabilität in solchen Zeiten gefährden.
  • Komplexität der globalen Wirtschaft: Die globale Wirtschaft ist heutzutage äußerst komplex und vernetzt. Monetaristische Ansätze könnten Schwierigkeiten haben, die Auswirkungen globaler Faktoren und komplexer Finanzmärkte angemessen zu berücksichtigen. Ein rein monetaristischer Ansatz könnte die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Betrachtung der wirtschaftlichen Zusammenhänge vernachlässigen.
  • Einschränkungen in der Geldpolitik: Die Betonung der Geldmengensteuerung und Preisstabilität kann zu Einschränkungen bei der Nutzung anderer geldpolitischer Instrumente führen. Insbesondere in Zeiten wirtschaftlicher Rezession oder Stagnation kann eine restriktive Geldpolitik möglicherweise nicht ausreichend sein, um die wirtschaftliche Aktivität anzukurbeln und die Arbeitslosigkeit zu verringern.

Umsetzung Monetarismus und Zentralbank

  • Geldmengensteuerung durch die Zentralbank: Eine Umsetzung des monetaristischen Ansatzes, beinhaltet die Kontrolle der Geldmenge durch die Zentralbank. Die Zentralbank kann beispielsweise durch den Kauf oder Verkauf von Staatsanleihen die Geldmenge im Umlauf erhöhen oder verringern, um die Inflation zu steuern.
  • Inflationsziel der Zentralbank: Viele Zentralbanken weltweit, darunter die Federal Reserve (Fed) in den USA und die Europäische Zentralbank (EZB), verfolgen ein Inflationsziel als Teil ihrer monetaristischen Geldpolitik. Sie setzen sich ein bestimmtes Inflationsziel, beispielsweise 2%, und passen ihre Geldpolitik entsprechend an, um dieses Ziel zu erreichen.
  • Inflationsbekämpfung: Ein Beispiel für die Umsetzung des Monetarismus zur Bekämpfung von Inflation ist das Straffen der Geldpolitik durch eine restriktivere Geldpolitik. Dies kann beispielsweise durch Zinserhöhungen erfolgen, um die Kreditvergabe einzuschränken und die Nachfrage zu dämpfen, um eine Überhitzung der Wirtschaft und ein Ansteigen der Preise zu verhindern.
  • Quantitative Lockerung (Quantitative Easing, QE): Während der Finanzkrise ab 2008 haben einige Zentralbanken, wie die Fed und die Bank of England, quantitative Lockerungsmaßnahmen ergriffen. Dabei wurden große Mengen an Wertpapieren, insbesondere Staatsanleihen, gekauft, um die Geldmenge zu erhöhen und die Zinssätze zu senken, um die wirtschaftliche Aktivität anzukurbeln.
  • Unabhängigkeit der Zentralbank: Ein weiteres Beispiel ist die Schaffung einer unabhängigen Zentralbank, die von politischen Einflüssen abgeschirmt ist und langfristige Preisstabilität gewährleisten soll. Dies ermöglicht der Zentralbank, ihre geldpolitischen Entscheidungen auf der Grundlage wirtschaftlicher Daten und Analysen zu treffen, anstatt politischen Zwängen zu unterliegen.

Länderspezifische Beispiele zur Umsetzung des Monetarismus

Hier sind einige Beispiele für die Umsetzung des Monetarismus in der Wirtschaftspolitik:

  • Die Politik der Federal Reserve (Fed) in den USA: Die Fed hat in der Vergangenheit monetaristische Ansätze verfolgt, insbesondere in den 1980er Jahren unter dem Vorsitz von Paul Volcker. In dieser Zeit hat die Fed eine straffe Geldpolitik umgesetzt, um die Inflation einzudämmen. Durch Erhöhung der Zinssätze und die Kontrolle der Geldmenge konnte die Inflation erfolgreich bekämpft werden.
  • Die monetaristische Wirtschaftspolitik in Chile: In den 1980er Jahren führte Chile unter der Regierung von Präsident Augusto Pinochet eine monetaristische Wirtschaftspolitik ein. Das Programm umfasste eine strikte Kontrolle der Geldmenge, Haushaltsdisziplin und freie Märkte. Diese Politik führte zu wirtschaftlichem Wachstum und einer Verringerung der Inflation.
  • Die monetaristische Wirtschaftspolitik in Großbritannien unter Premierministerin Margaret Thatcher: In den 1980er Jahren verfolgte die britische Regierung unter Thatcher eine monetaristische Wirtschaftspolitik, die als "Thatcherismus" bekannt wurde. Es wurde versucht, die Inflation durch eine straffe Geldpolitik zu bekämpfen und die Rolle des Staates in der Wirtschaft zu reduzieren.
  • Die monetaristische Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) in der Europäischen Union: Die EZB verfolgt ein Inflationsziel und legt großen Wert auf die Kontrolle der Geldmenge. Durch den Einsatz verschiedener geldpolitischer Instrumente, wie Zinssätze und quantitative Lockerung, versucht die EZB, Preisstabilität zu gewährleisten und das wirtschaftliche Wachstum in der Eurozone zu unterstützen.

Diese Beispiele zeigen, wie monetaristische Ansätze in verschiedenen Ländern und Zeiträumen umgesetzt wurden. Es ist wichtig zu beachten, dass die konkrete Umsetzung des Monetarismus je nach politischem Kontext und wirtschaftlicher Situation variieren kann. 

FAQ: Häufige Fragen zum Monetarismus

Wie funktioniert der Monetarismus?

Der Monetarismus ist eine wirtschaftliche Theorie, die auf der Kontrolle der Geldmenge basiert. Er postuliert, dass eine moderate und vorhersehbare Ausweitung der Geldmenge langfristige Preisstabilität und wirtschaftliches Wachstum fördert. Eine transparente Geldpolitik und unabhängige Zentralbank sind zentrale Elemente des monetaristischen Ansatzes.

Was ist der Unterschied zwischen Keynesianismus und Monetarismus?

Der Keynesianismus betont die Rolle der staatlichen Nachfragesteuerung und der öffentlichen Ausgaben, um wirtschaftliche Stabilität und Wachstum zu fördern. Er legt Wert auf eine expansive Geld- und Fiskalpolitik zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit und zur Stimulierung der Wirtschaft. Der Monetarismus hingegen betont die Kontrolle der Geldmenge und die Stabilität der Preise als Hauptinstrument zur Förderung von Wachstum und Stabilität, während er eine begrenztere Rolle für die Fiskalpolitik sieht.

Ist Monetarismus angebotsorientiert?

Nein, der Monetarismus ist primär auf die Geldpolitik und die Kontrolle der Geldmenge fokussiert, um Preisstabilität zu gewährleisten. Er betont die Bedeutung einer transparenten und vorhersehbaren Geldpolitik, um Vertrauen zu schaffen. Der Monetarismus ist nicht primär auf die Förderung der Angebotssituation oder strukturelle Reformen ausgerichtet.

Ist Neoklassik das gleiche wie Monetarismus?

Nein, Neoklassik und Monetarismus sind unterschiedliche wirtschaftliche Ansätze. Die Neoklassik basiert auf den Prinzipien des klassischen Liberalismus und betont das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage auf Märkten. Sie legt Wert auf individuelle Rationalität, Effizienz und die Rolle der Preisbildung. Der Monetarismus hingegen fokussiert sich auf die Geldpolitik und die Kontrolle der Geldmenge, um Preisstabilität zu gewährleisten. Während beide Ansätze auf mikroökonomischen Prinzipien beruhen, liegt der Schwerpunkt des Monetarismus auf der Geldpolitik, während die Neoklassik ein breiteres Spektrum wirtschaftlicher Aspekte abdeckt.

Was spricht für den Monetarismus?

Für den Monetarismus spricht, dass er eine klare Fokussierung auf die Geldpolitik und die Kontrolle der Geldmenge hat, um Preisstabilität zu gewährleisten. Durch eine regelbasierte Geldpolitik kann Vertrauen geschaffen werden. Der Monetarismus betont die Bedeutung von Transparenz, Vorhersagbarkeit und Unabhängigkeit der Zentralbank. Eine stabile Geldpolitik kann Inflation verhindern und langfristiges wirtschaftliches Wachstum fördern. Der monetaristische Ansatz legt Wert auf rationale Erwartungen der Wirtschaftsteilnehmer und betont die langfristigen Auswirkungen der Geldpolitik auf die Wirtschaft.

Zusammenfassung

  • Wichtige Bestandteile der Theorie des Monetarismus sind die Quantitätstheorie mit der Quantitätsgleichung des Geldes, der eher mittel- bis langfristige Zeithorizont, die adaptive Erwartungstheorie und die Rolle der Zentralbank.
  • Der Monetarismus betont in der Konjunkturpolitik die Geldpolitik. Er lehnt eine diskretionäre Geldpolitik ab.
  • Hinsichtlich der Konjunkturpolitik bildet der Monetarismus mit seinem Fokus auf die Geldpolitik den Gegenpart zum Keynesianismus mit seinem Fokus auf die Fiskalpolitik. Fokus bedeutet aber nicht, dass die jeweils andere Politik vollständig ausgeschlossen ist.
  • Vorteile des Monetarismus sind insbesondere die Einfachheit und Schnelligkeit in der Umsetzung. Nachteile bzw. Kritikpunkte haben sich nach einer erfolgreichen Anfangsphase schnell in der Umsetzung gezeigt. Die Realität ist wesentlich komplexer, als dass sie ausschließlich mit einem Fokus auf die stabile Geldmenge beschrieben werden kann.
  • Der Monetarismus bildet die Grundlage und einen wichtigen Bestandteil der angebotsorientierten Wirtschaftspolitik. Sie geht aber über die Annahmen des Monetarismus hinaus.

Literatur


  • Blanchard, Olivier und Gerhard Illing. Makroökonomie, Pearson Education Deutschland GmbH, 2017. 
  • Krugman, P. und R. Wells: Volkswirtschaftslehre, Schäffer-Poeschel, 2017. 
  • Söllner, F. Die Geschichte des ökonomischen Denkens, 3. Auflage, SpringerGabler, 2012.

Über die Autorin: 

Nadine Behncke

Promovierte Volkswirtin und überzeugte Europäerin. Ihre Schwerpunkte sind die Entwicklung und Herausforderungen der EU mit ihren Auswirkungen und Folgen auf Deutschland und seine Bevölkerung. Sie schreibt auf Think About zu Politik, Wirtschaft & Geschichte in Europa, um Wissen zu vermehren und zur Diskussion beizutragen.


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